So., 21 Uhr
Spanien gegen Argentinien im Finale der Superlative
Im Finale am Sonntag (21.00 Uhr/live ORF 1) in East Rutherford/New Jersey vor den Toren von New York wird Titelverteidiger Argentinien vom favorisierten Europameister Spanien gefordert. Der 39-jährige Lionel Messi bestreitet sein vielleicht letztes großes Finale und trifft dabei auf Lamine Yamal, den 19-jährigen Shootingstar der Spanier.
Spanien steht erst zum zweiten Mal im WM-Endspiel und geht nach dem Triumph 2010 in Südafrika auf den zweiten Titel los. Der dreifache Weltmeister Argentinien kann als erstes Land seit Brasilien 1962 den Titel mit Erfolg verteidigen. Zu verdanken haben das die Südamerikaner in erster Linie Messi, der mit acht Toren und vier Assists dem Turnier seinen Stempel aufgedrückt hat.
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Messi gegen alte Bekannte
"Diese Gruppe überrascht mich nicht. Ich weiß und wir wissen, wozu wir fähig sind", sagte der Superstar nach dem Finaleinzug. Nun wartet auf ihn ein besonderes Duell mit der Auswahl seiner einstigen Wahl-Heimat. Messi ist in der Barcelona-Akademie La Masia ausgebildet worden, spielte zwei Jahrzehnte für den FC Barcelona und gewann mit den Katalanen viermal die Champions League und zehnmal den spanischen Meistertitel.
"Ich kenne die Spieler. Ich habe gegen sie gespielt, einige kommen vom FC Barcelona, dem Club, den ich liebe", erklärte Messi. "Ich kenne die Mannschaft gut. Sie haben eine Fußball-Philosophie, die sie schon seit vielen, vielen Jahren spielen", sagte der 39-Jährige, der ein umkämpftes Duell erwartet. "Ich kann mir vorstellen, dass es ein ausgeglichenes Spiel wird."
Argentinien mit viel Moral
Argentinien gewann in der Vorrunde souverän die Gruppe J mit Österreich, stand in der K.o.-Phase aber mehrmals knapp vor dem Aus. Gegen Kap Verde und die Schweiz musste die "Albiceleste" in die Verlängerung, gegen Ägypten und England drehte sie im Finish einen Rückstand.
Dass die Argentinier nach Nordamerika gekommen sind, um ihren Titel mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, demonstrierten sie nach dem 2:1-Halbfinalsieg über England. Nach dem dramatischen Comeback entlud sich ihre emotionale Wucht in einer brisanten politischen Geste mit einem Transparent in Bezug auf die umstrittenen Falkland-Inseln. Diese Aktion unterstreicht die enorme Leidenschaft, den Nationalstolz und die kompromisslose Mentalität einer Mannschaft, die sich als unerschütterliche Einheit präsentiert.
Duell der Systeme
Als Favorit geht Spanien ins Spiel. Die Mannschaft von Luis de la Fuente dominiert das Mittelfeld um den omnipräsenten Kapitän und Taktgeber Rodri und das Spielgeschehen mit chirurgischer Passgenauigkeit und beeindruckender taktischer Disziplin. Lamine Yamal beeindruckte immer wieder mit seinen Dribblings auf der rechten Seite, Matchwinner war der 19-Jährige aber noch nicht.
Dafür zeigt Spanien defensive Tugenden, die lange unter dem Radar liefen. Einen einzigen Treffer hat Torhüter Unai Simon bisher kassiert. Das ÖFB-Team hatte der spanischen Spielfreude im Sechzehntelfinale (0:3) nichts entgegenzusetzen, aber selbst Vize-Weltmeister Frankreich mit einer Auswahl an Superstars war im Halbfinale (0:2) chancenlos.
Argentinien hält mit purer Leidenschaft, defensiver Kompromisslosigkeit um Leitwolf Cristian Romero und der unermüdlichen Laufarbeit von Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister dagegen. Während Spanien als Kollektiv taktisch reifer und flüssiger wirkt, besitzt die Auswahl von Lionel Scaloni die Resilienz eines Champions, der weiß, wie man auch die engsten Partien gewinnt. Die "Albiceleste" ist eine Turniermannschaft im wahrsten Sinne des Wortes – abgebrüht, hart und im entscheidenden Moment eiskalt.