Ultimatum

VW-Brutalo-Sparkurs: Arbeitnehmer gegen CEO

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120.000 Jobs vor dem Aus. Am Freitag kocht es nach der Aufsichtsratssitzung hoch. Die Arbeitnehmervertreter gehen mit Vorstandschef Oliver Blume hart ins Gericht - und stellen ihm ein Ultimatum.
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Nach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates zu Einsparungen hat Konzernchef Oliver Blume das Ziel bekräftigt, den kriselnden deutschen Autobauer neu auszurichten. Laut "Süddeutscher Zeitung" (online), hat der Sparplan im Aufsichtsrat am Freitag allerdings keine Mehrheit erhalten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, so der Manager in einem Statement am Freitag. Unterdessen ist der Absatz von VW im zweiten Quartal um gut 8 Prozent eingebrochen.

2,1 Mio. Fahrzeuge verkauft

Verkauft wurden weltweit 2,1 Mio. Fahrzeuge. In China brach der Absatz um mehr als 36 Prozent ein. In anderen Regionen gab es ein Plus.

Volkswagen-CEO Oliver Blume © APA/AFP/RONNY HARTMANN

Samt Audi, Skoda, Porsche und Co lieferte der Volkswagen-Konzern im gesamten ersten Halbjahr mit 4,13 Millionen Autos 6 Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden aus als im Vorjahr. In China brach der Absatz dabei um rund 26 Prozent ein. Zuwächse erzielte Volkswagen dagegen in Europa, in Nordamerika habe es im zweiten Quartal sogar ein Plus von 8 Prozent gegeben.

Sparpaket durchgefallen

Das Sparpaket von VW-Chef Blume ist unterdessen bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag laut "SZ" unter Berufung auf Konzernkreise durchgefallen.

Die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen stellten sich gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von 12 zu 7 Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt". Auch die IG Metall hatte Widerstand gegen die Sparpläne angekündigt.

VW-Arbeitnehmervertreter gehen mit Vorstand ins Gericht

Die wichtigsten Arbeitnehmervertreter von Volkswagen gehen mit Vorstandschef Oliver Blume hart ins Gericht und kündigen im Ringen um den Umbau des Autobauers einen heißen Herbst an. Der Vorstand habe sich nach der Sitzung des Aufsichtsrats "mit den bekannten Floskeln zu Wort gemeldet", heißt es in einem Reuters am Freitag vorliegenden Brief des Konzernbetriebsausschusses an die Belegschaft von VW.

Blume greife zu "empathielosen Allgemeinplätzen". "Nichts davon adressiert die eigentlichen Kernprobleme des Konzerns. Und nichts davon begegnet Euren Ängsten und Sorgen auch nur ansatzweise auf angemessene Weise", schreibt das Gremium aus Betriebsräten des Konzerns, aller Marken und Töchter sowie der Vertretung der Führungskräfte.

Deshalb habe man Blume ein Ultimatum gesetzt, sich bis Freitag zu erklären. Er hatte dem Aufsichtsrat am Donnerstag seinen "Zukunftsplan" vorgestellt, mit dem er den Konzern aus der Krise führen will. Unter anderem soll die Zahl der Modelle um bis zur Hälfte eingedampft, die Zahl der Varianten sogar um 75 Prozent reduziert werden. Das könnte zu Werksschließungen und einem erneuten massiven Stellenabbau führen. "Viel zu viel an dem Zukunftsplan weist noch große inhaltliche Lücken, Inkonsistenzen und Widersprüche auf", heißt es in dem Brief.

“"Wir als Eure Belegschaftsvertretungen wissen nur zu gut, wie hart der wirtschaftliche Druck derzeit ist, wie eng der Wettbewerb und wie zwingend die Notwendigkeit, Dinge grundlegend zu ändern – und zwar auch mittels Stellschrauben, die schmerzvoll sein werden", kommentiert der Ausschuss die Pläne. Doch müsse klar sein, welches langfristige Ziel der Vorstand damit verfolge "anstelle von aktivistischen Kurzfrist-Lösungen wie Werksschließungen, Sparwut und Arbeitsplatzabbau nach der Rasenmäher-Methode". Arbeitgeber in der Autobranche nutzten die Krise "allzu oft als Trittbrett (...) für massive Angriffe auf Sozialstandards, Sicherheiten und tarifliche Errungenschaften bis hin zu Phantasien über eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich".”

Offener Brief der VW-Arbeitnehmervertreter

VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. "Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf."

Wenn der Vorstand das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und Standorte infrage stelle, seien das unverantwortliche Drohungen, die Arbeitnehmer "mit aller Macht verhindern" würden. "Die zweite Jahreshälfte wird anstrengend werden", bereiten die Gremien die Belegschaft auf die Zeit nach der Sommerpause vor, wenn die Pläne konkretisiert werden sollen. "Aber wir wissen auch: Sollte es zu einer längeren Auseinandersetzung mit dem Konzernvorstand kommen, können wir uns auf alle Belegschaften im Konzern verlassen."

Luftaufnahme des Volkswagen-Werks in Zwickau mit vielen geparkten Autos und zwei hohen Schornsteinen. Die Zukunft des Werkes steht auf Messer Schneide. © APA/AFP/STR

Blume zu "Zukunftsplan"

"Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf", so Blume in seinem Statement vor Veröffentlichung der Absatzzahlen. Er sprach von der "umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte".

Austro-Zulieferer leiden mit

Der Vorstand übernehme damit "Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens - in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht", so Blume weiter. "Wir begrenzen Risiken, erschließen neue Chancen aus eigener Stärke und setzen ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland." Die Krise der deutschen Autobauer strahlt auch negativ auf die Zulieferer aus Österreich aus. Die Austro-Zulieferer leiden mit der Schwäche des VW-Konzerns mit.

Modellpalette soll schrumpfen

Direkt nach der Aufsichtsratssitzung hatte Blume bereits in einem Video-Statement - er wollte sich nicht persönlich den Mitarbeiterfragen stellen - folgendes angekündigt: "Wir reduzieren Komplexität, fokussieren unsere Technologien, richten Produkte, Entwicklung und Produktion noch regionaler in den Märkten aus, bauen Überkapazitäten ab". Unter anderem soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel.

"Gerade jetzt kommt es darauf an, die ganze Stärke unseres Konzerns zu entfalten, Synergien über alle Marken und Regionen hinweg maximal heben, Kosten senken und unsere Effizienz weiter steigern", so Blume in dem Video. Ziel sei es, "den Volkswagen-Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger" zu machen.

"Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken"

Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte: "Wir wollen weiterhin in begeisternde Elektrofahrzeuge und neueste Softwarelösungen für unsere Kunden investieren, gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken."

Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern, betonte Antlitz: "Der Zukunftsplan ist dafür ein starker Hebel."

In Wolfsburg, dem Volkswagen-Hauptsitz, hatte der Aufsichtsrat am Donnerstag über mögliche neue Sparpläne beraten. Beschlüsse gab es nicht. Laut Medienberichten könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Womöglich könnten es sogar bis zu 120.000 sein. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht den Berichten zufolge sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. In Zwickau werden nur E-Modelle gefertigt.

Elektro-Auto-Bestellungen "über Erwartungen"

Zu den Absatzzahlen hieß es weiter, dass das Geschäft mit Elektroautos gut gelaufen sei. "In unserer Heimatregion kommt die erst vor wenigen Wochen eingeführte Electric Urban Car Family sehr gut bei unseren Kunden an", sagte Vertriebschef Marco Schubert. Für die Fahrzeuge im Einstiegssegment von VW, Skoda und Cupra seien bereits mehr als 54.000 Bestellungen eingegangen: "Das liegt deutlich über unseren Erwartungen."

"Herausfordernd bleibt die Situation in China", bilanzierte Schubert. Auch Konkurrenten wie BMW oder Mercedes-Benz hatten dort Federn lassen müssen