Ukraine-Krieg
Austro-Experte warnt: Putin könnte Nuklear-Karte ziehen
Die Ukraine setzt Russland mit neuen Technologien und immer präziseren Angriffen zunehmend unter Druck. Nach Einschätzung des österreichischen Militärexperten Markus Reisner hat der Krieg damit eine neue Phase erreicht. Gleichzeitig warnt der Historiker und Offizier vor möglichen Reaktionen des Kremls – bis hin zu neuen nuklearen Drohungen von Präsident Wladimir Putin.
Auch interessant
Vor allem der verstärkte Einsatz moderner Drohnen sorgt laut Reisner für eine veränderte Lage auf dem Schlachtfeld. Die Ukraine sei inzwischen in der Lage, kontinuierlich wirkungsvolle Luftkampagnen gegen Ziele in Russland durchzuführen.
"Ja, auf jeden Fall. Es ist ganz interessant zu sehen, dass es die Ukraine in dieser neuen Phase des Krieges geschafft hat, eine Produktionsrate von weitreichenden Drohnen aufzustellen, die es ihr auch möglich macht, konstant wirkungsvolle Luftkampagnen gegen die Russische Föderation durchzuführen", sagte Reisner im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.
Zwei Entwicklungen
Dabei beobachtet der Experte zwei besonders wichtige Entwicklungen. Zum einen würden teilweise vollautonome Drohnen eingesetzt, um die russische Logistik im Süden der Front zu stören. Zum anderen nutze die Ukraine moderne KI-Technologie, um Ziele deutlich schneller zu identifizieren und anzugreifen.
"Wir haben zwei Entwicklungen, die bemerkenswert sind. Auf der operativen Ebene sehen wir den Einsatz von teilweise vollautonomen Drohnen bei der Störung der russischen Logistik im Süden der Front. Auf strategischer Ebene beobachten wir, wie die Ukraine mit KI-Software von Palantir russische Ziele in sehr kurzer Zeit aufklären und angreifen kann", erklärte Reisner.
Die Folgen dieser Entwicklung könnten weitreichend sein. Nach Ansicht des Militärexperten gerät Russland dadurch zunehmend unter Druck. In den kommenden Wochen werde sich zeigen, ob die russischen Streitkräfte auf die neuen Herausforderungen reagieren und ihre Taktik anpassen können.
Enorm unter Druck
Gleichzeitig hält Reisner es für möglich, dass der Kreml erneut verstärkt auf nukleare Drohgebärden setzt, um den Westen und die Ukraine einzuschüchtern.
"Dass Russland enorm unter Druck gerät. In den nächsten Wochen wird man sehen, wie Russland darauf reagieren wird. Ob die russische Armee sich anpassen kann, oder Russlands Präsident Putin wieder seine Nuklearkarten zieht und neue Drohungen ausstößt", sagte der Experte.
Die jüngsten ukrainischen Angriffe richten sich dabei nicht nur gegen Ziele in Russland selbst, sondern auch gegen militärische Einrichtungen auf der von Moskau annektierten Krim. Nach Einschätzung westlicher Beobachter zeigen die Attacken, dass die Ukraine trotz der schwierigen Lage an der Front weiterhin in der Lage ist, Russland empfindliche Schläge zu versetzen.
Ob die technologischen Fortschritte der Ukraine langfristig das Kräfteverhältnis verändern können, bleibt offen. Für Reisner steht jedoch fest, dass Moskau zunehmend unter Zugzwang gerät – und damit auch die Gefahr wächst, dass der Kreml seine bekannte Strategie der nuklearen Einschüchterung wieder verstärkt einsetzt.