Offene Worte

Pisati über Fehlgeburt: "Dachte, ich sterbe"

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In einem hochemotionalen und schonungslos ehrlichen Interview bricht  Chiara Pisati das gesellschaftliche Tabuthema rund um Fehlgeburten und spricht erstmals über das traumatische Erlebnis vor der Geburt ihres geliebten Sohnes.
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Das vergangene Jahr begann für Chiara Pisati mit einer freudigen Überraschung: Sie war schwanger. Nach der kritischen Phase im dritten Monat weihte sie voller Vorfreude ihre Familie ein – doch kurz darauf folgte beim Ultraschalltermin der Schock. Das Baby entwickelte sich nicht gut, die Ärzte gaben keine Hoffnung. Was danach geschah, beschreibt Pisati als absoluten Albtraum. Um die Wehen einzuleiten, wurden ihr Medikamente verabreicht und sie wurde ohne medizinische Betreuung nach Hause geschickt.

In den eigenen vier Wänden durchlebte sie ganz alleine einen vierstündigen, ununterbrochenen Wehensturm. "Ich wusste nicht, wie ich das veratmen soll [...]. Ich dachte wirklich, ich sterbe", schildert sie die traumatischen Stunden, auf die sie im Vorfeld niemand vorbereitet hatte.

Belastungsprobe für Pisati und Roode

Doch mit dem Abgang des Fötus war das physische und psychische Leiden noch lange nicht vorbei. Es folgte eine extrem schwierige und belastende Zeit, die der Realität eines regulären, aber schmerzhaften Wochenbetts glich. Pisati litt fünf Wochen lang unter durchgehenden, schweren Blutungen, sodass sie kaum das Haus verlassen konnte. Von Seiten der Ärzte wurde sie in dieser Phase oft nur mit den Worten "Das ist normal" vertröstet. Die immense Hilflosigkeit belastete auch die Beziehung zu ihrem Partner Lukas de Roode schwer.

Lukas de Roode und Chiara Pisati © Nathalie Martens

Fehlgeburten werden in der Gesellschaft noch immer wie ein kurzer, rein medizinischer Zwischenfall behandelt – für die Betroffenen ist es jedoch ein tiefer Verlust und ein körperlicher Ausnahmezustand.

Das späte Glück mit dem Regenbogenbaby

Die Angst wich erst, als Pisati relativ schnell wieder schwanger wurde und ihr sogenanntes "Regenbogenbaby" schließlich gesund in den Armen halten durfte: "Ich sehe es so, als hätte dieses Kind einfach einen zweiten Anlauf gebraucht. Als wäre seine Seele schon da gewesen, aber mein Körper war noch nicht bereit", sagt sie.

Aus Angst vor ständigen Nachfragen hielt sie die Folgeschwangerschaft bis zum siebten Monat geheim, da sie von einer konstanten inneren Anspannung und der Angst vor einem erneuten Verlust begleitet wurde. Die Trauer hat sie währenddessen bewusst verdrängt – nun möchte sie sich professionelle Hilfe holen, um das Erlebte vollständig aufzuarbeiten. Mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit will sie vor allem anderen betroffenen Frauen Mut zusprechen und zeigen: Ihr seid mit diesem Schmerz nicht allein.