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Pensions-Hammer: Toni Faber wird KI-Priester

© Harald Artner
Wiens bekanntester Geistlicher verabschiedet sich im September 2027 in den wohlverdienten Ruhestand, doch von einem endgültigen Abschied von der Kanzel kann keine Rede sein. Dompfarrer Toni Faber geht unter die Pioniere der künstlichen Intelligenz und wird künftig zusätzlich als digitaler Trauerredner weltweit über Bildschirme flimmern.
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Per 31. August 2027 endet am Wiener Stephansdom eine Ära, die das religiöse und gesellschaftliche Leben der Bundeshauptstadt über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat. Toni Faber räumt seinen Posten als Dompfarrer, denkt jedoch keineswegs an einen klassischen Stillstand im Ruhestand. Am Dienstag, dem 20. Oktober, präsentiert der prominente Geistliche gemeinsam mit ausgewiesenen Technologie- und KI-Experten ein zukunftsweisendes Digital-Projekt mit dem bezeichnenden Namen "Lebensstimmen". Die innovative Plattform verbindet moderne Algorithmen mit der traditionsreichen Handwerkskunst der kirchlichen Seelsorge und Begräbniskultur.

Im Rahmen dieser Kooperation wird der scheidende Dompfarrer künftig zusätzlich als digitalisierter Sprecher und persönlicher Trauerredner fungieren. Das Prinzip hinter der Initiative setzt direkt bei der aktiven Vorsorge der Gläubigen und Interessierten an. Jeder Mensch erhält die Gelegenheit, bereits zu Lebzeiten die Worte für die eigene Verabschiedung festzulegen, die Toni Faber anschließend vorträgt: "Man kann schon jetzt für sein eigenes Begräbnis eine Rede schreiben und ich halte sie." Die fertige Ansprache wird während der eigentlichen Trauerfeier abgespielt und soll den Hinterbliebenen Trost spenden.

Schluss mit unpersönlichen Trauerfeiern

Hinter der Idee steht ein handfestes seelsorgerisches Anliegen, das Faber im Laufe seiner jahrzehntelangen Erfahrung bei zahllosen Begräbnissen immer wieder schmerzlich beobachten musste. Häufig hinterlässt der plötzliche Verlust von Angehörigen die Familien in Schock und Ratlosigkeit. Genau diese emotionale Lücke soll nun durch die moderne Digitaltechnik dauerhaft geschlossen werden.

Faber begründet seinen Schritt mit der oft mangelhaften Vorbereitung bei traditionellen Beerdigungen: "Es gibt ja so viele Begräbnisse, die sehr unpersönlich sind, weil die Verwandten nicht Bescheid wussten, wie der Verstorbene es haben möchte." Oftmals fehlen den Hinterbliebenen in ihrer tiefen Trauer das Wissen oder die Kraft, um den wahren Charakter und die persönlichen Wünsche des Heimgegangenen in passende Worte zu fassen. Das Projekt soll verhindern, dass Verstorbene mit unpassenden Standardphrasen verabschiedet werden. Für den Geistlichen handelt es sich um einen historischen Meilenstein der Bestattungskultur: "Es ist weltweit das erste Projekt in dieser Sicht."

Vom Angstthema zum digitalen Zubrot im Ruhestand

Im oe24-Talk räumte der 2027 scheidende Dompfarrer ganz offen ein, dass der Schritt in Richtung Algorithmen und soziale Netzwerke für ihn keineswegs selbstverständlich war. Über lange Zeit hinweg betrachtete er die rasante technologische Entwicklung mit einer gehörigen Portion Respekt und Skepsis. Gleichzeitig sieht Faber in dem neuen Geschäftsmodell eine willkommene Möglichkeit, um seine persönliche Haushaltskasse in der Pension aufzubessern und finanziell flexibel zu bleiben.

Toni Faber hielt etliche Trauerreden für verstorbene Prominente © APA/FLORIAN WIESER

Über seinen bemerkenswerten Sinneswandel sprach Faber ganz unumwunden: "Ich habe mir gedacht, dass ich mich jetzt einmal auf KI und Social Media einlasse. Das waren immer Angstthemen für mich, aber mit diesen Profis habe ich keine Bedenken mehr." Die Zusammenarbeit mit versierten Experten habe ihm die Scheu vor den komplexen Systemen genommen. Aktuell steht noch der letzte Feinschliff an: Faber begutachtet derzeit seinen computergenerierten Avatar zur finalen Freigabe. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, steht der weltweiten Expansion nichts mehr im Weg. Künftig kann man den Wiener Geistlichen rund um den Globus buchen – sei es in Afrika oder an jedem anderen beliebigen Ort der Welt, und das für alle Zeiten.