Kirchenausschluss
Nach verbotener Weihe: Papst sorgt für größten Rausschmiss seit der Reformation
Die zuständige Behörde für Glaubenslehre gab im Vatikan den Ausschluss der vier neu geweihten Bischöfe der traditionalistischen Glaubensgemeinschaft sowie zwei weiterer Bischöfe aus der Kirche bekannt. Damit verlieren die Geistlichen all ihre kirchlichen Ämter und Würden. Mit der Weihe gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. hätten sie einen "Akt schismatischer Natur" vollzogen, hieß in dem veröffentlichten Vatikan-Dekret. Damit wird eine Handlung bezeichnet, die die Spaltung der römisch-katholischen Kirche bezweckt. Die mächtige Behörde für Glaubenslehre warnte Geistliche und Laien der Gemeinschaft davor, sich dem Schisma anzuschließen.
Schweizer, US-Amerikaner und zwei Franzosen betroffen
Konkret betroffen von der Verbannung aus der Kirche sind der spanische Bischof Alfonso de Galarreta, der die Weihe vornahm, sowie die vier neuen Bischöfe Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den USA sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (beide aus Frankreich). Auch Bischof Bernard Fellay (Schweiz) ist wegen seiner Beteiligung betroffen.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. - so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft - hatte am Mittwoch im schweizerischen Écône trotz ausdrücklicher Warnung des Vatikan neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan hatte bereits Wochen zuvor klargemacht, dass ein solcher Schritt ohne Zustimmung des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht.
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Eskalation in jahrelangem Streit
Mit der jüngsten Entwicklung ist ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt eskaliert. Die Gemeinschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Dieses Konzil veränderte etwa die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zu den Laien grundlegend und erlaubte die Messe in den Landessprachen statt auf Latein.
Bereits 1988 hatte Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Er und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die schwere Kirchenstrafe 2009 aber als Zeichen der Versöhnung wieder auf. Die Entscheidung des deutschen Papstes löste weltweit Kritik aus, weil unter den damals geweihten vier Bischöfen auch der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson war.
Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin kündigte weitere Sanktionen gegen die Piusbrüder an, ohne einen Zeitpunkt zu nennen. Zugleich äußerte er seine Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Dialogs mit der Piusbruderschaft. "Wir empfinden großen Schmerz, weil ein solcher Akt die Einheit der Kirche tief verletzt", sagte Parolin am Donnerstag am Rande eines Pressetermins vor Journalisten in Rom laut Medienangaben hinsichtlich der untersagten Weihe der Bischöfe. Gleichzeitig äußerte Parolin die Hoffnung, dass nichtsdestotrotz "der Dialog wieder aufgenommen werden kann, um eine Lösung zu finden". Mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil, das von traditionalistischen Gruppen abgelehnt wird, betonte der Kardinal, es sei "ein Meilenstein in der Geschichte der Kirche und müsse akzeptiert werden".