Zehntausende Ungarn sind am Samstag dem Aufruf von Oppositionsführer Péter Magyar in der ostungarischen Stadt Debrecen gefolgt.
In Debrecen, das als Hochburg der rechtsnationalen Fidesz-Partei von Premier Viktor Orbán gilt, beendete der Chef der Partei Respekt und Freiheit (TISZA) seinen Wahlkampf. "Morgen werden wir die Staatspartei besiegen und unsere wunderschöne Heimat von all dem befreien, was durch die Fidesz-Macht vergiftet wurde, von Korruption, Lüge, Verarmung."
"Viele Millionen Ungarn werden morgen für ein europäisches, funktionsfähiges, menschliches, freies und unabhängiges Ungarn stimmen", sagte Orbán-Herausforderer Magyar auf dem Universitäts-Platz in Debrecen am Vorabend der Parlamentswahl. Magyar betonte zugleich: "Unser Platz ist in Europa". In Umfragen liegt die TISZA deutlich vor der Fidesz.
Neuaufbau und Versöhnung
Doch die gemeinsame Verantwortung würde nicht am Wahltag, dem 12. April enden. Denn am 13. April müsse damit begonnen werden, Ungarn neu aufzubauen, neu zu vereinen, zu versöhnen. "Als Sieger der Wahl müssen wir unseren Landsleuten die Hand reichen, die enttäuscht sein werden, dass nicht mehr ein Ungarn mit einem Ungarn konfrontiert ist", betonte Magyar. Er habe bei seinen Reisen durch Ungarn 700 Gemeinden besucht, mit Hunderttausenden Menschen gesprochen und sich ihre Sorgen, Probleme angehört. "Vor zwei Jahren wurden wir noch ausgelacht, als wir erklärten, zur stärksten Kraft in Ungarn zu werden" erinnerte Magyar. Heute hätte sich das geändert, da ein jeder sehe, dass "wir zu allem fähig sind".
Doch die Abwahl von Orbán sei nur der erste Schritt. Der nächste bestünde in der Schaffung eines menschlichen, europäischen, freien Ungarn. Die TISZA-Regierung werde eine Regierung des Friedens sein, werde keine ungarischen Soldaten Waffen in internationale Konflikte schicken, für keine Wehrpflicht stimmen. Orbán hätte nicht die Befugnis erhalten, den Rechtsstaat abzuschaffen und offen russische Interessen zu vertreten, kritisierte Magyar.
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Orbán wiederum rief seine Anhänger am Samstagabend auf den Budaer Burgberg.
Die beiden Kundgebungen werden seitens der Medien als der letzte Schlagabtausch zwischen Orbán und seinem Herausforderer Magyar bezeichnet.