Gefährliche Abkühlung
Hitze fordert Tribut: 12 Badetote in einer Woche
Eine schwarze Serie schockt zum Beginn der Bade(see)-Saison: Innerhalb von einer Woche gab es in Österreich 12 Todesfälle beim Baden und Schwimmen. Die jüngsten tödlichen Badeunfälle:
Auf der Ill in Bludenz starben am Sonntag zwei Menschen, darunter ein zehnjähriges Kind - vor den Augen seines eigenen Vaters (40), der ebenfalls dort unterhalb des CKG-Wasserfalls in Bludenz im Wasser war und zunächst zusehen musste, wie ein 22-jähriger Bekannter und sein Sohn aufgrund der starken Strömungs- und Sogkräfte einer Wasserwalze unter die Oberfläche gedrückt wurden und ertranken. Auch der 40-Jährige starb spägter an den Folgen der daramatischen Geschehnisse im Spital.
Freitagabend davor war ein 34-Jähriger laut der anwesenden Lebensgefährtin, nachdem er etlichen Alkohol zu sich genommen hatte, von einer Fußgängerbrücke in die Neue Donau gesprungen, schwamm dann noch zu einem Brückenpfeiler bei der U-Bahn-Station und ging unter. Taucher der Berufsfeuerwehr Wien brachten den Mann an Land, die Berufsrettung Wien startete Reanimationsmaßnahmen, welche aber nicht mehr erfolgreich waren.
Leiche trieb in Becken von Freibad
Ein weiteres Todesdrama im Wasser ereignete sich Samstagnachmittag in Golling im Bezirk Melk: Ein 84-jähriger Mann trieb leblos mit dem Kopf unter Wasser im hauseigenen Badeteich. Seine Ehefrau fand ihn und verständigte die Nachbarn, die den Notruf wählten. Der mit dem Rettungshubschrauber angerückte Notarzt konnte nur mehr den Tod des 84-Jährigen feststellen, berichtete die Polizei.
In Peter in der Au (Bzeirk Amstetten) ist am Wochenende bei einem ein 79-Jähriger gestorben. Der Einheimische war am Sonntagnachmittag leblos in einem Becken des Freibades entdeckt worden. Nach der Bergung aus dem Wasser wurden Rettungsmaßnahmen durchgeführt, ein Notarzt konnte aber nur noch den Tod des Mannes feststellen.
Vergangenen Sonntag, das Schwimm- und Strandbad Gänsehäufel war bis auf den letzten Liegeplatz bummvoll, ertrank ein Mann, als er mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern am Ostrand war. Plötzlich waren verzweifelte Schreie zu hören: "Mein Mann! Mein Mann!"
Der 39-jährige Rumäne war alleine hinausgeschwommen und untergegangen. Obwohl sofort Dutzende Zeugen nach ihm tauchten und die Einsatzkräfte mit den Bademeistern in kürzester Zeit vor Ort waren, konnte der Familienvater im trüben Wasser nicht mehr rechtzeitig gefunden werden. Als er dann endlich geortet und geborgen war, war es leider zu spät - alle Wiederbelebungsversuche scheiterten.
Seine Kinder Bogdan und die Schwester Cataleya mussten ebenso wie die Mutter und Ehefrau des 39-Jährigen die furchtbaren Szenen miterleben und erlitten dabei einen unvorstellbaren Verlust und ein schlimmes Trauma. Um wenigstens ihren finanziellen Sorgen zu lindern, hat die Schulgemeinschaft der GTVS Wulzendorfstraße in der Donaustadt auf gofundme eine Spendenaktion für die Familie ins Leben gerufen.
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Sprung von Partyboot - nicht mehr aufgetaucht
Noch am selben Abend dann - ebenfalls im Gänsehäufel - die nächste Tragödie: Ein 23-Jähriger - der mit einem Freund auf einem Party-Boot, das sich die beiden an der Alten Donau gemietet hatten, unterwegs gewesen war - sprang ins tiefe Wasser hinein, um sich abzukühlen oder vor dem Strand actionsmäßig zu posen und tauchte im Gegensatz zu seinem Freund nicht mehr auf. Der Bursche mit arabischen Wurzeln konnte ebenfalls nicht mehr reanimiert werden.
Medizinische Notfälle beim Schwimmen
In den darauffolgenden Tagen fanden dann drei ältere Niederösterreicher ihren Tod im kühlen Nass: So wurde ein 82-Jähriger aus dem Bezirk Baden leblos aus dem Dürrsee in Münchendorf (Bezirk Mödling) geborgen. Nur einen Tag vor seinem 83. Geburtstag tauchte er nach einer Schwimmrunde nicht mehr auf. Die Leiche des Abgängigen wurde mittels einer Polizeidrohne im künstlichen Badesee, der von privaten Wohnhäusern und Ferienunterkünften umgeben ist, entdeckt.
Ebenfalls noch am Sonntag wurden die Einsatzkräfte auch nach Payerbach im Bezirk Neunkirchen gerufen. Dort entdeckte ein Ortsbewohner einen Angehörigen leblos in einem privaten Schwimmteich. Der 67-Jährige dürfte einen medizinischen Notfall beim Schwimmen erlitten haben. Die Polizei geht von einem Zusammenhang mit der Hitze aus.
Ohne Erfolg blieben auch die Reanimationsversuche einer 77-jährigen Niederösterreicherin aus dem Bezirk Amstetten, die nach Angaben beim Schwimmen im Pichlingersee, einem Baggersee am Stadtrand von Linz, plötzlich unterging. Die Frau hatte einen Badeausflug gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten unternommen. Laut Augenzeugen dürfte die Schwimmerin rund 40 Meter vom Ufer entfernt wegen gesundheitlicher Probleme in Not geraten sein.
Donnerstagvormittag starb dann ein 84-Jähriger beim Schwimmen im Attersee bei Nußdorf: Eine SUP-Fahrerin, die direkt neben dem Pensionisten im Wasser war, hörte ihn husten und bot ihm ihr Paddel zum Festhalten an. Doch der Mann ging wortlos unter. Die Zeugin schrie sofort in Richtung Badeplatz um Hilfe. Knapp 30 Minuten später bargen Feuerwehrtaucher den Mann aus einer Tiefe von etwa 10 Metern aus dem See. Trotz sofortiger Reanimationsversuche konnte der anwesende Notarzt nur noch den Tod feststellen.
Es steht zu befürchten, dass die Zahl der Opfer in Bädern und Gewässern in den nächsten Tagen extrem steigen könnte. Vor allem ältere Personen, denen ohnehin schon die Hitze zu schaffen macht, sind vom Herz-Kreislauf her gefährdet: Die Gründe:
- Kälteschock: Die Blutgefäße des aufgeheizten Körpers sind erweitert, um die Hitze abzugeben. Ein plötzlicher Sprung in kaltes Wasser kann die Adern schlagartig verengen. Das kann zu einem massiven Blutdruckanstieg, Herzrasen oder sogar Herzrhythmusstörungen führen.
- Muskelkrämpfe: Die Temperaturunterschiede können Muskelkrämpfe auslösen. Treten diese beim Schwimmen auf, können sie lebensgefährlich werden.
- Kreislaufkollaps: Wer erhitzt ins Wasser geht und vielleicht zu wenig getrunken und dehydriert ist, riskiert, dass der Kreislauf den schnellen Wechsel von extremer Wärme zu Kälte nicht verkraftet und kollabiert.
Tipp von Experten: Arme, Beine und Oberkörper langsam an den Temperaturwechsel gewöhnen: Erst duschen und abkühlen lautet daher die Devise. Keinesfalls sollte man aufgeheizt einfach ins Wasser springen. Schon bei 30 Grad Außentemperatur hat die Hautoberfläche nach einer halben Stunde etwa 40 Grad. Das Wasser komme an der Oberfläche vielleicht auf 25 Grad, weiter unten ist es aber kühler. Das verträgt dann nicht mehr jede*r!