Kundgebungen

Magyar vs. Orban: Letzter Schlagabtausch vor Schicksalswahl

11.04.2026

Zehntausende Ungarn sind am Samstag dem Aufruf von Oppositionsführer Péter Magyar in der ostungarischen Stadt Debrecen gefolgt.

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© APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK
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In Debrecen, das als Hochburg der rechtsnationalen Fidesz-Partei von Premier Viktor Orbán gilt, beendete der Chef der Partei Respekt und Freiheit (TISZA) seinen Wahlkampf. "Morgen werden wir die Staatspartei besiegen und unsere wunderschöne Heimat von all dem befreien, was durch die Fidesz-Macht vergiftet wurde, von Korruption, Lüge, Verarmung."

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"Viele Millionen Ungarn werden morgen für ein europäisches, funktionsfähiges, menschliches, freies und unabhängiges Ungarn stimmen", sagte Orbán-Herausforderer Magyar auf dem Universitäts-Platz in Debrecen am Vorabend der Parlamentswahl. Magyar betonte zugleich: "Unser Platz ist in Europa". In Umfragen liegt die TISZA deutlich vor der Fidesz.

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Neuaufbau und Versöhnung

Doch die gemeinsame Verantwortung würde nicht am Wahltag, dem 12. April enden. Denn am 13. April müsse damit begonnen werden, Ungarn neu aufzubauen, neu zu vereinen, zu versöhnen. "Als Sieger der Wahl müssen wir unseren Landsleuten die Hand reichen, die enttäuscht sein werden, dass nicht mehr ein Ungarn mit einem Ungarn konfrontiert ist", betonte Magyar. Er habe bei seinen Reisen durch Ungarn 700 Gemeinden besucht, mit Hunderttausenden Menschen gesprochen und sich ihre Sorgen, Probleme angehört. "Vor zwei Jahren wurden wir noch ausgelacht, als wir erklärten, zur stärksten Kraft in Ungarn zu werden" erinnerte Magyar. Heute hätte sich das geändert, da ein jeder sehe, dass "wir zu allem fähig sind".

Doch die Abwahl von Orbán sei nur der erste Schritt. Der nächste bestünde in der Schaffung eines menschlichen, europäischen, freien Ungarn. Die TISZA-Regierung werde eine Regierung des Friedens sein, werde keine ungarischen Soldaten Waffen in internationale Konflikte schicken, für keine Wehrpflicht stimmen. Orbán hätte nicht die Befugnis erhalten, den Rechtsstaat abzuschaffen und offen russische Interessen zu vertreten, kritisierte Magyar.

Orbán wiederum rief seine Anhänger am Samstagabend auf den Budaer Burgberg. Die beiden Kundgebungen werden seitens der Medien als der letzte Schlagabtausch zwischen Orbán und seinem Herausforderer Magyar bezeichnet.

Orbán: Das Wichtigste bei der Wahl ist der Frieden 

In seiner Rede auf dem Burgberg versuchte der ungarische rechtsnationale Premier Viktor Orbán junge Menschen davon zu überzeugen, dass es lohnenswert sei, für Fidesz zu stimmen. Das Wahlkampffinale finde in Budapest statt, um zu zeigen, wie stark die Rechte auch hier sei. "Wir müssen Budapest zurückerobern, es ist nur eine Frage der Zeit". Und er betonte: Das Wichtigste bei der Wahl ist der Frieden.

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Laut Orbán geht es bei der Wahl darum, ob Ungarn in einen Krieg abgleite und das Land ausgeraubt werde. Auch würde die Wahl darüber entscheiden, ob eine nationale oder pro-ukrainische Regierung gebildet werde. Der Premier kritisierte die Ukraine für deren "Ölblockade" und betonte, dass seine "christliche Regierung" der Ukraine viel geholfen hätte.

Anschuldigungen gegen die TISZA-Partei

Orbán kritisierte die TISZA-Partei seines Herausforderer Péter Magyar. Laut dem Premier musste jüngst ein jeder, der es wagte, eine andere Meinung als die TISZA-Partei zu äußern, mit Verleumdungen rechnen und damit, dass die TISZA-Anhänger ihn massenhaft angreifen. Aus dem Grunde sei es das Ziel der Fidesz-Kampagne gewesen, die schweigende Mehrheit in eine laute zu verwandeln, was gelungen sei.

Als weitere Entwicklung der Kampagne bezeichnete Orbán das "Ausmaß der beispiellosen ausländischen Einmischung". Zugleich verwies er auf die Unterstützung der USA, die deutlich gemacht hätten, dass Ungarn Teil des Westens sei. Der Premier ging auch gesondert auf die Gemeinschaft der ungarischen Roma ein, die mit "überwältigender Mehrheit" für Fidesz stimmen würden. Um Ungarn vor dem Krieg zu schützen, brauche Fidesz bei der Wahl drei Millionen Stimmen, erklärte Orbán.