Interview
Stocker: "Das ist keine Reform zur Schließung von Spitälern"
Unter großem Trara hat die Regierung die Ergebnisse der Reformpartnerschaft verkündet. Während so gut wie alle Experten nur von einem "Reförmchen" sprechen, verteidigt Kanzler Christian Stocker (ÖVP) die Ergebnisse und spricht im Interview mit Isabelle Daniel von einer "großen Reform".
Isabelle Daniel: Das Interview mit Bundeskanzler Christian Stocker
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Lesen Sie das Interview mit Christian Stocker
oe24: Herr Bundeskanzler, wir sind auch letztes Jahr hier gesessen und Sie haben große Reformen angekündigt. Auch eine große Gesundheitsreform. Sind Sie der Meinung, dass das, was jetzt vorliegt, groß ist?
Christian Stocker: Ja, ich bin der Meinung, dass das ein großer Schritt ist, der so bisher noch nie gegangen wurde. Wir haben immer gesagt, der Patient muss im Mittelpunkt aller Reformen stehen. Das heißt, wir denken diese Reformen vor allem aus der Sicht der Menschen. Es sollen sich die Wartezeiten für Behandlungen und Arzttermine spürbar verkürzen. Die Behandlung soll dort erfolgen, wo sie bestmöglich erbracht werden kann. Dazu greifen wir die dahinterliegenden Strukturen an. Es handelt sich im Übrigen ja um kein Endergebnis der Reformpartnerschaft, sondern um einen Zwischenschritt, eine politische Weichenstellung.
oe24: Das klingt ja alles gut, aber die Details fehlen. Wie wollen Sie dazu kommen?
Stocker: Künftig werden automatisch alle Befunde auf der E-Card gesammelt abrufbar sein. Das bedeutet, dass man bei einer gesundheitlichen Problematik nicht bei jedem Arztbesuch einen neuen Blutbefund, ein neues Röntgen- oder CT-Bild braucht. Zudem wollen wir erreichen, dass die Wartezeiten kürzer werden und die Behandlung dort erfolgt, wo sie erfolgen soll, indem wir den Patienten eine bessere Orientierung innerhalb des Gesundheitssystems geben. Daher bauen wir Telemedizin, Primärversorgungszentren und Facharztzentren aus, um die Spitäler zu entlasten und schnellere Termine zu gewährleisten.
oe24: Wie wollen Sie denn sicherstellen, dass es diese Facharztzentren überhaupt gibt? Wo nehmen Sie die ganzen Fachärzte mit Kassenverträgen dann her?
Stocker: Wir bilden nicht zu wenige Ärzte aus. Viele gehen aber nach dem Studium ins Ausland oder arbeiten nicht als Arzt. Daher müssen wir sicherstellen, dass jene Ärzte, die wir ausbilden, auch in Österreich bleiben. Dazu gibt es im Regierungsprogramm Ansätze.
oe24: Bei den Primärversorgungszentren gibt es zudem enorme Widerstände der Ärzte.
Stocker: Bei Veränderungen wird es immer Gruppen geben, die sie befürworten, es wird welche geben, die sie kritisch sehen. Das liegt in der Natur der Sache. Mir ist wichtig, dass das Gesundheitssystem besser funktioniert.
oe24: Aber der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat ebenfalls schon Widerstand angekündigt…
Stocker: Wenn diese Reform so klein wäre, dann würde sich ja nicht einmal die Ablehnung auszahlen. Sie ist groß. Ziel ist natürlich, dass sie gemeinschaftlich getragen wird. Die Länder waren dabei und haben das mitverhandelt.
oe24: Jetzt hat Gesundheitsministerin Corinna Schumann von der SPÖ gesagt, es wird bis zu 50 Spitäler-Schließungen geben, also kleinere Landspitäler. Sie lachen? Wird es das geben oder wird es das nicht geben?
Stocker: Es braucht eine Versorgungslandschaft, die dafür sorgt, dass jene, die ein Spitalbett brauchen, es auch dort erhalten, wo sie es brauchen. Jetzt davon zu reden, was geschlossen wird, ist das Gegenteil dessen, was eigentlich notwendig ist. Es geht darum, dass Behandlungen dort erbracht werden, wo sie medizinisch sinnvoll sind, qualitativ hochwertig und für die Menschen am besten und schnellsten erreichbar sind.
oe24: Spitalsärzte oder sogar Klinikchefs sagen aber, es würde tatsächlich mehr Sinn machen, mehr Schwerpunktspitäler statt lauter kleiner Landspitäler zu haben. Also was wird geschlossen?
Stocker: Das ist sicher keine Reform zur Schließung von Krankenanstalten. Das ist eine Reform zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung, der Gesundheitsversorgung für die Menschen in unserem Land. Das Ziel ist, dass die Menschen länger gesund bleiben, gesund älter werden können und bestmöglich versorgt werden.
oe24: Aber wie finanzieren wir das Ganze?
Stocker: Man muss sich vom Gedanken verabschieden, dass das Gesundheitssystem billiger wird. Es kann effizienter werden. Daran arbeiten wir. Im Übrigen haben wir auch die Finanzierung aus einer Hand in einem Bereich auf den Weg gebracht.
oe24: Es wird also teurer.
Stocker: Richtig.
oe24: Weil die Spitzenmedizin teurer wird.
Stocker: Auch weil die Demografie dazu führt. Deshalb ist es wichtig, dass die gesunden Lebensjahre mehr werden. Das ist für die Menschen gut, genauso wie für das Gesundheitssystem.