Schock-Kampagne
Neue Anti-Rotgänger-Schilder sorgen für Diskussionen
Wien setzt im Kampf gegen das Überqueren von Straßen bei Rot auf ungewöhnlich drastische Abschreckung: Am Westbahnhof und an weiteren stark frequentierten Kreuzungen wurden neue Warnschilder aufgestellt, die mit einem auffälligen Motiv auf die Unfallgefahr hinweisen, darunter sogar der Kreideumriss eines verunglückten Fußgängers, wie man ihn aus Krimis kennt.
Die Botschaft ist unmissverständlich: "Einer von sechs Verletzten, die hier bei ROT über die Straße gingen." Mit dieser Formulierung sollen Passantinnen und Passanten stärker sensibilisiert werden, die Ampelregelung einzuhalten. Die Stadt Wien sieht darin eine gezielte Maßnahme zur Verkehrssicherheit.
Laut der zuständigen Magistratsabteilung 46 (MA 46) komme es an bestimmten Kreuzungen immer wieder zu gefährlichen Situationen durch Rotlichtverstöße. Die Tafeln sollen vor allem abschrecken und Unfälle verhindern. Insgesamt sind derzeit drei solcher Schilder im Stadtgebiet installiert, weitere sind laut Stadt aktuell nicht geplant, so die zuständige Verkehrsbehörde MA 46 auf Anfrage des ORF.
Kritik vom Verkehrsclub Österreich
Nicht überall stößt die Maßnahme auf Zustimmung. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hält wenig von der "Schockstrategie". Aus Sicht des VCÖ seien strukturelle Maßnahmen deutlich wirksamer als Warnschilder. Dazu zählen etwa optimierte Ampelschaltungen, kürzere Wartezeiten für Fußgänger oder eine bessere Gestaltung von Kreuzungen.
Besonders problematisch seien laut VCÖ sogenannte "Räumphasen": Dabei wechseln Ampeln auf Rot, während Fußgänger bereits auf dem Schutzweg sind. Genau hier entstünden häufig Konflikte mit abbiegenden Fahrzeugen.
Der VCÖ fordert daher mehr Fokus auf Infrastruktur statt Abschreckung, etwa längere Grün- und Räumzeiten sowie intelligentere Ampelsteuerungen.
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Stadt setzt auf Schockwirkung – Experten bleiben skeptisch
Die neuen Tafeln sorgen damit nicht nur für Aufmerksamkeit im Straßenverkehr, sondern auch für Diskussionen über den richtigen Umgang mit Rotlichtverstößen. Während die Stadt auf abschreckende Bilder setzt, plädieren Experten für nachhaltige technische Lösungen.
Fest steht: Die Schilder fallen auf und genau das ist offenbar auch ihr Zweck.