Überprüfung

KHM-Chefs nach Vorwürfen entlastet

© APA/TOBIAS STEINMAURER
Ein neues Gutachten entlastet die KHM-Führung von Mobbing-Vorwürfen. Doch der Streit um Kommunikation und Führungsstil  reißt hinter den Kulissen nicht ab.
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Das Kuratorium des KHM-Museumsverbandes hat den Geschäftsführern Jonathan Fine und Paul Frey nach Prüfung von in den vergangenen Monaten laut gewordenen Vorwürfen im Umgang mit Mitarbeitenden in einer außerordentlichen Sitzung am Montag einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Eine rechtliche Überprüfung habe keine Hinweise auf Mobbing oder Bossing durch die Geschäftsführung oder auf Compliance-Verfehlungen ergeben, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung.

In der Sitzung sei ein vom Kuratorium beauftragtes und von der Arbeitsrechtsexpertin und Verfassungsrichterin Sieglinde Gahleitner erstelltes Gutachten behandelt worden. Für dessen Erstellung habe Gahleitner sowohl Veronika Sandbichler, die Direktorin am Schloss Ambras, von der öffentlich Vorwürfe erhoben wurden, und die beiden Geschäftsführer, aber auch der Betriebsrat, der externe Team-Coach in Schloss Ambras, sowie aktive und ehemalige Mitarbeiter:innen (insgesamt mehr als 30 Personen) gehört sowie vorgelegte Unterlagen und Email-Verkehr analysiert.

Dabei komme Gahleitner zu dem Schluss, "dass die Vorwürfe von Veronika Sandbichler nicht als Mobbing oder Bossing der Geschäftsführung angesehen werden können. Die Geschäftsführer haben auf interne und externe Beschwerden reagiert, die Ende 2024/Anfang 2025 Defizite im Führungsverhalten von Sandbichler thematisierten. Die im Laufe des Jahres 2025 angestrebte Verbesserung der Teamsituation und der wirtschaftlichen Situation in Schloss Ambras durch Erarbeitung einer effizienteren Organisationsstruktur und einer neuen inhaltlichen Ausrichtung führten jedoch zu keinem Ergebnis."

"Kommunikation verlief nicht optimal"

In der Kommunikation zwischen der Geschäftsführung und Frau Sandbichler habe es von Anfang 2025 an "immer wieder Missverständnisse und später auch Konflikte" gegeben, hieß es. Auch "die Kommunikation mit einigen Mitarbeitenden in der Übergangsphase zwischen Sabine Haag und Jonathan Fine verlief dem Gutachten zu Folge nicht optimal, dies vor allem im Zusammenhang mit der Beendigung von Dienstverhältnissen einiger weniger Führungskräfte. Daran wurde von drei Personen nachvollziehbar Kritik geäußert. Die aktiven Beschäftigten haben sich hingegen überwiegend positiv über das Klima, die Bestrebungen zur Modernisierung des Hauses und die notwendigen Veränderungsprozesse geäußert." Die behaupteten Verfehlungen von Geschäftsführer Paul Frey hätten sich bei ihrer Prüfung "als völlig haltlos erwiesen", hieß es weiter.

Für die Kuratoriumsvorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer ist "die rechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe nun abgeschlossen": "Nach Ansicht der Gutachterin wurde im vorliegenden Fall kein prozesshaftes, über längere Zeit hindurch systematisches Ausgrenzen von Frau Sandbichler mit dem Ziel des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis festgestellt. Das wäre Mobbing/Bossing. Jedenfalls ist die Kommunikation zwischen den Geschäftsführern und Frau Sandbichler in einer schwierigen betrieblichen Situation schlecht gelaufen. Das Kuratorium hat die Geschäftsführung daher aufgefordert, die Kommunikationsbemühungen insgesamt zu verstärken, um den notwendigen Change Prozess und weitere Reformschritte besser zu begleiten und in der Zukunft weiterzuentwickeln."

Gutachten-Veröffentlichung wird geprüft

Ob das Gutachten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, werde derzeit geprüft, heißt es aus dem Kulturministerium. "Das Ministerium befürwortet eine juristische Prüfung zur Teil-Veröffentlichung des Gutachtens durch das Kuratorium, um die höchstmögliche Transparenz des Vorgangs zu gewährleisten." Das Ministerium "hofft dabei auf eine positive Prüfung und baldige Veröffentlichung". Man begrüße "das umgehende Handeln des Kuratoriums und die ernsthafte Aufarbeitung der Vorwürfe" und erwarte von der Geschäftsführung die Umsetzung der Empfehlungen zum Change-Prozess und internen Kommunikationsmanagement.

"Künstlerische und kuratorische Exzellenz ersetzen wertschätzenden Umgang auf Augenhöhe nicht. Gerade im Kunst- und Kulturbereich kommt es immer wieder zu schwierigen Situationen betreffend Machtmissbrauch", hielt Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) in einem schriftlichen Statement fest. "Deswegen war es mir ein großes Anliegen, dass die Vorwürfe im Kunsthistorischen Museum intensiv überprüft werden."

Sandbichler-Anwalt Martin Maxl betonte in einer Stellungnahme, seiner Mandantin liege weder das Gahleitner-Gutachten noch der wirtschaftliche Prüfbericht von Deloitte vor. "Eine rechtliche und sachliche Einordnung ist unter diesen Umständen nicht möglich. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über einen längeren Zeitraum hinweg übereinstimmend von einem toxischen Führungsverhalten der Geschäftsführung des KHM-Museumsverbands berichtet haben. Eine Klärung kann nur auf Basis vollständiger Information erfolgen." Die zentrale Frage sei nicht, ob Begriffe wie Mobbing oder Bossing zuträfen, sondern: "Ist das Führungsverhalten der Geschäftsführung geeignet, ein respektvolles, angstfreies und professionelles Arbeitsumfeld sicherzustellen - oder nicht? Durch die Anwesenheit der Kuratoriumsvorsitzenden bei Befragungen erscheine zudem die Unabhängigkeit des Gutachtens "ernstlich in Frage gestellt. Für Zeuginnen und Zeugen entsteht zwangsläufig ein erhebliches Loyalitäts- und Einschüchterungspotenzial. Eine Untersuchung zu Vorwürfen strukturellen Machtmissbrauchs darf nicht unter den Augen der institutionellen Spitze stattfinden."