75-jährig gestorben
Sängerin Bonnie Tyler ist tot
Die britische Sängerin Bonnie Tyler ist tot. Der Popstar starb rund einen Monat nach dem 75. Geburtstag, teilte die Familie am Donnerstag mit. Tyler ist vor allem für ihre Kulthymnen wie "Holding Out for a Hero" und "Total Eclipse of the Heart" bekannt. Sie wurde seit Ende April in einem Krankenhaus in Portugal behandelt und war zwischenzeitlich auch im Koma.
Krankheitsbedingt hatte eine ursprünglich für diesen Sommer geplante Tournee abgesagt werden müssen. Im Herbst wären weitere Auftritte geplant gewesen - darunter auch am 24. November im Wiener Gasometer. Ihr letztes Studioalbum "The Best Is Yet To Come" erschien vor mittlerweile mehr als fünf Jahren, aber Anfang 2026 veröffentlichte Bonnie Tyler gleich zwei Singles. "One World One Home" war der Titelsong für den Dokumentarfilm "Homeless". Zuvor hatte sie die Ballade "Only Love" veröffentlicht, die mit starkem 80er-Einschlag an ihre erfolgreichsten Zeiten erinnerte.
Auch interessant
"Bonnie Tylers Familie und ihr Team sind zutiefst erschüttert, mitteilen zu müssen, dass Bonnie gestern Abend unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal an den Folgen der Krankheit verstorben ist, wegen der sie behandelt wurde", heißt es in einem Statement auf ihrer offiziellen Webseite.
Mehr als 80 Singles und 18 Studioalben
Insgesamt mehr als 80 Singles und 18 Studioalben hat die Waliserin mit der markanten, rauchigen Stimme veröffentlicht. In ihrer langen Karriere hatte Tyler, die seit vielen Jahren an der Algarve lebte, viele Hits, erlebte aber auch kuriose Misserfolge. Geboren wurde Bonnie Tyler als Gaynor Hopkins am 8. Juni 1951 im walisischen Skewen. Schon als Kind schrieb sie Songtexte aus dem Fernsehen ab und sang sie in ihre Haarbürste. Bei einem lokalen Gesangswettbewerb belegte sie den zweiten Platz. "Ich war damals sehr, sehr schüchtern, das glaubt man kaum", sagte sie später.
Entdeckt wurde Tyler Mitte der 70er-Jahre durch den Irrtum eines Talentsuchers, der eigentlich einen anderen Sänger beobachten wollte. "Er kam im falschen Stockwerk rein und hat mich singen gehört", erzählte Tyler 2021 im dpa-Interview. Kurz darauf nahm sie in London ihre erste Single auf.
Gleich ihre Debütsingle "Lost In France", die 1976 erschien, machte die junge Sängerin mit der blonden Mähne bekannt. Ein Jahr später wurde "It's A Heartache" ein globaler Hit und Tyler ein Star. Den Künstlernamen hatte sie erfunden, um Verwechslungen mit der Sängerin Mary Hopkin zu vermeiden.
Welterfolge dank neuer Musikrichtung
An den Erfolg ihrer Anfangszeit konnte sie zunächst nicht mehr anknüpfen. Tyler wechselte vom Label RCA zu CBS Records. Dort arbeitete sie mit dem erfolgreichen Produzenten und Songwriter Jim Steinman zusammen, der durch seine Arbeit mit Meat Loaf ("Bat Out Of Hell") bekanntgeworden war.
Steinman produzierte ihr rocklastiges Album "Faster Than The Speed Of Night" und schrieb für sie die Powerballade "Total Eclipse of the Heart". Die Single wurde Tylers größter Hit, erreichte Platz 1 in Großbritannien und den USA und brachte ihr eine Grammy-Nominierung ein. Steinman komponierte für sie auch den Kulthit "Holding Out for a Hero". Der kraftvolle Song aus dem 80er-Tanzfilm "Footloose" mit Kevin Bacon entwickelte sich zu einer der bekanntesten Rockhymnen der Popgeschichte und ist ein echter Evergreen.
Kein Glück mit Songs, die Hits für andere wurden
Die von Desmond Child geschriebene Single "If You Were a Woman (And I Was a Man)" war nur mäßig erfolgreich. Child schrieb den Song später ein wenig um und machte daraus den Bon-Jovi-Hit "You Give Love A Bad Name". Nicht das einzige Mal, dass ein von Tyler gesungenes Lied erst später zündet.
Bis heute gilt das 1988 veröffentlichte Album "Hide Your Heart" als rätselhafter Misserfolg. Es enthielt die Single "The Best", die erst durch Tina Turner weltberühmt wurde, und "Save Up All Your Tears", mit der Cher und Robin Beck große Erfolge feierten. Dauerhaft in Amerika etablieren konnte sich Bonnie Tyler trotz einzelner Hits nicht.
Drei Alben mit Dieter Bohlen
In den 1990er-Jahren konzentrierte sich Tyler verstärkt auf den europäischen Markt und arbeitete unter anderem mit Dieter Bohlen zusammen, der drei ihrer Alben produzierte. 2013 vertrat sie Großbritannien mit ihrer unverwechselbaren Reibeisenstimme beim Eurovision Song Contest und sprach trotz eines enttäuschenden 19. Platzes von einer "wundervollen" Erfahrung.
Privat fand Tyler ihr Glück fernab des Rampenlichts. Seit 1973 war sie mit dem ehemaligen britischen Judoka Robert Sullivan verheiratet. "Wir reisen überall zusammen hin", sagte sie einst über das Geheimnis ihrer langen Ehe. Auch bei Konzerttourneen begleitete ihr Mann sie stets.
Tiroler produzierte einen der letzten Songs mit
Noch 2025 war sie für drei Konzerte in Österreich - mit einem neuen Song, den der Tiroler Patrick Schmiderer mitproduziert hatte. Für die aufbauende Hymne "Yes I Can" arbeitete Tylers langjähriger Produzent David Mackay mit dem Österreicher zusammen. "Er ist fantastisch! Er hat junge Energie in diesen Song gepackt. Daher klingt das Lied sehr aktuell", schwärmte Tyler damals im APA-Interview von Schmiderer. "Yes I Can" habe durchaus eine feministische Botschaft: "Frauen sind nicht unbedingt physisch stärker als Männer, aber sie können viele Dinge auf einmal tun. Männer nicht, sie sind da verdammt nutzlos."