DFB-Krise
»Jürgen schrie mich an, knallte die Tür«: Gündogan spricht über Klopp
Die Euphorie um Jürgen Klopp hat nach nur zwei Spielen einen ersten Dämpfer bekommen. Vor dem heutigen Nations-League-Duell mit Serbien in München wartet der neue Bundestrainer noch auf seinen ersten Sieg. Ausgerechnet İlkay Gündogan, der Klopp aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten bestens kennt, ordnet den schwierigen Start nun ein.
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"Ich bin trotzdem froh, dass Jürgen Bundestrainer ist", sagt der ehemalige DFB-Kapitän im Interview mit der "Zeit". Gündogan erinnert daran, dass Klopp sowohl Borussia Dortmund als auch Liverpool in schwierigen Situationen übernommen und später zu Titeln geführt habe.
Doch der 35-Jährige schickt eine Warnung hinterher: "Es wird jedoch ein harter Weg für die Spieler, das hat man bei den ersten beiden Spielen gesehen."
Gündogan sieht Deutschland hinter Top-Nationen
Gündogan spricht dabei auch ein grundsätzliches Problem des deutschen Fußballs an. "Spanien, Frankreich oder England sind besser besetzt. Das ist nun mal die Realität", sagt der 82-fache Nationalspieler.
Als Ausrede für frühes Scheitern bei großen Turnieren lässt er das allerdings nicht gelten. Entscheidend sei nicht, die besten Einzelspieler zu besitzen, sondern die beste Mannschaft zu formen.
Klopps radikaler Testkurs schreckt Gündogan deshalb nicht ab. Der neue Bundestrainer nominierte für seine ersten Spiele insgesamt bereits 44 Spieler. "Wir sollten ihm die Zeit zum Testen geben", fordert Gündogan.
"Jürgen schrie mich an, knallte die Tür"
Wie Klopp mit Spielern umgeht, erlebte Gündogan selbst in Dortmund. Im "Zeit"-Interview erzählt er von einem Wutausbruch seines damaligen Trainers.
Gündogan war aus Klopps Sicht zu spät am Trainingsgelände erschienen, um zum Physiotherapeuten zu gehen. "Da kam er ins Zimmer gestürmt, schrie mich an, knallte die Tür", erinnert sich Gündogan.
Für ihn sei die Reaktion zunächst überzogen gewesen. Doch eine halbe Stunde später habe Klopp ihn in den Arm genommen, seine Strenge erklärt und sich entschuldigt.
Genau darin sieht Gündogan eine der großen Stärken des heutigen Bundestrainers: "Wir Spieler haben seine impulsive Art immer akzeptiert: ehrlich, direkt, sympathisch." Sein Urteil fällt eindeutig aus: "Kein Trainer ist so authentisch wie er."
Jetzt braucht Klopp den ersten Sieg
Auch Klopps umstrittener Wechsel zu Red Bull hat Gündogans Bild von seinem ehemaligen Trainer nicht verändert. Er habe "keinen Zweifel", dass Klopp noch derselbe Mensch sei wie zu Dortmunder und Liverpooler Zeiten.
Sportlich braucht der Bundestrainer nun allerdings Ergebnisse. Nach dem enttäuschenden Start bietet das Heimspiel gegen Serbien die nächste Gelegenheit zum ersten Sieg.
Gündogan traut seinem früheren Trainer die Wende zu. Einfach wird sie aus Sicht des ehemaligen DFB-Kapitäns allerdings nicht: Der Weg zurück an die internationale Spitze werde für Deutschland hart.