Mobbing & Co

Marktamt-Skandal: "Kultur des Wegschauens!"

© C. Jobst/PID
Die Vorwürfe rund um das Wiener Marktamt (MA59) reißen nicht ab. Beide Oppositionsparteien fordern nun Konsequenzen: die Grünen eine unabhängige Untersuchungsstelle und Whistleblower-Schutz, die FPÖ Neuwahlen und eine dringliche Anfrage im Herbst.
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Beschäftigte berichten von Mobbing, Sexismus und Rassismus – jahrelang unbeachtet. "Was in der MA59 passiert ist, ist kein Einzelfall einer Person, sondern das Symptom eines Systems", so Peter Kraus, Chef der Wiener Grünen. Besonders brisant: Der frühere Abteilungsleiter Andreas Kutheil und sein Stellvertreter hatten laut Grünen lange Zugriff auf Mails, Unterlagen und Akten – dienstrechtliche Konsequenzen blieben jedoch aus.

Kutheil ist nicht mehr im Amt: Er hat die Leitung der MA 59 am 16. Juli 2026 mit sofortiger Wirkung zurückgelegt – laut Stadt Wien auf eigenes Ersuchen und aus „persönlichen Gründen". Die Abteilungsleitung übernimmt bis auf Weiteres sein bisheriger Stellvertreter Christian Seiringer. Die interne Prüfung der Vorwürfe (Mobbing, Rassismus, Sexismus) durch die Magistratsdirektion läuft weiter, für Kutheil gilt die Unschuldsvermutung.

SPÖ soll zugedeckt haben

Grüne-Personalsprecherin Barbara Huemer wirft der Stadtregierung vor, trotz Kenntnis nichts unternommen zu haben: "Seit einer Woche sind die Missstände in der MA59 medial, seit Monaten im Rathaus bekannt. Passiert ist aber nichts." Die Grünen fordern von Bürgermeister Ludwig in einer schriftlichen Anfrage lückenlose Aufklärung.

FPÖ ortet System

Auch die FPÖ nimmt das Marktamt ins Visier. Gemeinderat Maximilian Krauss spricht von einem "korrupten System", das im Marktamt sichtbar geworden sei und auch andere Bereiche der Stadtverwaltung betreffen könnte. Er verweist auf Mitarbeiterbeschwerden sowie auf manipulierte Zahlen zur Rechtfertigung von Projekten und Budgetmitteln – und kündigt eine dringliche Anfrage im Herbst an. Stadtrat Dominik Nepp geht sogar weiter und wirft Bürgermeister Ludwig (SPÖ) generell ein "System aus Machtmissbrauch und Mobbing" vor, in dem Posten nach Parteibuch vergeben würden.

Konkrete Forderungen

Die Grünen wollen eine unabhängige Untersuchung, eine vertrauliche Beschwerdestelle, Kostenübernahme für Betroffene sowie strukturelle Reformen wie das Vier-Augen-Prinzip bei Personalentscheidungen und ein Whistleblower-Schutzsystem. Die FPÖ wiederum setzt auf politischen Druck: eine Sondersitzung des Gemeinderats mit Neuwahl-Antrag sowie die angekündigte dringliche Anfrage im Herbst.

Fazit. Ob roter Filz oder Parteibuch-Wirtschaft – in der Deutung unterscheiden sich Grüne und FPÖ, im Befund sind sie sich einig: Im Marktamt ist über Jahre etwas schiefgelaufen, ohne dass jemand eingriff. Bleibt die Frage: Reicht der Druck aus zwei Oppositionsrichtungen, um die versprochene Aufklärung tatsächlich zu erzwingen – oder bleibt es beim nächsten Rundmail aus dem Rathaus?