Millionen-Zahlungen
Teurer Ticket-Streit für die Wiener Linien
Jahrelang gab es beim Semesterticket der Wiener Linien einen massiven Preisunterschied. Wer an einer Hochschule eingeschrieben war und den Hauptwohnsitz außerhalb von Wien hatte, musste tief in die Tasche greifen. Für dieselbe Fahrkarte zahlten diese Studierenden mit 150 Euro genau den doppelten Preis im Vergleich zu jenen, die regulär in Wien gemeldet waren. Diese umstrittene Praxis wurde erst mit dem Wintersemester 2022/23 eingestellt. Jetzt kommt die saftige Quittung für die Verkehrsbetriebe.
Schon 2,5 Millionen Euro überwiesen
Hinter den Kulissen tobt eine gewaltige Klagswelle. Die Prozessfinanzierungsplattform "Ticketerstattung.at" trommelte Tausende Betroffene zusammen und zog gegen das Verkehrsunternehmen vor Gericht. Insgesamt haben sich der Plattform bereits mehr als 17.000 Personen angeschlossen. Gestritten wird um knapp 50.000 zu teuer gekaufte Tickets.
Das Landesgericht für Zivilrechtssachen gab den Klägern in mehreren Musterverfahren recht. Auch eine erste Sammelklage mit rund 2.000 Semestertickets ist rechtskräftig beendet. Das Ergebnis war teuer für die Wiener Linien, die 150.000 Euro samt Zinsen zahlen mussten. Dieses Geld wurde laut der Plattform bereits an die ehemaligen Studierenden ausbezahlt.
Bei den restlichen zehn Sammelverfahren gibt es ebenfalls Bewegung. Die Wiener Linien haben mittlerweile wesentliche Teile der geforderten Beträge beglichen. Konkret wurde die Preisdifferenz von rund 34.000 Tickets bezahlt. Damit flossen bereits rund 2,5 Millionen Euro an den Prozessfinanzierer.
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Streit um Zinsen und 4.000 Tickets
Ein Ende des Millionen-Krimis ist aber nicht in Sicht. Das liegt an mehreren Streitpunkten. Einerseits stehen noch Zahlungen für etliche Fahrscheine aus. Andererseits verweigern die Wiener Linien die Zahlung der angehäuften Zinsen. Auch die genauen Prozesskosten stehen noch in den Sternen, weil ein Großteil der Verfahren weiterläuft.
Besonders heftig wird um rund 4.000 Tickets gestritten. Die Verkehrsbetriebe bezweifeln schlichtweg, dass diese Fahrscheine wirklich zum überhöhten Tarif gekauft wurden. Die Plattform sieht darin nur eine Taktik zur Verzögerung der Verfahren. Am Ende könnte die Gesamtsumme für die Wiener Linien auf rund 5 Millionen Euro klettern.
Vom Verkehrsbetrieb selbst gibt es dazu kaum Auskünfte. Man bestätigt lediglich die Zahlungen und verweist auf das laufende Verfahren. Für die anstehenden Rückzahlungen wurden jedoch bereits finanzielle Rückstellungen gebildet. Mehrere Angebote für einen Vergleich im Vorfeld blieben erfolglos.
Geduldsprobe für Betroffene
Die betroffenen Ex-Studierenden sehen von den neuen Millionen-Zahlungen vorerst noch nichts. Die Plattform behält die 2,5 Millionen Euro im Moment ein und will erst auszahlen, wenn die Wiener Linien die Gesamtsumme für alle Verfahren überwiesen haben. Eine schrittweise Auszahlung würde einen zu großen bürokratischen Aufwand bedeuten. Zudem bleibt am Ende nicht die volle Summe bei den Studenten, da die Plattform ein Erfolgshonorar von 27 Prozent einbehält.