Vier Olympia-Goldmedaillen, eine Karriere über drei Jahrzehnte – und plötzlich reicht es nicht mehr für den Weltcup-Kader. Kurz vor dem Saisonauftakt in Lillehammer (20. bis 22. November) sorgt eine überraschende Entscheidung des Schweizer Skisprung-Nationaltrainers Bine Norcic für Aufsehen. Statt auf große Namen setzt der Slowene auf die aktuelle Trainingsform. Seine Ansage lässt keinen Spielraum für Verdienste aus der Vergangenheit.
Auch interessant
Olympia-Held muss zu Hause bleiben
Ausgerechnet Simon Ammann (45) hat es erwischt. Der vierfache Olympiasieger wurde für die ersten Weltcup-Bewerbe in Norwegen nicht nominiert. Stattdessen erhielt der 22-jährige Remo Imhof den letzten freien Platz im Schweizer Aufgebot.
Ammann hatte auf einen Start in Lillehammer gehofft. Doch Norcic hatte bereits vor der Entscheidung unmissverständlich erklärt, worauf es ihm bei der Auswahl ankommt.
"Wer in dieser Woche am besten springt, wird selektioniert. Was früher war, interessiert mich nicht", stellte der Nationaltrainer klar.
Nun ließ er seinen Worten Taten folgen. Imhof komplettiert das Schweizer Team um Gregor Deschwanden, Kilian Peier, Sandro Hauswirth und Juri Kesseli.
Für Ammann ist es ein bitterer Auftakt in seine 30. Weltcup-Saison. Der Routinier, der 1997 sein Debüt im Weltcup feierte, muss die ersten Wettkämpfe vor dem Fernseher verfolgen.
Neue Chance beim Heim-Weltcup
Das bedeutet allerdings noch nicht das Ende seiner Weltcup-Karriere. Die Nichtnominierung gilt zunächst nur für die ersten vier Einzelwettkämpfe der Saison.
Bereits im Dezember könnte Ammann beim Heim-Weltcup in Engelberg zurückkehren. Dort stehen den Schweizern aufgrund der Gastgeberquote zusätzliche Startplätze zur Verfügung.
Bis dahin muss sich der 45-Jährige im Training für eine neuerliche Nominierung empfehlen.
Viermal Olympia-Gold, jetzt ohne Startplatz
Dabei gehört Ammann zu den erfolgreichsten Skispringern der Geschichte. Bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City gewann er Gold auf der Normal- und der Großschanze. Acht Jahre später wiederholte er dieses Kunststück in Vancouver.
Vier Olympiasiege, fast drei Jahrzehnte im Weltcup – doch für Trainer Norcic zählen bei der Kaderauswahl ausschließlich die aktuellen Leistungen.
In Lillehammer beginnt die Saison am Freitag, dem 20. November, mit dem Mixed-Team-Bewerb. Am Samstag und Sonntag folgen die Einzelkonkurrenzen. Ammanns nächstmöglicher Weltcup-Auftritt könnte im Dezember in Engelberg stattfinden.