Amerika hat eine zunehmend besorgte Welt eines Besseren belehrt: US-Wähler wandten sich von einem aus ihrer Sicht abgehobenen, imperialen und kriegerischen Präsidenten ab. Und das brutal: Donald Trump (80) bekam einen Denkzettel verpasst, der ihn für den Rest seiner Amtszeit weitgehend entmachtet (Stichwort „Lame Duck“) – auch wenn er weiter per Dekret regieren und mit seiner Vetomacht Gesetze blockieren kann. Washington droht ein Polit-Patt. Nur: Jetzt sind die siegreichen Demokraten am Drücker.
Denn das Ausmaß ihres Triumphs überraschte selbst parteiinterne Strategen: Es war eine blaue Jahrhundertwelle, ein Tsunami, der über das Weiße Haus schwappte. Dort dürfte es düster werden: Besonders fürchten muss Trump geplante Korruptionsanhörungen und eine erneute Durchleuchtung des Epstein-Skandals.
Warum aber die knallharte Abfuhr? Trump hatte wichtige Wahlversprechen eiskalt gebrochen. Statt das Leben einfacher Bürger erschwinglicher zu machen, konzentrierte er sich auf Prestige-Bauprojekte (Ballsaal, Triumphbogen), Geschäftsdeals, brach den Iran-Krieg vom Zaun, ruinierte das Ansehen der USA in der Welt und heizte die Inflation mit Handelskriegen an.
Dabei schwadronierte er von Amerikas "Goldenem Zeitalter". Die Bürger fragten sich an Zapfsäulen, Supermarktregalen und beim Bezahlen ihrer Mieten: Für wen? Am Dienstag wurde Trump die Rechnung dafür präsentiert, am Volk vorbeiregiert zu haben.
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Am Volk vorbei regiert
Trump selbst dürfte die Wahlklatsche seiner Partei noch verschärft haben: Er tingelte quer durch die USA und rief Wähler auf, so zu tun, als stünde er selbst auf dem Wahlzettel. Es klang wie eine Einladung zum Denkzettel. Auch war seine Tour mehr Ego-Trip als effektiver Wahlkampf. Jetzt herrscht Katzenjammer bei den Konservativen: Floridas Gouverneur Ron DeSantis (48) sprach von einem "Aussterbeereignis" für die Partei – wie bei einem Kometeneinschlag. Vizepräsident JD Vance (42) rückte ebenfalls von seinem Boss ab: Er nannte den Iran-Krieg als Hauptgrund für das Wahl-Waterloo.
Eine Sorge bleibt: Wird Trump in der Weltpolitik noch gefährlicher? Hier bleibt ihm der größte Handlungsspielraum. Er könnte fast aus Trotz versuchen, im Iran alles kurz und klein zu bomben. Oder Kuba erobern. Auch eine Eskalation der Handelskriege ist denkbar.
Oder Trump überrascht alle mit eine Kehrtwende, schließt Deals mit den Demokraten und legt das Fundament für seine "Legacy", sein Vermächtnis als Präsident. Eher wird aber ein Brachialkurs bis zum bitteren Ende erwartet.