Erst drohte Oliver Glasner (52) seinen Spielern indirekt mit dem nächsten Trainerwechsel. Eine Woche später schlägt Nottingham Forest Manchester City mit 3:1. Und der Oberösterreicher spricht plötzlich von einem Erlebnis, das er in seiner gesamten Fußballkarriere noch nie hatte.
Der Mann hinter der Wende: Ryan Yates. Ausgerechnet jener Kapitän, der unter Glasner zuvor noch kein einziges Mal in der Startelf gestanden war.
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Glasner schwärmt von unglaublicher Kabinenrede
Vor dem City-Kracher holte Glasner seinen Kapitän zurück in die Startelf. Nicht nur wegen der Taktik. Der Trainer wollte einen Spieler auf dem Platz haben, der den Klub kennt und seine Mitspieler mitreißen kann.
Was dann in der Kabine passierte, überraschte sogar den erfahrenen Österreicher.
"Ich habe mehr als 500 Spiele als Spieler bestritten und mehr als 500 Spiele als Trainer betreut. Aber ich habe noch nie eine derart inspirierende Ansprache an eine Mannschaft gehört."
Mit diesen Worten schwärmte Glasner nach dem Sieg auf der Pressekonferenz von Yates
Was Yates seinen Kollegen genau sagte, behielt Glasner für sich. Seine Wirkung auf die Mannschaft war allerdings auf dem Platz zu erkennen.
Sechs Kilometer mehr als City
Denn plötzlich lief Forest dem Gegner nicht mehr hinterher, sondern selbst deutlich mehr.
Glasners Spieler spulten gegen Manchester City rund sechs Kilometer mehr ab als die Mannschaft von Enzo Maresca.
Ausgerechnet die Laufbereitschaft hatte Glasner nach dem 0:2 gegen Brentford scharf kritisiert. Damals stellte er sogar die Einstellung seiner Mannschaft infrage.
"Wenn die Spieler mitziehen, glaube ich, dass wir die Wende schaffen können. Wenn nicht, wird der sechste Trainer kommen", hatte er gewarnt.
Gegen City lieferte Forest die Antwort auf dem Platz.
Mittendrin: ÖFB-Teamspieler Xaver Schlager. Vor dem 2:0 eroberte er gegen Elliot Anderson den Ball und schickte Liam Delap auf die Reise. Der Angreifer erhöhte in der 18. Minute.
Beim 3:1 dreht sogar Glasner durch
In der 73. Minute gab es dann kein Halten mehr. Delap traf zum zweiten Mal, Forest führte 3:1. Und Glasner? Der sprintete plötzlich die Seitenlinie entlang Richtung Eckfahne, um mit seinen Spielern zu jubeln.
"Ich kann nicht von meinen Spielern verlangen, mehr zu laufen als der Gegner, wenn ich selbst weniger laufe als City-Trainer Enzo Maresca", scherzte er auf der Pressekonferenz.
Bei "BBC Match of the Day" legte er nach: "Das war wahrscheinlich eine meiner besten Laufleistungen."
Und weil ein solcher Sprint auch für einen ehemaligen Profi Folgen haben kann, hatte Glasner gleich die passende Erklärung parat: "Morgen werde ich müde sein, aber jetzt haben wir die Länderspielpause und ich kann mich erholen."
Spitze gegen Forest-Klub-Boss
Nach dem Sieg bekam auch Forest-Eigentümer Evangelos Marinakis sein Fett weg. Der Grieche war erstmals in dieser Saison bei einem Heimspiel im Stadion. Und ausgerechnet jetzt gewann Nottingham erstmals seit April wieder ein Ligaspiel im City Ground.
Glasner machte den Klubbesitzer auf der Pressekonferenz scherzhaft für die bisherige Heimflaute verantwortlich. Jetzt wisse er endlich, warum Forest zu Hause weder getroffen noch gewonnen habe: Marinakis sei einfach nie da gewesen.
Der Grieche habe ihm erklärt, dass er seinen Besuch erst am Samstagmorgen beschlossen hatte. Glasners Wunsch: Der Boss soll künftig öfter vorbeikommen.
Mit dem 3:1 gegen Manchester City verließ Nottingham Forest die Abstiegsplätze. Nach zuvor nur einem Sieg aus neun Ligaspielen steht die Mannschaft mit neun Punkten auf Rang 16.
City-Coup nimmt Druck von Glasner
Noch vor dem City-Spiel hatte der "Guardian" über eine mögliche Trennung während der Länderspielpause spekuliert. Klubbesitzer Marinakis gilt schließlich nicht als besonders geduldig.
Doch mit dem überraschenden Erfolg gegen den Vizemeister hat Glasner vorerst das stärkste Argument auf seiner Seite: drei Punkte. Dazu kommt die Rückendeckung seiner Spieler, die nach der öffentlichen Kritik ihres Trainers eine deutliche Reaktion zeigten.