Engpässe

Supermärkte schlagen Alarm: Sardinen werden zur Mangelware

© Getty Images
Wer in den Supermärkten und Discountern nach Sardinen sucht, steht derzeit immer öfter vor leeren Regalen. Die beliebten Speisefische sind europaweit extrem knapp geworden, weshalb Branchenexperten bereits vor drastischen Preissteigerungen im Handel warnen.
Zur Vollversion des Artikels

Ob frisch vom Grill oder eingelegt in hochwertigem Olivenöl als klassische "Ölsardine" in der Dose. Sie gelten nicht nur als kulinarischer Genuss, sondern auch als echtes Superfood: Reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren, hochwertigem Eiweiß sowie wichtigen Vitaminen und Spurenelementen, stehen sie auf dem Speiseplan gesundheitsbewusster Konsumenten ganz weit oben. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Für die erste Gruppe haben wir jetzt jedoch schlechte Nachrichten. Denn die globale Klimakrise hat das nächste Opfer gefordert und erreicht nun direkt unsere Supermarktregale, in denen Sardinen zunehmend zur absoluten Mangelware werden.

Gähnende Leere bei den Handelsriesen im ganzen Land

Das Angebot an Sardinen ist im gesamten Lebensmitteleinzelhandel massiv ausgedünnt. Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass bestimmte Produkte vorübergehend gar nicht mehr zu bekommen sind.

Der Discounter Aldi gab bekannt, dass die Verfügbarkeit von Sardinen derzeit aufgrund herausfordernder Bedingungen beim Fischfang eingeschränkt sei. Ähnlich klingt es beim Supermarktkonzern Rewe: Hier wird von einer europaweit angespannten Rohwarensituation gesprochen, die sowohl die Eigenmarken als auch Markenartikel betrifft.

Sardinen werden in Europa zur Mangelware © Getty Images

Warum die Speisefische plötzlich knapp werden

Der Hauptgrund für den plötzlichen Engpass liegt weit entfernt von den europäischen Küsten. Die für den europäischen Markt wichtigste Sardinenfischerei vor den Küsten von Marokko und der Westsahara leidet seit Jahren unter stark rückläufigen Beständen. Das berichtet Stefan Meyer, Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums in Hamburg.

Die offiziellen Zahlen der marokkanischen Fischereiverwaltung verdeutlichen das Ausmaß der Krise:

  • Im Jahr 2022 wurden in Marokko noch rund 965.000 Tonnen Sardinen angelandet.
  • Bis zum Jahr 2024 ist diese Menge auf nur noch 525.000 Tonnen abgestürzt.
  • Auch im vergangenen Jahr hat sich die Lage laut den Experten keineswegs verbessert.
Sardinen werden in Europa zur Mangelware © Getty Images

Klimawandel und Exportstopps verschärfen die Krise

Als Hauptursachen für das Verschwinden der Fische gelten die verheerenden Folgen des Klimawandels, veränderte Meeresbedingungen sowie einen anhaltend hohen Befischungsdruck. Die Erwärmung der Ozeane bringt das maritime Ökosystem komplett durcheinander.

Die marokkanische Regierung hat auf diese Krise mit einer restriktiveren Bewirtschaftung reagiert. Um die Versorgung des eigenen Binnenmarktes zu sichern, wurden die Exporte von gefrorenen Sardinen seit Februar 2026 stark eingeschränkt oder zeitweise ausgesetzt. Für europäische Verarbeiter ist das ein schwerer Schlag, da Marokko bisher der mit Abstand größte Lieferant für den Kontinent war.

Höhere Preise und die Suche nach Alternativen

Eine schnelle Entspannung auf dem Sardinenmarkt ist nicht in Sicht. Zwar ist die "echte Sardine" auch im Nordostatlantik vor Spanien und Portugal heimisch, wo sich die Bestände zuletzt erholt haben. Die dortigen Fangmengen reichen jedoch nicht aus, um die große Lücke zu schließen.