Teurer Selbstfaller
Europacup-Aus: Jetzt muss Rapid den Rotstift ansetzen
Durch die Niederlage im Elferschießen gegen die Hearts wurde die Ligaphase der Fußball-Conference-League und damit ein großes Saisonziel verpasst. Trainer Johannes Hoff Thorup beteuerte zwar, es handle sich in Bezug auf die Team-Entwicklung nicht um einen Rückschlag, sondern nur um eine Enttäuschung. Aber zur Tagesordnung wird man nicht so schnell zurückkehren können.
Das liegt allein schon an der Größe und den Kosten des aktuellen Kaders, der mit Blick auf ein Europacup-Engagement zumindest bis Mitte Dezember zusammengestellt wurde. In den kommenden Tagen - die Transferzeit läuft in den meisten europäischen Ligen bis Anfang September - dürfte so mancher Abgang bevorstehen.
Geschäftsführer Sport Markus Katzer gab sich abwartend und betonte, von einer deutlichen Personalreduktion sei nicht auszugehen. "Wir werden schauen, was es für Möglichkeiten gibt und versuchen, dass wir den bestmöglichen Kader in die Saison mitnehmen."
"Keine Schnellschüsse" bei möglichen Kaderveränderungen
Wichtig sei nun, keine überstürzten Handlungen zu setzen. "Wir brauchen keine Schnellschüsse, sondern müssen jetzt einmal analysieren", sagte Katzer. Er werde nun mit Hoff Thorup "Gespräche führen, wie wir uns ausrichten wollen, auch kadertechnisch".
Der dänische Coach war nach dem kapitalen Selbstfaller mit zwei Gegentoren in Überzahl sichtlich bemüht, keine Untergangsstimmung aufkommen zu lassen und verwies darauf, dass seine Mannschaft nach zehn Saisonpartien bei acht Siegen und zwei Unentschieden halte. Das Remis nach Verlängerung gegen die Hearts war jedoch mehr als eine gefühlte Niederlage. Rapid verlor nicht nur das erste Elferschießen überhaupt im Allianz Stadion, sondern auch geschätzte Bruttoeinnahmen von sieben Millionen Euro.
Hoff Thorup klagte, seine Truppe hätte die Partie schon vor dem Elferschießen für sich entscheiden müssen. Dass dies nicht gelang, sei an schlechtem Verhalten in Schlüsselmomenten gelegen. Der 37-Jährige wechselte bis zur 102. Minute nur zwei Mal, der formstarke Moulaye Haidara kam erst in der 111. Minute und bereitete wenig später das 2:2 vor, ehe er so wie der ebenfalls eingetauschte Marco Tilio vom Punkt scheiterte. Er habe aufgrund der Roten Karte für die Hearts in der 76. Minute mit weiteren Wechseln zuwarten wollen, um zu sehen, wie sich die Partie entwickle, lautete Hoff Thorups Begründung.
Hoff Thorup hofft auf angemessene Reaktion gegen Sturm
Auf seine Mannschaft wartet nun am Sonntag im Allianz Stadion ein Charaktertest - und das ausgerechnet gegen Vizemeister Sturm Graz, der die Hearts vor wenigen Wochen in der Champions-League-Qualifikation mit einem Gesamtscore von 6:0 abservierte. "Das Ausscheiden schmerzt heute und morgen, aber gegen Sturm will ich wieder Leidenschaft sehen", sagte Hoff Thorup. "Jetzt müssen wir die guten Dinge, die wir in dieser Saison gebracht haben, am Sonntag wieder bringen."