In Wien angeklagt
Fake-Schönheitschirurgin drohen bis zu 10 Jahre Haft
Wien. Nach langwierigen Ermittlungen wird in der kommenden Woche gegen eine falsche Beauty-Ärztin vor einem Wiener Schöffensenat verhandelt, die zahlreichen Patientinnen schwere Verletzungen zugefügt haben soll. Landesgerichtssprecherin Christina Salzborn bestätigte am Dienstagabend entsprechende APA-Informationen. Demnach findet am 23. Juli ein Prozess wegen Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrugs, schwerer Körperverletzung, Körperverletzung und Kurpfuscherei statt.
Die Anklage hat es in sich. Der Frau wird vorgeworfen, in großem Stil Behandlungen durchgeführt zu haben, zu denen nur ausgebildete Ärztinnen und Ärzte berechtigt sind. In zahlreichen Fällen sollen die von der 45-Jährigen vorgenommenen Eingriffe bei den Patientinnen und Patienten daneben gegangen sein. Zwischen 2021 und 2023 soll sie in Dutzenden Fällen Botox und Hyaluron gespritzt haben, was laut Anklage zu gravierenden, teilweise nachhaltigen Schäden führte: Infektionen, Schwellungen und Narbenbildungen, die einem medizinischen Gutachten zufolge eine länger als 24 Tage dauernde Gesundheitsschädigung bewirkten.
In mehr als 50 weiteren Fällen entstanden gemäß der Anklage infolge der Tätigkeiten der falschen Schönheitsärztin minder schwere Verletzungen wie Blutergüsse und Kopfschmerzen. Darüber hinaus soll sie als Geschäftsführerin mehrerer Gesellschaften Gelder abgezweigt und für private Zwecke - etwa zur Finanzierung ihres aufwendigen Lebensstils - verwendet haben. Der inkriminierte Schaden liegt deutlich über der strafbestimmenden Wertgrenze von 300.000 Euro. Auch die Kosten für die Erstellung einer Website soll sie als Auftraggeberin schuldig geblieben sein. Im Fall einer anklagekonformen Verurteilung drohen der Frau bis zu zehn Jahre Haft. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.
Auch interessant
Ende Mai in Paris festgenommen
Geraume Zeit hatte sich die falsche Schönheits-Ärztin der Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft Wien entzogen, indem sie sich ins Ausland absetzte. Ende Mai ging dann ihre Flucht zu Ende. Sie wurde nach gesicherten APA-Informationen am 23. Mai mit Europäischem Haftbefehl in Paris festgenommen und in weiterer Folge nach Wien überstellt.
Inzwischen befindet sie sich in der Justizanstalt (JA) Josefstadt in U-Haft. Als Haftgründe wurden Tatbegehungs- und Fluchtgefahr angenommen. Die Frau hat eine Kaution von 350.000 Euro angeboten, um gegen gelindere Mittel auf freien Fuß zu kommen. Darüber wurde noch nicht entschieden. Dass die Frau mit ihrer Fluchtgeschichte vor der Verhandlung enthaftet wird, erscheint eher unwahrscheinlich.