oe24-Interview

Kurz: "Zutiefst zufrieden mit Türkis-Blau"

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Ex-Kanzler bricht Lanze für Kurs "rechts der Mitte" und spricht auch über sein Gespräch mit FPÖ-Chef Herbert Kickl
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Plötzlich halber Milliardär. Der ehemalige Kanzler und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz spricht im Talk mit oe24-Chef Niki Fellner über seinen Erfolg im KI-Business und macht sich Sorgen um Europas Wettbewerbsfähigkeit.

Niki Fellner mit Sebastian Kurz © oe24
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oe24: Ihr Unternehmen "Dream" ist mit der neuen Finanzierungsrunde jetzt 3 Milliarden Dollar wert, Ihr Anteil fast 500 Millionen Dollar. Wie geht es einem, wenn man als halber Milliardär aufwacht?

SEBASTIAN KURZ: Bei allem Respekt, das ist ein bisschen eine Verkürzung. Natürlich habe ich mich gefreut, dass bei dieser Finanzierungsrunde alles gut gegangen ist. Es ist aber ein langer Weg. Ich habe vor viereinhalb Jahren die Politik verlassen, vor dreieinhalb Jahren habe ich mit meinem Partner das Unternehmen gegründet. Damals waren wir bei Null. Dann hat es sich Gott sei Dank gut entwickelt und wir haben mehrere Finanzierungsrunden gemacht. Und ja, dass wir jetzt noch einmal über 250 Millionen Dollar bekommen haben, führt dazu, dass wir weiter schnell wachsen, das Team noch einmal massiv erweitern und investieren können. Und insofern war es ein wichtiger, ein guter Schritt. Aber es geht natürlich Hand in Hand mit einer hohen Erwartungshaltung, da gibt es einen gewissen Druck.

oe24: Was ist Ihre Rolle bei Dream?

KURZ: Ich habe es gemeinsam mit meinem Partner gegründet, der mehr von der technischen Seite kommt. Er ist wesentlich mehr in Tel Aviv, ich bin mehr an den anderen Standorten unterwegs. Einerseits, was unsere Investoren betrifft, was Kunden betrifft, was Joint-Venture-Partner betrifft, mit denen wir gemeinsam arbeiten, gemeinsam verkaufen und gemeinsam entwickeln.

oe24: Dream nutzt Künstliche Intelligenz (KI), um vor Cyberangriffen zu schützen, Staaten, kritische Infrastruktur. Aber was genau macht Dream da eigentlich?

KURZ: Es ist unumstritten, dass künstliche Intelligenz alles verändern wird, ganz viele Industrien verändern wird, auch die Art und Weise, wie Prozesse. Wir sind mit der These gestartet, dass KI auch Cyberangriffe verändern wird und dass Hacker ganz neue Möglichkeiten haben werden. Und daher auch Cyberabwehr ganz neu gebaut werden muss. Zum Zweiten wollen wir, dass Staaten und Unternehmen unabhängiger von großen amerikanischen oder chinesischen Anbietern werden. Unser erstes Produkt ist eine KI-basierte Cybersicherheitslösung und das zweite ist im Intelligenzbereich angesiedelt, also dort, wo es um sensible staatliche Daten geht, die man nicht einfach teilen oder auf eine Cloud hochladen kann.

oe24: Gehen Sie an die Börse?

KURZ: Mein Ziel ist als Europäer, dass wir als europäisch-israelisches Unternehmen Angebote bauen, die gut sind, die wettbewerbsfähig sind und wo es am Ende nicht eine hundertprozentige Abhängigkeit von Amerika oder China gibt. Und ja, natürlich kann das in einen Börsengang münden.

oe24: Die EU beschäftigt sich sehr mit dem AI-Act – aber haben wir in Europa im Vergleich zu den USA oder Asien nicht den Anschluss verloren?

KURZ: Ja, total. Ich finde das höchst problematisch. Wir sind es gewohnt, dass wir Produkte nutzen, die aus den USA kommen. Egal, ob es das iPhone ist oder ob es Google ist oder Microsoft ist oder Facebook oder Twitter (X), es sind alles amerikanische Konzerne. Das Schlechte für uns Europäer ist, dass die Gewinne dort stattfinden, aber es war nie die Frage, ob wir Zugang haben. Und zuletzt gab es einen Paukenschlag. Denn die US-Regierung hat von einem Tag auf den anderen beschlossen, dass eines der besten Modelle der Welt, das von Antropic, nur noch in Amerika verwendet werden darf. Von einem Tag auf den anderen wurde Europa abgeschnitten. So wie wenn es heißen würde, von heute auf morgen gibt es in Europa kein Google mehr. Das gibt Anlass zur Sorge.

oe24: Es wird immer wieder gemunkelt, dass es ein Polit-Comeback von Ihnen geben könnte. Liebäugeln Sie wirklich damit?

KURZ: Ich habe gern Politik gemacht, es war wunderschön. Ich genieße aber sehr, was ich jetzt machen darf. Ich habe immer viel in der Politik vom Unternehmertum geredet und gepredigt. Jetzt mache ich es selbst und das fühlt sich richtig an. Insofern plane ich keine Politikrückkehr. Ja, ich bleibe ein politisch interessierter Mensch und bleibe auch mit vielen, die ich in der Politik kenne, im In- und Ausland in Kontakt. Aber das heißt nicht, dass ich selbst ein Amt anstrebe.

oe24: Es wurde viel über ein Geheimtreffen zwischen Ihnen und FPÖ-Obmann Herbert Kickl geredet. Was wurde da besprochen?

KURZ: So geheim war es nicht, nachdem die Medien darüber berichtet haben. Es war nichts Spektakuläres. Dass ich viele Freunde oder ehemalige Kollegen in der Politik habe, ist ja bekannt. Mit einigen davon halte ich weiterhin Kontakt. Nicht in einer übertriebenen Regelmäßigkeit, aber ab und zu einmal. Und ja, ich habe mich mit Herbert Kickl ausgetauscht, das war gut. Viel spektakulärer als das ist es aber auch nicht.

oe24: Er soll in einer Klubsitzung gesagt haben, Sie hätten ihm gegenüber eingestanden, dass es ein Fehler war, 2019 auf seine Entlassung als Innenminister zu bestehen und diese türkis-blaue Koalition zu beenden.

KURZ: War es ein Fehler? Ich habe das schon mehrfach öffentlich gesagt. Ich war zutiefst zufrieden mit dieser Regierung. Ich glaube, dass FPÖ und ÖVP damals extrem viel für das Land weitergebracht haben. Wir haben zweimal einen Budgetüberschuss erzielt. Wir haben Reformen durchgeführt. Wir haben die Arbeitszeiten flexibilisiert und wir sind als Standort attraktiver geworden. Also da ist einfach ganz viel in die richtige Richtung gegangen, insbesondere auch im Migrationsbereich. Durch Ibiza gab es da ein unglückliches Ende. Und ja, finde ich, dass es gut gewesen wäre, wenn es weitergegangen wäre, definitiv. Und dass ich jemand bin, der Mitte rechts tickt und glaube, dass das gut ist für Europa wäre, das ist ebenfalls bekannt.