Superstar-Frust
Portugal-Knall um Cristiano Ronaldo (41)
Mit seinem Tor beim 2:1-Sieg über Kroatien hat Portugals Altmeister Cristiano Ronaldo seinem beeindruckenden Erfolgsmosaik ein weiteres Steinchen hinzugefügt. Business as usual für den 41-Jährigen, der aber doch einen eher ungewohnten Moment erlebte. Denn in der 81. Minute tat sein Trainer Roberto Martinez beim Stand von 1:1 das, was viele während des gesamten Turniers gefordert hatten: Er nahm Ronaldo vom Platz - und die Rechnung ging auf.
Kopfschüttelnd, aber ohne großes Tamtam ging Ronaldo vom Platz und verfolgte den Rest des Spiels von der Bank aus. Zuvor war er mit seinem verwandelten Elfer (68.) zum ältesten Spieler geworden, der jemals in einem K.o.-Spiel einer WM traf. Es war sein erstes Tor überhaupt in einer WM-K.o.-Phase. Dennoch entschied sich Martinez, seinem im Mittelfeld kämpfenden Team mehr Durchschlagskraft zu verleihen, indem er seinen Starspieler auswechselte.
Portugals gegen Kroatien
Video nicht verfuegbar im AMP-Modus
Zur vollstaendigen Ansicht© ORF
Siegtorschütze Goncalo Ramos (94.), selbst eingewechselt, fand jedenfalls lobende Worte für seinen Trainer. "Ich denke, die Mannschaft hat die Wechsel gut umgesetzt. Wir sind auf den Platz gekommen, um Druck zu machen und ein Tor zu erzielen - genau das war unser Plan. Und am Ende hat der Trainer das sehr gut gemacht", sagte der zweifache Champions-League-Sieger mit Paris Saint-Germain.
Ronaldo: "Müssen leiden können"
Ronaldo gab sich staatsmännisch. "Um einen Wettbewerb dieser Größenordnung zu gewinnen, müssen wir leiden können. Heute war es so weit", sagte er und kündigte für das Achtelfinalduell mit Österreich-Bezwinger Spanien am kommenden Montag (21.00 Uhr MESZ/live ServusTV) eine weitere Steigerung an: "Wir wissen, dass Spanien zu den Favoriten auf den WM-Titel zählt. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir werden ab sofort noch einen Gang zulegen. Wir sind bereit."
"Wir wollen Cristiano diesen Pokal unbedingt überreichen - das ist das Einzige, was ihm noch fehlt", sagte Offensivspieler Rafael Leao und lobte den Oldie für dessen Einsatz und Nervenstärke: "Während der Vorbereitung hat er immer alles gegeben, damit er in guter Verfassung ist. Genau das hat er heute im entscheidenden Moment bewiesen. Er versagt nicht. Selbst angesichts vieler Kritik."
Auch interessant
Für Kroatien, das durch Ivan Perisic (53.) in Führung gegangen war, blieb am Ende nur die nackte Enttäuschung. Zumal das vermeintliche 2:2 durch Josko Gvardiol nach Videostudium wegen Abseits aberkannt worden war. Als entscheidend sollte sich der im Ball befindliche Chip erweisen. Durch den eingebauten Chip lässt sich genau erfassen, wann und mit welcher Stärke der Ball berührt wird. Bei der Überprüfung kam heraus: Während der Flanke auf Assistgeber Mario Pasalic touchierte das Spielgerät den Kopf von Igor Matanovic, und zum Zeitpunkt dieser Ballberührung stand Pasalic im Abseits.
Dalic verärgert über VAR: "Killt die Emotionen"
"Man denkt, man hat getroffen und man freut sich - und dann kommt VAR", sagte Kroatiens Teamchef Zlatko Dalic. Der VAR könne manchmal hilfreich sein. "Aber es killt die Emotionen, das ist nicht leicht, damit umzugehen. Der Fußball sollte fair sein, aber mit VAR sind wir zu weit gegangen", sagte Dalic. Für Martinez war es hingegen "eines der Beispiele, das zeigt, wie Technologie dem Sport hilft. Es ist schade, dass es heute einen Verlierer geben musste, aber es war keine Fehlentscheidung", sagte er.
Kaum fassen konnte es auch Luka Modric. Für den 40-jährigen Mittelfeldmotor Kroatiens war es vermutlich der letzte WM-Auftritt. Und so kam es nach Abpfiff zum Treffen des "Seniorenclubs", der fünffache Weltfußballer Ronaldo tröstete den einmaligen Titelträger. "Ich habe mich von ihm verabschiedet. Wir sind fast gleich alt. Er ist eine Fußball-Legende. Ich habe großen Respekt vor Modric für das, was er im Fußball geleistet hat", sagte Ronaldo, der einst mit Modric für Real Madrid kickte. Auch Kroatiens Trainer Zlatko Dalic fühlte mit seinem Altstar: "Es war wahrscheinlich seine letzte WM. Es tut mir leid, dass sie so traurig zu Ende gegangen ist."