Herkulesaufgabe

Schicksalswoche für VW-Boss Oliver Blume

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Auf Volkswagen-Chef Oliver Blume wartet eine Herkulesaufgabe: Er muss den Aufsichtsrat von tiefen Einschnitten überzeugen, um Europas größten Autobauer für den Wettbewerb mit chinesischen Herstellern zu wappnen.
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Wie genau er den fast 90 Jahre alten Konzern in die Zukunft führen will, soll er den Aufsichtsratsmitgliedern bei der nächsten Sitzung am 9. Juli präsentieren.

Der 58-Jährige steht dabei vor dem Dilemma, die unterschiedlichen Interessengruppen unter einen Hut zu bringen: Die Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die Insidern zufolge einen härteren Kurs und vor allem Werksschließungen sehen wollen, das Land Niedersachsen, in dem im kommenden Jahr eine Landtagswahl ansteht, und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bereits Widerstand gegen weitgehende Einschnitte angekündigt haben.

Zehntausende Stellen wackeln

"Die Kernfrage ist: Wird es gelingen, ein Ergebnis intern als Sieg zu verkaufen, oder kommt es zu einer Situation, wo man einen Sündenbock braucht", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Der unabhängige Autoanalyst Matthias Schmidt sagte, er schätze die Chancen, dass Blume Erfolg hat, auf etwa 50 zu 50 ein. Der Vorstoß, weitere zehntausende Stellen zu streichen und die Produktion in vier Fabriken auslaufen zu lassen, sei ein Schachzug zur Eröffnung. Letztlich dürften vermutlich nur zwei Fabriken als Kompromiss wegfallen. "Er muss das hinkriegen", sagte Schmidt. "Das Wettbewerbsumfeld am Markt ist so hart geworden, dass er keine andere Option hat."

Für Blume ist es bereits das zweite Mal seit seinem Amtsantritt 2022, dass er ein großes Sparpaket schnüren muss. Erst Ende 2024 hatte sich Volkswagen nach monatelangem Ringen mit den Arbeitnehmern auf den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen bei der Marke Volkswagen in Deutschland geeinigt. Damit habe Volkswagen durchaus einige Fortschritte erzielt, sagte Blume bei der Hauptversammlung. Und dennoch genügt es nicht, um den Konzern wetterfest zu machen. Denn seither hat sich das Wettbewerbsumfeld drastisch verändert.

Aktie auf 16-Jahres-Tief

Die Gewinne in China sind in freiem Fall, in den USA kosten die Zölle von US-Präsident Donald Trump Milliarden und in Europa graben chinesische Autobauer mit Billigangeboten dem Konzern die Marktanteile ab. An der Börse ist der Volkswagen-Kurs auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gefallen, er liegt noch unter dem Niveau, das zu den Spitzenzeiten des Dieselskandals vor einem Jahrzehnt markiert wurde. Das belastet auch die Bilanz der Eigentümerholding Porsche SE, die Milliardenbeträge auf ihre Hauptbeteiligung abschreiben musste.

Volkswagen sei nicht immun gegen die tektonischen Verschiebungen der Kundenpräferenzen im globalen und speziell im chinesischen Automarkt, sagte Hendrik Schmidt, Fondsmanager bei der DWS. Der Erfolg Blumes werde seit geraumer Zeit durch externe Faktoren bestimmt, die seinen Spielraum deutlich einschränken. "Er muss permanent Krisen bewältigen, anstatt wirklich gestalten zu können, obwohl sich das Unternehmen in der umfangreichsten Transformation seiner Geschichte befindet."

Werke, Markenstrategie und Konzernstruktur auf dem Prüfstand

Bei der Aufsichtsratssitzung stehen nicht nur die Werke zur Diskussion. Es geht auch um die Frage, mit welchen Autos der Konzern künftig antreten will und wie er sich organisiert. Insidern zufolge soll auch über die Struktur des Unternehmens gesprochen werden. So soll die Marke Volkswagen in eine eigene Gesellschaft überführt werden und die Volkswagen AG als Holding firmieren. "Die Mehrmarkenstrategie Volkswagens ist ein Erbe Ferdinand Piechs, und sie scheint an ihre Grenzen gekommen zu sein", sagte DWS-Experte Schmidt. Nun müsse Liebgewonnenes kritisch auf den Prüfstand gestellt werden.

Gut möglich, dass der Aufsichtsrat die großen Entscheidungen erst einmal vertagt. Nach dem überraschenden Ausscheiden der ehemaligen Renk-Chefin Susanne Wiegand besteht ein Patt in dem Gremium, selbst wenn Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch seine doppelte Stimme in die Waagschale wirft. "Ohne die Gewerkschaft kann man gar nichts machen", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Blume für Strategie und Umsetzung verantwortlich

Letztlich dürfte nach Einschätzung von Experten Blumes Schicksal daran hängen, ob seine Pläne aufgehen, Volkswagen wieder auf Kurs zu bringen. "Blume ist derjenige, der derzeit in der Verantwortung steht, und deswegen ist es nur fair, ihn für die Strategie und ihre Umsetzung verantwortlich zu machen", sagte Marc Liebscher von der Aktionärsvereinigung SdK. Auch wenn die Probleme bei Volkswagen weiter zurückreichen.

Zumal die Arbeit nicht beendet ist, wenn die Sparziele erreicht werden. Dafür braucht es einen Plan, wie es danach weitergeht. "Im Moment sehe ich keine Strategie", sagte Liebscher. "Sparen allein ist keine Strategie, das bringt den Laden nicht voran. Das verzögert nur den Untergang."