"Implodiert"
Einwegpfand & Teuerung: Bier-Blues im Land immer schlimmer
24.02.2026Gesamtausstoß um 7,1 Prozent zurückgegangen, Dosenbierproduktion um fast ein Viertel geringer als 2024
Die Einführung des Einwegpfands sowie das veränderte Konsumverhalten haben dem heimischen Biermarkt im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Der Gesamtausstoß fiel 2025 mit 9,25 Mio. Hektolitern um 7,1 Prozent geringer als 2024 aus, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Brauereiverbandes. Besonders dramatisch ist die Entwicklung beim Dosenbier: Die Produktion sei regelrecht "implodiert", insgesamt wurden knapp 100 Mio. Dosen weniger hergestellt.
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Größter Dämpfer ist das Einwegpfand
Eingebrochen ist auch der Inlandsabsatz mit einer Menge von knapp 7,9 Mio. Hektolitern bzw. einem Minus von 6,1 Prozent, das entspreche etwa "1:1 jener Menge, die beim Dosen-Verkauf abhanden gekommen ist", sagte Verbandsobmann Karl Schwarz bei dem Medientermin. Die Gründe dafür seien mannigfaltig, den größten Dämpfer versetzte dem Markt aber das Einwegpfand. Dieses habe die Konsumentinnen und Konsumenten "schwerst irritiert", was vor allem im Osten des Landes, wo die "Hülse" besonders beliebt sei, für weniger Absatz sorgte. Viele Biertrinker hätten sich daher in angrenzenden Ländern versorgt, wo es kein Pfand gibt und das Bier daher aus Käufersicht erschwinglicher geworden sei.
Hohe Teuerung und neues Konsum-Verhalten
Wichtige Faktoren für den geringeren Absatz - bei den Dosen belief sich der Rückgang auf fast ein Viertel - seien allerdings auch die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit hoher Teuerung und das geänderte Konsumverhalten. Neben der damit einhergehenden hohen Sparquote in Österreich führte Schwarz ferner den Trend in Richtung eines gesundheitsbewussteren Lebensstils ebenso wie demographische Verschiebungen ins Treffen. Er sprach von einem "strukturellen Wandel", den man nicht als "kurzfristige Delle" oder "Ausreißer" bezeichnen könne: "Es ergibt sich ein Bild, das zeigt, dass wir den Zenit beim Bierkonsum überschritten haben und dass sich der Markt in einer Konsolidierungsphase befindet."
Der Trend zu Konsumzurückhaltung erfasse jedoch nicht nur das Bier. Ähnliche Entwicklungen gebe es bei Wein, Mineralwasser, Fruchtsäften und damit beinahe am gesamten Getränkemarkt, gab Schwarz zu bedenken. Außerdem sei der geringere Bierkonsum "kein singuläres Phänomen" sondern etwas, das man auch in anderen bieraffinen Ländern wie Tschechien beobachte, ergänzte der Geschäftsführer des Verbands, Florian Berger.
Gastro-Krise: Fassbierabsatz rückläufig
In der Gastronomie ist die Situation indes nicht viel besser. So hat sich der "sukzessive Rückgang bei Fass- und Tankbier" mit einem Minus von 4 Prozent auf rund 1,7 Mio. Hektoliter fortgesetzt, was neben genannten Gründen mit dem anhaltenden Wirtshaussterben vor allem im ländlichen Raum zu tun habe. Immerhin stütze die gute touristische Buchungslage etwas, außerdem hoffe man auf mehr Menschen in der Gastro und mehr Konsum bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft mit österreichischer Beteiligung, sagte Schwarz.
Lichtblick: Boom bei alkoholfreiem Bier
Einen der wenigen positiven Impulse für den Markt ortet der Verband bei alkoholfreiem Bier, das sich immer größerer Beliebtheit erfreue und dessen Qualität sich ständig weiterentwickle. Derzeit liege der Anteil am Gesamtausstoß noch bei knapp 4 Prozent, der Marktanteil werde sich aber "rasch in Richtung 10 Prozent entwickeln", erwartet Schwarz. Außerdem habe sich der Verkauf von 0,33-Liter-Mehrweg-Glasflaschen, die mittlerweile viele Brauereien im Portfolio haben, trotz der schwierigen Lage als relativ stabil erwiesen, so Berger.
Darüber hinaus ist die Branche zuversichtlich, dass mit dem zuletzt deutlich abgeschwächten Preisauftrieb der private Konsum wieder zulegt. "Für den Konsum ist positive Stimmung der wichtigste Motor", meinte Schwarz, der auch "im ersten Jahr nicht den Stab über die Einführung des Einwegpfands brechen" will. Das Dosenbier werde "sicher nicht vom Markt verschwinden", es dauere lediglich, bis das Einwegpfand von den Konsumenten akzeptiert werde. Bis die erhoffte Erholung eintritt, will der Verband der Brauereien Österreichs vor allem wieder mehr Leute in die Wirtshäuser locken. Dafür sei eine breite Werbekampagne geplant, die in den kommenden Monaten erarbeitet werden soll, kündigten Schwarz und Berger an.