Energiekrise
Wassermangel: Ungarn schaltet AKW Paks ab
Ein unerwartetes Angebot hinsichtlich Stromlieferungen kam am Sonntag vom slowakischen Premier Robert Fico, der auf Facebook seine Solidarität mit Ungarn bekundete und Soforthilfe anbot. Laut Fico stünden die slowakischen Kernkraftwerke aktuell nicht in einer Krisensituation.
Das Angebot des slowakischen Premiers kam nachdem der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar die Abschaltung des AKW auf Facebook bekannt gab. Dieser Leistungsausfall von 2.000 Megawatt solle künftig durch alle verfügbaren ungarischen Reservekraftwerke und Importe kompensiert werden.
Magyar betonte in seinem Posting außerdem den Austausch mit Behörden der Wasserwirtschaft in Österreich und der Slowakei. Er erklärte, dass entgegen im Internet kursierender Desinformationen weder Österreich noch die Slowakei wasserwirtschaftliche Beschränkungen eingeführt hätten, die den Zufluss von Donauwasser nach Ungarn verringern würden. Der Wasserstand der Donau werde maßgeblich durch ausbleibende Niederschläge in den Einzugsgebieten bestimmt, erinnerte der Premier. Daher müsse man sich in den kommenden Tagen auf weiter sinkende Pegelstände einstellen.
Strenge Maßnahmen gegenüber Großverbrauchern
Die Wasserwirtschaftsbehörden seien angewiesen, hinsichtlich der Sicherung der Trinkwasserversorgung unverzüglich Wasserbeschränkungen der Stufe III anzuordnen - was in der Praxis eine Einschränkung jeglicher nicht unbedingt notwendiger Wassernutzung, wie Auto waschen, Garten wässern, bedeutet.
Inzwischen trat in Ungarn eine Regierungsverordnung in Kraft, nach der große Industrieunternehmen vorübergehend vom Netz getrennt werden können, wenn sie die geforderte Verbrauchsreduzierung nicht durchsetzen. Laut Magyar würde die Stromversorgung der Haushalte nur dann beeinträchtigt, wenn alle Optionen ausgeschöpft seien.
Einschränkungen gibt es auch hinsichtlich des Schienen-Güterverkehrs ab Montag in dem kritischen Zeitfenster zwischen 17.00 und 22.00 Uhr, um so den abendlichen Energiebedarf des Eisenbahnsystems zu senken und Reserven freizumachen.
Homeoffice verordnet und Festbeleuchtung ausgeschaltet
Die Regierung in Budapest verordnete für die ersten drei Tage der kommenden Woche in der Staatsverwaltung Homeoffice an, sofern die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes dies zulässt. Um Gleiches werden Unternehmen, Arbeitgeber der Privatwirtschaft ersucht. Auch die Festbeleuchtungen an staatlichen Gebäuden wurden abgeschaltet. Zudem werden von allen Kommunalverwaltungen größtmögliche Einsparungsmaßnahmen erwartet.
Die ungarische interimistische Staatspräsidentin Ágnes Forsthoffer ersuchte den Premier um eine persönliche Unterrichtung im Umgang mit der extremen Hitzewelle und Energiekrise für den Montag. Dazu geladen sind auch die Fraktionschefs der Oppositionsparteien, heißt es auf ihrer Facebookseite. Diese erhalten damit die Möglichkeit der direkten Beratung mit dem Premier, da die geplante Plenarsitzung am Montag ausfällt.