Slowenien

Die große Genussregion

River and Market in Ljubljana Centre with a view of Ljubljana Catherdral in the background. © Getty Images/iStockphoto
Leise, unaufgeregt und noch weitgehend unter dem Radar vieler Österreicher schiebt sich Slowenien als Gourmetdestination in den Fokus.

Nur einen Katzensprung entfernt überrascht Slowenien mit einer bemerkenswerten Dichte an kulinarischer Qualität zwischen alpiner Bodenständigkeit und mediterraner Leichtigkeit. Diese Mischung zeigt sich nicht nur auf den Tellern, sondern auch in den Gläsern: Das Land zählt zu den ältesten Weinbauregionen Europas. Neben traditionsreichen Lagen sorgt heute vor allem eine junge Generation von Winzerinnen und Winzern zunehmend international für Aufmerksamkeit.

Die Vinothek im Haus der Alten Rebe in Maribor bietet sorgfältig kuratierte Verkostungen an. © Miran Kambic

Die "Alte Rebe" in Maribor

Wie tief die Weintradition verwurzelt ist, zeigt sich exemplarisch in Maribor. Im Stadtteil Lent wächst an der Fassade eines Hauses die "Stara trta", die älteste noch fruchttragende Rebe der Welt. Seit mehr als 450 Jahren trotzt sie Kriegen, Bränden, der Reblaus und der Zeit selbst. Was zunächst wie ein verwitterter Weinstock wirkt, entpuppt sich als außergewöhnliches Natur- und Kulturerbe: Noch immer trägt die Rebe Trauben, aus denen Wein gewonnen wird – abgefüllt in Flaschen, die ausschließlich besonderen Gästen der Stadt vorbehalten sind. Ein Ableger der "Stara trta" wächst übrigens auch im Schönbrunner Schlosspark. Das Haus selbst beherbergt eine stilvolle, gut sortierte Vinothek mit einer langen Verkostungstheke.

Kulinarische Entdeckungen in Ljubljana

Nach der Weinkost geht es weiter ins nahe gelegene Ljubljana. In einer ehemaligen Fahrradfabrik direkt am Kanal befindet sich das TaBar, wo der preisgekrönte Chef Jakob Pintar seine Küche rund um selbst gefangenen Fisch, Wildpflanzen aus dem eigenen Garten und regionales Wild entwickelt. Im Untergeschoss wird eine sorgfältig kuratierte Auswahl biologischer und biodynamischer Weine ausgeschenkt, begleitet von kreativen Small Plates zum Teilen. Im Obergeschoss erwartet Gäste hingegen ein Chef’s-Choice-Degustationsmenü, das als Blind Tasting konzipiert ist und den Abend zur kulinarischen Entdeckungsreise macht.

Plecniks Handschrift an der Ljubljanica

Beim Stadtbummel zeigt sich schnell, wie stark Ljubljana vom Architekten Jože Plecnik geprägt wurde. Entlang der Ljubljanica reihen sich seine wichtigsten Eingriffe aneinander: die Dreibrücken-Brücke, die Zentralmarkthalle und die National- und Universitätsbibliothek verleihen dem Zentrum bis heute seine charakteristische Ordnung. Dazwischen spielt sich das Leben direkt am Wasser ab – Cafés, Stimmengewirr und Boote prägen die entspannte Atmosphäre und lassen Ljubljana gleichzeitig durchdacht und lebendig wirken.

Restaurant GRIC. In der Küche von Luka Košir verschwimmen die Grenzen zwischen Gast und Gastgeber. © Slowenischer Tourismus

Slowenische Genusswelt

In der slowenischen Genusswelt gilt die #kicnparty im Restaurant Gric in Horjul längst als fester Fixpunkt vieler Reisepläne – dieses Mal die Wien-Edition. Gastgeber Luka Košir lädt an diesem Abend eine Runde befreundeter Köche ein, deren Verbindungen vor allem im Umfeld des Steirerecks in Wien entstanden sind. Ergänzt wird die Runde durch Nejc Farcnik und Jakob Pintar vom TaBar. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die individuelle Präsentation, sondern ein gemeinsames kulinarisches Narrativ, das aus geteilten Erfahrungen gewachsen ist. Die teilnehmenden Köche – darunter Oliver Leitner vom Weingut Wachter-Wiesler aus Deutsch-Schützen und Daniel Leitner vom Lercher‘s Wirtshaus in Murau – interpretieren die Wiener Küche an diesem Abend doppelt: einerseits in ihrer traditionellen Verankerung, andererseits in einer zeitgenössischen Weiterentwicklung, wodurch ein fortlaufender Dialog zwischen Herkunft und Gegenwart entsteht. Das #kicnparty-Format lebt von seiner offenen Struktur: Gäste bewegen sich frei im Raum, betreten die Küche, beobachten die Zubereitung und treten direkt mit dem Team in Kontakt. Die Grenzen zwischen Gast und Gastgeber werden bewusst aufgehoben.

Historische Sommerfrische. Mit dem Ruderboot geht es über den Bleder See zur Marienkirche auf der Insel. © JOST GANTAR

Stopp am Bleder See

Der See mit seiner kleinen Insel liegt ruhig zwischen Bergen, darüber thront die Burg, in der sich neben den historischen Ausstellungen auch eine rekonstruierte Druckerei befindet, die an frühere Handwerkstraditionen erinnert. Dort kann man selbst aktiv werden und sich im Stil alter Drucktechniken ein personalisiertes Besuchs-Zertifikat mit eigenem Namen anfertigen. Während der Bootsfahrt zur Marienkirche auf der Bleder Insel erzählt der Kapitän, dass Bled seit dem 19. Jahrhundert eng mit der europäischen Sommerfrische verbunden ist. Der Naturheilkundler Arnold Rikli prägte den Ort als Kurdestination mit dem Fokus auf Luft, Licht und Bewegung. Bis heute ist dieser Charakter spürbar – der See ist zugleich Trainingsort und internationale Rudermetropole. Parallel dazu entwickelte sich schon in der Belle Époque eine mondäne Gesellschaftskultur, als der Hotelier Franz Baumgartner Bled zu einem Treffpunkt der europäischen Elite machte. Auch Melania Trump oder Paul McCartney zählen zu den Gästen.

Fixpunkte für Genuss Haus der Alten Rebe/Maribor. Schauplatz zweier fixer Termine im Jahreslauf: dem Rebschnitt im März und der feierlichen Weinlese im September Weinverkostung ab 18,90 Euro. www.najstarejsatrta.si

TaBar/Ljubljana. Chef’s Surprise/Blind Tasting Menu. Unbedingt vorbestellen! www.tabar.si

#kicnparty im Restaurant Gric/Horjul. Die #kicnparty ist ein kuratiertes Einzelevent und wird im Voraus auf der Website angekündigt. Die nächste findet am 17. Juni statt. www.gric.si