Ganz Norwegen scheint nach dem spektakulären WM-Sieg gegen Brasilien (2:1) im Fußballrausch zu sein – und auch Marius Borg Høiby soll das Turnier hinter Gittern verfolgen. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit sitzt im Hochsicherheitsgefängnis Ila westlich von Oslo in Untersuchungshaft. Wie er die WM-Spiele erlebt, verriet die Gefängnisdirektorin gegenüber der "BILD-Zeitung": "In der Haftanstalt herrscht das gleiche WM-Fieber wie draußen im Land, viele verfolgen die Spiele."
Fußball rund um die Uhr
Laut Gefängnisdirektorin haben die Häftlinge gleich mehrere Möglichkeiten, die WM zu verfolgen. "Es gibt Fernseher in den Gemeinschaftsräumen und in den Zellen. Sie können Fußball schauen, wo sie wollen", sagte sie. Und das nicht nur tagsüber: "Da die Häftlinge alle Fernseher in ihren Zellen haben, können sie auch in der Nacht Fußball schauen, wenn sie das wollen." Das nächste Highlight für die fußballverliebten Insassen steht schon bald an – am Samstag, 11. Juli, trifft Norwegen im Viertelfinale auf England.
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Resozialisierung statt Strafe
Dass die Häftlinge in Norwegen so viel Freiraum genießen, liegt am dortigen Strafvollzug, der radikal auf das Prinzip der Resozialisierung durch Vertrauen und Normalität setzt. Anstatt auf bloße Bestrafung zu bauen, wird der reine Freiheitsentzug als die eigentliche Strafe angesehen, während der Alltag im Gefängnis dem Leben in Freiheit so weit wie möglich ähnelt. Durch das Prinzip der Normalität lernen Häftlinge Eigenverantwortung, kochen selbst, treiben Sport und tragen zivile Kleidung. Sogar Schwerverbrecher verbringen im offenen Vollzug wie auf der Insel Bastøy ohne Gitter und mit unbewaffneten Wärtern ihre letzten Haftjahre. Die Wärter fungieren als pädagogische Betreuer, wodurch Sicherheit primär durch soziale Beziehungen statt durch physische Barrieren entsteht – was zu einer niedrigen Rückfallquote von nur rund 20 Prozent führt.
Schwere Vorwürfe gegen Marius
Marius war am 15. Juni zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Auf der Liste seiner Straftaten stehen unter anderem zwei Vergewaltigungen sowie "Misshandlung in nahen Beziehungen". Seine Anwälte haben Berufung eingelegt und fordern in diesen Punkten einen Freispruch, weshalb das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Mehrere Anträge auf vorzeitige Haftentlassung – zuletzt mit Verweis auf den Gesundheitszustand seiner Mutter, die Anfang Juni eine Lungentransplantation erhalten hatte – scheiterten vor Gericht. Die Richter lehnten sie stets mit Blick auf die Wiederholungsgefahr ab, da Marius zuvor wiederholt das Kontaktverbot zu seiner Ex-Freundin gebrochen hatte.