Kleine Produktionen

Rabenhof: Kurswechsel trotz Erfolgswelle

© APA/HERBERT PFARRHOFER
Das Wiener Rabenhof Theater verzichtet in der kommenden Saison auf große neue Eigenproduktionen. Das liegt an der Erfolgswelle, die man weiter surfen will, um sich für kommende Spielzeiten zu rüsten.
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"Wir schlagen einen Konsolidierungskurs ein", sagt Theaterleiter Thomas Gratzer im Gespräch mit der APA. "Die Nachfrage ist da, aber wir gehen vom Gas runter."

Mit knapp 67.000 Besuchern in 258 Vorstellungen erreichte man in der 23. Saison unter seiner Leitung eine Auslastung von knapp 89 Prozent, wobei alle Theaterproduktionen "mehr oder weniger ausverkauft" waren, wie Gratzer stolz vermeldet. "Der Herr Karl" mit Andreas Vitásek feierte seine 100. Vorstellung, "Luziwuzi" mit Tom Neuwirth seine 50. ausverkaufte Vorstellung. Man habe zehn Produktionen im Repertoire, die man nicht einfach ausmustern wolle, erklärt der Direktor.

Während man bereits Vorbereitungen für 2027/28 trifft - und damit den Unsinn der angedrohten Reduzierung der Planungssicherheit (Gratzer: "Einjahresförderungen sind ganz, ganz schrecklich!") neuerlich unterstreicht -, steht 2026/27 im Zeichen von kleineren Produktionen, mit denen Publikumslieblinge Neues ausprobieren. Seiner Linie als "kultureller Nahversorger" will man im Rabenhof treu bleiben und setzt weiter auf "einen vielfältigen Mix aus Crossover-Projekten, Lesungen und Musiktheatershows".

Hommagen an Nöstlinger und Qualtinger

So widmet sich Angelika Hager mit Sona MacDonald und Sigrid Hauser unter dem Titel "Polly Adler - Pollywood" ab 27. September "Sachthemen & Schabernack", richten Stefanie Sargnagel und Gerald Votava ab 13. Oktober der Autorin Christine Nöstlinger eine Hommage aus, und setzt Roman Freigaßner-Hauser weiter auf die bewährte "Classics for Kids"-Schiene ("Die Odyssee" ab 17. November, "Der kleine Prinz" ab 11. März 2027).

Das "Dreamteam" (Gratzer) Cornelius Obonya, Rupert Henning und Florian Scheuba kommt mit einem an jüngste Spionageaffären angelehnten "aberwitzigen Agententhriller" wieder ("Nützliche Idioten" ab 26. November), der Kabarettist und Biologe Berni Wagner versucht sich ab 18. Februar 2027 am Edutainment-Musical "Evolution". Austrofred bestreitet zum ersten Vierteljahrhundert eine Jubiläumsshow, Christoph Krutzler und der Musiker Andrej Prozorov widmen Helmut Qualtinger eine musikalische Hommage. Für die Sektion über dem Rabenhof Theater, die mit "Sektion Hossa" erstmals bespielt wurde, gibt es Ideen, die in eine Female-Night-Show im Streaming-Format münden können.

"Fad ist mir nicht"

"Fad ist mir nicht", versichert Gratzer, der nach manchen Überlegungen der Vergangenheit das Thema einer Bewerbung für ein großes Haus abgehakt hat. "Ich möchte, dass es hier weiter so läuft, wie es läuft. Es macht mir weiterhin wahnsinnigen Spaß - und es gibt eh' genug Herausforderungen." Etwa, das Publikum bei der Stange zu halten. Denn das könne aus einem breiten Angebot wählen. "Es gibt keinen Mangel an Theater in Wien, sondern eher zu viele. Und viele Häuser machen ein ähnliches Programm. Da könnte man sich schon etwas überlegen."

Bei den Förderungen "sehe ich schon weiter eine große Gießkanne", sagt er, und meint zur umstrittenen Zusammenlegung des TEATA mit dem Schauspielhaus: "Das ist eine kulturpolitische Entscheidung, bei der die Kommunikation sicher suboptimal gelaufen, die aber zu respektieren ist." In der wechselhaften Geschichte des Gemeindebautheaters, das auch vom Theater in der Josefstadt als Spielstätte betrieben wurde, habe es übrigens ebenfalls einmal die Idee gegeben, dieses mit dem Schauspielhaus zusammenzulegen, merkt er an.

Vertragsverlängerung nicht nötig

Seit 2003 leitet der 1962 geborene Autor, Schauspieler und Regisseur das 291-Plätze-Haus - nach den Abgängen von Herbert Föttinger und Thomas Birkmeir ist Thomas Gratzer Wiens längstdienender Theaterdirektor. "Er ist nach wie vor ein so vitaler Theatermann und Berserker im schönsten Sinn. Ich freue mich, wenn er gesund bleibt und wünsche uns, dass er weiter diese Strahlkraft im Rabenhof erzeugt", streute ihm Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) im APA-Interview unlängst Rosen. Und auch er denkt kurz vor Erreichen des regulären Pensionsantrittsalters noch keineswegs ans Aufhören. Um Vertragsverlängerung braucht er sich aber nicht bewerben. Abberufen kann ihn nur jener Verein, dessen Obmann er selber ist. "Aber natürlich kann mich der Verein abwählen", versichert er. Derzeit sieht es nicht danach aus.