Neue Studie
So reagieren Babys auf Musik
Das Gehirn von Babys ab drei Monaten kann Musik verarbeiten, während sie erst gegen Ende des ersten Lebensjahres mit komplexeren Bewegungen zum Gehörten beginnen, berichtet das Team im Fachblatt "eLife". Musikalische Erfahrungen können demnach für Säuglinge wertvoll sein, auch wenn sie dazu noch nicht sichtbar - oder im Takt - tanzen.
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Dafür haben die Forschenden 79 Säuglingen im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten Kinderlieder (namentlich: "La Vaca Lola" und "Hopp Juliska") vorgespielt. Währenddessen zeichneten sie ihre Gehirnaktivität mittels EEG auf und analysierten ihre Körperbewegungen mit einem Video-Tracking-System. Als Kontrollbedingung wurden den Babys auch rhythmisch und melodisch durchmischte Versionen der Lieder vorgespielt - sowie solche, bei denen nur die Tonhöhe verändert wurde.
"Es gibt schon viele Studien zu Säuglingen und Musik, die sich mit der auditorischen Seite beschäftigt haben. Hingegen gibt es wenige, bei denen man sich die rhythmische Bewegung angeschaut hat", sagte die federführend beteiligte Entwicklungspsychologin Trinh Nguyen von der Universität Wien zur APA. Eine gleichzeitige Untersuchung von beidem wie in der aktuellen Studie habe es bisher noch gar nicht gegeben.
Babys tanzen ab zwölf Monaten - aber noch nicht im Takt
Das Ergebnis: Schon drei Monate alte Babys zeigen beim Hören von Musik im Vergleich zu durchmischten Tonfolgen eine verstärkte Gehirnaktivität. Auch eine grundlegende Verbindung zwischen Musik und Bewegung war in allen Altersgruppen feststellbar, genauso wie höhere Töne die Bewegungen der Babys in allen Altersgruppen stärker anregten.
Komplexere und strukturierte Bewegungsmuster traten hingegen erst ab zwölf Monaten auf, während eine koordinierte Synchronisation der Bewegung mit dem Takt der Musik gar nicht nachgewiesen werden konnte. "Die Bewegungen sind tatsächlich schon rhythmisch und sie sind von der Musik informiert. Aber sie sind nicht wie bei Erwachsenen, die dann etwa im Takt wippen", so Nguyen.
Das gelte vorerst aber nur für den Kontext der Untersuchung, während die Babys in einem Stuhl saßen und ihre Bezugspersonen hinter ihnen. Andere Ergebnisse seien unter anderen Bedingungen vorstellbar. So sei der nächste Aspekt, den die Forschenden untersuchen, die musikalische Interaktion von Eltern und Kindern. "Ganz oft ist es ja so, dass man zusammen Musik macht oder vorsingt - in einem nächsten Schritt sind wir daran interessiert, wie sich die Gehirnaktivitäten dabei verhalten und ob sie sich vielleicht sogar synchronisieren", so Nguyen weiter.
Musik ist für Babys mehr als Hintergrundrauschen
Doch schon die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass Musik für Babys schon sehr früh mehr ist als Hintergrundrauschen. "Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und die frühe Förderung bedeutet das, dass gemeinsames Singen, rhythmisches Wiegen und wiederholte musikalische Routinen bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen sein können - auch dann, wenn Babys noch nicht sichtbar im Takt mitgehen", wird auch Co-Studienleiterin Stefanie Höhl von der Uni Wien in einer Presseaussendung zitiert.