Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Ein landesweiter Protesttag gegen die drückenden Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist am Samstag in eine Welle der Gewalt umgeschlagen. Hunderttausende Menschen gingen im ganzen Land auf die Straße, während radikale Gruppen die Kundgebungen für schwere Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen nutzten. Innenminister Laurent Nuñez zog am Samstagabend eine erste düstere Bilanz der Krawalle.
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Die Sicherheitskräfte griffen am Samstag systematisch durch. Allein in der Hauptstadt Paris wurden rund 100 Personen festgenommen, weil sie Waffen oder verbotene Gegenstände mitführten. Landesweit summierte sich die Zahl der Festnahmen bis zum Abend auf mindestens 400. Die Polizei setzte Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein, um unkontrollierte Demonstrationszüge daran zu hindern, zu staatlichen Behörden vorzudringen.
In Marseille versuchten Protestierende, in eine Polizeiinspektion einzudringen, verschafften sich Zugang zum Rathaus und plünderten mehrere Geschäfte. In Lyon setzten Randalierer die Touristeninformation in Brand und behinderten die Feuerwehr gezielt am Löscheinsatz. Auch aus Avignon und Grenoble wurden Sachbeschädigungen an öffentlichen Gebäuden und Präfekturen gemeldet.
550.000 Menschen auf den Straßen
Laut offiziellen Angaben des Innenministeriums beteiligten sich landesweit rund 550.000 Menschen an den Demonstrationen. Die Organisatoren sprachen hingegen von bis zu 800.000 Teilnehmern. Dem Protestaufruf, der sich vor allem über soziale Medien verbreitet hatte, schloss sich ein breites Bündnis an: Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Zustände an Schulen demonstrieren, ebenso wie Landwirte, Feuerwehrleute und Beschäftigte im Niedriglohnsektor.
Rückkehr der Gelbwesten-Proteste?
In den Rängen der Regierung wächst die Sorge vor einer Wiederholung der Gelbwesten-Proteste aus den Jahren 2018 und 2019. Auch damals entzündeten sich die Massendemonstrationen an steigenden Spritpreisen und weiteten sich rasch zu einer allgemeinen Bewegung gegen soziale Ungerechtigkeit aus. Da der aktuelle Aufruf keiner einzelnen Organisation zuzuordnen ist, gestalten sich Verhandlungen für die Behörden extrem schwierig.
Das Innenministerium berichtete von einer starken Mobilisierung der ultralinken Szene. Vermummte Personen, die sich zu sogenannten "Schwarzen Blöcken" zusammenschlossen, verübten gezielte Anschläge auf Ordnungshüter und Medieneinrichtungen. In Paris blockierten etwa 100 Vermummte zeitweise den Zugang zum Fernsehsender CNews. Die Einsatzkräfte bleiben im ganzen Land in höchster Alarmbereitschaft, um weitere Plünderungen und Ausschreitungen einzudämmen.
Rathaus steht in Flammen
Die Ausschreitungen erreichten inzwischen auch das Rathaus der französischen Stadt Limoges. Nach einem Angriff auf das Gebäude brach dort am Samstag ein Feuer aus. Die Flammen breiteten sich auf einen Gebäudeflügel aus und erreichten das Dach. Die Feuerwehr rückte an, um zu verhindern, dass sich der Brand auf das gesamte Rathaus ausweitet. Auch in Limoges wurden Geschäfte geplündert.