Asche über Ö
Wie gefährlich ist die Vulkan-Wolke?
Die Lava-Wolke ändert unser Klima und kann enorme gesundheitliche Schäden hervorrufen – bis hin zum Herzinfarkt, warnt ein Arzt!
Das Eintreffen der Wolke über Österreich hat große Auswirkungen auf unser Leben – Risikogruppen müssen besonders Acht geben. Manfred Neuberger, Leiter der Abteilung für Präventivmedizin am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien: Vor allem Asthmatiker, aber auch Herzkranke sind besonders gefährdet. „Diese Menschen sollten, wenn der Staub herunter kommt, besser zu Hause bleiben.“ Masken wie zuletzt gegen Schweinegrippe würden schützen. Zwei Szenarien sind laut Neuberger möglich:
- Der Staub wird weiter Richtung Meer gezogen oder mit Regen in den Wasserkreislauf gebracht, was ungefährlich wäre.
- Gefährlich wird es, wenn die Staubpartikel trocken herunterfallen. „Dann sollte man Sport im Freien vermeiden. Eine Absage des Marathons müsste man in so einem Fall in Betracht ziehen“, so Neuberger. Die ganz kleinen Staubpartikel gehen sogar „durch die Lunge durch“, werden auf dem Blutweg ins Herz transportiert, ins Hirn und alle Organe. Sie können im Blut Gerinnungsprozesse fördern, Entzündungsprozesse bei Gefäßinnenwänden beschleunigen – „da gibt ist die Gefahr, dass man auch einen Herzinfarkt bekommt“.
Die Temperatur sinkt in Österreich um 0,5 Grad
Jetzt kommt
das gesamte europäische Klima durcheinander. Der Frühling wird getrübt: Die
Temperaturen sinken bei uns um bis zu einem halben Grad Celsius. „Mehrere
Jahre lang werden die Staub-Partikel einen kühlenden Effekt haben“, sagt der
führende Klimatologe Herbert Formayer.
So funktioniert die Lava-Kühlung: Der Vulkan schleuderte die Asche in die Stratosphäre – das ist die zweite Schicht der Atmosphäre (Höhe: 12 km). Dort befindet sich derzeit der Staub (siehe Grafik) und blockiert die Sonne.Wärmende Sonnenstrahlen werden von dem Lava-Staub reflektiert – es wirkt wie ein Sonnenschirm. Durch die verloren gegangenen Strahlen – schätzen Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik – ist unser Klima derzeit ein halbes Grad kälter als sonst.
Grauer Regen
Diese Kühlung könnte auch unseren Sommer und das
Klima der nächsten Jahre gefährden. Denn in der Stratosphäre gibt es keinen
Regen, der Vulkan-Schmutz wird also nicht zur Erde zurückgeschleudert und
bleibt in dieser Höhe: „In der Stratosphäre können Staubpartikel ein bis
drei Jahre bleiben. So lange reduzieren sie die Sonneneinstrahlung und haben
einen kühlenden Effekt“, so Formayer.
Dieser Effekt ist nicht neu: 1991 brach der Mount Pinatubo auf den Philippinen aus – 1.000 Menschen kamen ums Leben. Der aufgewirbelte Staub senkte die Temperatur weltweit auch um ein halbes Grad. Und 1816 gilt als Jahr ohne Sommer. Nach einem Vulkanausbruch auf Indonesien gingen von April bis September Regen-, Graupel- und Schneeschauer nieder.
Weitere Auswirkung: grauer Regen – Staubpartikel, die auf die Erde fallen:
„Besonders gut ist das zu sehen, wenn man sich die Mühe macht, die
Windschutzscheiben zu putzen“, so Reinhard Böhm, ZAMG-Klimaforscher.