Schauspiel-Programm
Salzburger Festspiele: Premiere für Buhlschaft, Jelinek & Co
Als das Schauspielprogramm für die diesjährigen Salzburger Festspiele zusammengestellt wurde, war Karin Bergmann weder interimistische Intendantin noch offizielle Schauspielchefin, und doch tragen die fünf Produktionen ihre Handschrift. Schließlich war sie dem mittlerweile Ex-Intendanten Markus Hinterhäuser beratend zur Seite gestanden, bevor er sie öffentlich für die Nachfolge von Marina Davydova ins Spiel brachte, was schließlich in seiner Abberufung kulminierte.
Festspiel Programm liefert 2026 viele Hits
Auch wenn in den vergangenen Monaten viel Porzellan zerschlagen wurde - das Schauspielprogramm kann sich sehen lassen. Nach der mittlerweile dritten Runde von Robert Carsens "Jedermann" mit Philipp Hochmair in der Titelrolle und Roxane Duran als neuer Buhlschaft startet Ulrich Rasche am 25. Juli auf der Perner-Insel mit seinem "Faust I" in den Premierenreigen, der u.a. mit Uraufführungen von neuen Texten von Peter Handke (27. Juli) und Elfriede Jelinek (16. August) aufwartet. Ermöglicht wird dies durch Koproduktionen mit dem Berliner Ensemble und dem Burgtheater, das Thalia Theater Hamburg ist mit Jette Steckels Inszenierung von "Der Menschenfeind" (15. August) vertreten. Sein Salzburgdebüt als Schauspielregisseur gibt der polnische Theatermacher Krzysztof Warlikowski mit einem Gastspiel von Wajdi Mouawads "Europa" am 10. August.
Auch interessant
"Jedermann" mit neuer Buhlschaft (Premiere am 18. Juli am Domplatz - hoffentlich)
Mit dem "Jedermann" starten die Salzburger Festspiele traditionell noch vor der offiziellen Eröffnung ins Schauspielprogramm. Bereits zum dritten Mal ist - bei Schönwetter am Domplatz - die Inszenierung des Kanadiers Robert Carsen zu erleben; mit der neuen Buhlschaft Roxane Duran gibt es diesmal einen prominenten Wechsel in den Hauptrollen, war doch in den vergangenen zwei Jahren Deleila Piasko an der Seite von Philipp Hochmair über die Tische getanzt. Auch Jedermanns Mutter spielt diesmal nicht mehr Andrea Jonasson, sondern Daniela Ziegler. Neu im Cast ist ebenso Sylvie Rohrer als Armer Nachbar/Werke und beerbt damit Kathleen Morgeneyer, als Hausvogt folgt Jannik Görger auf Luka Vlatkovic.
Ulrich Rasche inszeniert "Faust I" (Premiere am 25. Juli auf der Perner-Insel)
2019 hatte Ulrich Rasche mit seiner Inszenierung von Aischylos' "Die Perser" ein fulminantes Regiedebüt bei den Festspielen hingelegt, das ihm auch einen Nestroy-Preis für die beste deutschsprachige Aufführung einbrachte. 2023 kehrte er mit "Nathan der Weise" an die Salzach zurück, nun steht Goethes "Faust I" auf dem Programm. Die Titelrolle teilt Rasche in den alten und den jungen Faust auf: Und so stehen in der Koproduktion mit dem Residenztheater München zunächst Steven Scharf im Studierzimmer und hernach Johannes Nussbaum nach der Verjüngung in der Hexenküche auf der Bühne. Das Salzburger Publikum kennt den in Wien und Niederösterreich aufgewachsenen Nussbaum (Jahrgang 1995) bereits, war er doch auch schon in den "Persern" zu erleben. Das gilt auch für Ex-Buhlschaft Valery Tscheplanowa, die in ihre Traumrolle des Mephistopheles schlüpft, wie sie in einem Vorabvideo sagte. Mit Hosenrollen hat sie bei den Festspielen Erfahrung: In Rasches "Nathan der Weise"-Inszenierung spielte sie den Nathan.
Gastspiel "Europa" von Wajdi Mouawad (Premiere am 10. August in der Szene Salzburg)
Das Gastspiel "Europa" ("Europa's Pledge") bringt das Salzburger Schauspielregiedebüt des polnischen Regisseurs Krzysztof Warlikowski, der an der Salzach bereits mehrfach Opern inszeniert hat. Für Hinterhäuser ist er "eines der großen Genies des europäischen Theaters". Ab 10. August steht dafür das Ensemble des von Warlikowski geleiteten Warschauer Nowy Teatr auf der Bühne der Szene Salzburg. Basierend auf einem Text des libanesisch-kanadischen Autors Wajdi Mouawad widmet er sich dabei transgenerationalen Traumata. Angekündigt ist eine "Auseinandersetzung mit vererbter Gewalt und dem Theater als Ort der Aufarbeitung und Heilung".
Molières "Der Menschenfeind" (Premiere am 15. August im Landestheater)
Die einzige Regisseurin im diesjährigen Schauspielprogramm ist Jette Steckel: Als Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg bringt sie Molières "Der Menschenfeind" ins Landestheater. Das 1666 mit dem Autor in der Titelrolle uraufgeführte Stück habe "in Zeiten von Social Media, Selbstoptimierung, Lüge und öffentlicher Inszenierung eine verblüffende Aktualität", heißt es in der Ankündigung. 360 Jahre später schlüpft der deutsche Schauspieler André Szymanski in die Rolle des Alceste, als Salondame Célimène steht Maja Schöne auf der Bühne.
"Unter Tieren" (Premiere am 16. August auf der Perner-Insel)
Warum nur einen neuen Nobelpreisträger-Text ins Schauspielprogramm aufnehmen, wenn es auch zwei sein können? Mit Elfriede Jelineks "Unter Tieren" bringt Jelinek-Experte Nicolas Stemann als Koproduktion mit dem Burgtheater das jüngste Stück der Autorin auf die Bühne. In einer "Urlesung" konnte man bereits im Frühjahr in Wien Einblicke in die mit Mavie Hörbiger, Caroline Peters und Sebastian Rudolph hochkarätig besetzte Inszenierung erhaschen. Wie auch Handkes Text liegt Jelineks jüngster Wurf mittlerweile auch als Buch vor. Zu Wort kommen hier nicht nur Tauben, die sich über Banken, Kredite und Sicherheiten unterhalten, sondern auch Schafe, Affen, Hasen, Bären, Schweine, Füchse und Dachse, die sich im Stück über die Seltsamkeiten des menschlichen Wirtschaftstreibens auslassen