Es kommt neue Dynamik in das Rennen um die ORF-Spitze. Bei der Generals-Wahl diesen Donnerstag ist jetzt auch Sonja Sagmeister prominent im Hearing vor den 35 Stiftungsräten vertreten. "Einige von ihnen werden mich dabei zum ersten Mal sehen", sagt sie gegenüber oe24. "Ich habe leider einen Wettbewerbsnachteil, weil ich nicht bei der TV-Übertragung der öffentlichen Hearings auf ORF3 am Montagabend dabei war."
"Gegen Postendeals, für Stärkung von unabhängigem Journalismus"
Es ist eine große Überraschung im Rennen um den wichtigsten Medienjob des Landes. Nominiert wurde Sagmeister von Mag. Andrea Schellner - einer Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin in Wien, die seit 2025 im Publikumsrat des ORF tätig ist. "Sie ist auch im Finanzausschuss des ORF und traut mir zu, dass ich mein Programm umsetzen kann", sagt die selbsternannte Kandidatin der Publikumsherzen. Schellner sei "absolut unabhängig", sagt Sagmeister.
“Einige Kandidaten haben sich gestern in der Elefantenrunde auf ORF 3 disqualifiziert.”
Sonja Sagmeister über ihre Nominierung
Was war die Motivation von Schellner für die Nominierung Sagmeisters? "Einige Kandidaten haben sich gestern in der Elefantenrunde auf ORF 3 disqualifiziert", sagt Sagmeister oe24. Schellner habe sich daher entschieden, sie als ORF Generalskandidatin für das Hearing zu nominieren. "Sie war überrascht, dass mich sonst noch niemand nominiert hat."
Sagmeister sagt selbst, dass sie derzeit eine Welle der Unterstützung von Gebührenzahlern erfahre. Ihr Programm laute: "Gegen Postendeals, für Stärkung von unabhängigem Journalismus". Viele Österreicher haben seit Samstag Unterstützungs-Bekundungen an Stiftungsräte verfasst.
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Nach der Wahl wird es heftig: "Es wird Klagen geben"
"Nach der Wahl wird es bestimmt Klagen geben", meint Sagmeister im oe24-Gespräch. Es sei fast nicht auszuschließen, dass sich der eine oder die andere beschweren würde über das Verfahren. Ob sie selbst dazu gehört, kann sie jetzt noch nicht sagen.
Beim öffentlichen ORF-Hearing im TV am Montagabend war sie noch nicht dabei. Beim entscheidenden Hearing vor den Stiftungsräten am Donnerstagnachmittag - direkt vor der Wahl - ist die langjährige Journalistin Sonja Sagmeister jetzt dabei.
Auch Petra Höfer nominiert
Zwei Tage vor der ORF-Wahl ist neben Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister auch die Ex-ORF-Managerin Petra Höfer für ein Hearing im ORF-Stiftungsrat eingeladen worden.
Höfer betonte im Rahmen einer Diskussionssendung, dass sie sich beworben habe, da ihr das Unternehmen "am Herzen liegt". Sie will es mit klarer Distanz zu Parteipolitik und einer neuen Unternehmenskultur "wieder in Schwung bringen". Sie managte einst etwa die Plattformen Fidelio und Flimmit und war stv. ORF-TVthek-Leiterin. Gegen den ORF zog sie mit dem Vorwurf der Diskriminierung in ein langwieriges Gleichbehandlungsverfahren, das letztlich mit einem Vergleich endete.
Sagmeister wurde vor mehreren Jahren vom ORF gekündigt und ging dagegen vor. Im Vorjahr stellte das Oberlandesgericht Wien (OLG) fest, dass die Kündigung unrechtmäßig erfolgte. Sie tritt nun für eine Stärkung von Informationsfreiheit, Unabhängigkeit und Transparenz nach innen und außen sowie eine Aufwertung der Landesstudios, des Auslandskorrespondenten-Netzes und der investigativen Berichterstattung ein. Zuletzt macht sie u.a. mit einer Aussendung, in der sie Stiftungsratsvorsitzenden Lederer attackierte, Druck, nominiert zu werden.
Jetzt 9 Kandidaten im Rennen um Chef-Sessel
Im Rennen um die Stimmen der ORF-Stiftungsräte sind APA-CEO Clemens Pig, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer, Ex-HBO-Manager Johannes Larcher, ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, "Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz, Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger und nun auch Sagmeister und Höfer, die beide in Rechtsstreitigkeiten mit dem ORF verstrickt waren.