Bei Hauptversammlung
Gehalts-Showdown: Gewerkschaft konfrontiert Banken-Boss dank einer Aktie
21.04.2026Bei der Hauptversammlung der Erste Group kam es zu einer unerwarteten Konfrontation zwischen Gewerkschaft und Vorstand.
Während die Aktionäre der Erste Group am Freitag beschlossen haben, sich selbst 307,9 Millionen an Dividenden auszuschütten, soll bei den Beschäftigten der Sparstift angesetzt werden. Im Zuge der aktuellen Kollektivvertragsverhandlungen verweigert die Führungsebene als Teil des Verhandlungsteams der Arbeitgeberseite nämlich seit fünf Verhandlungsrunden die Abgeltung der Teuerung für die eigenen Mitarbeiter.
Gewerkschaft kommt mit einer Aktie zur Versammlung
Die Gewerkschaft hat reagiert und hat sich mit einer Aktie den Zugang zur Versammlung gekauft.
Vor Ort konfrontierte Anita Palkovich, Verhandlerin der Gewerkschaft GPA den Vorstand der Erste Bank mit ihrer Blockadehaltung: „Nach fünf Verhandlungsrunden gibt es noch immer keinen neuen Kollektivvertrag - obwohl die Branche, und auch die Erste Group sehr gute Ergebnisse macht. Das ist gelinde gesagt irritierend. Warum verhindern Sie die vollständige Abgeltung der Teuerung für die Beschäftigten?“.
Bank-Kauf, Boni, Dividenden
Erst vor Kurzem hat die Erste Bank ihr Geschäftsfeld mit der Übernahme der polnischen Santander Tochter die Bankengruppe nach eigenen Worten "in eine andere Spielklasse" befördert. Für die Mitarbeiter des Unternehmens scheint dies jedoch nicht zu gelten, ihnen will man nicht einmal die gestiegenen Kosten für Wohnen, Heizen und Lebensmitteln abgelten. Aktuell bietet man bei den KV-Verhandlungen eine Erhöhung von 2,3 Prozent plus 20 Euro und einer Einmalzahlung von 250 Euro – bei einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent.
„Wie rechtfertigen Sie das?"
„Wie rechtfertigen Sie das jenen gegenüber, die diese Ergebnisse erwirtschaften, nämlich gegenüber den Beschäftigten, die tagtäglich für ihre Gewinne arbeiten?“, so die Gewerkschafterin in Richtung des Vorstands. „Es geht nicht um überzogene Gehaltsforderungen, sondern um Fairness, Planbarkeit und Respekt. Wer die Teuerung auf Kundinnen, Kunden und Beschäftigte abwälzt, gefährdet am Ende Vertrauen – am Markt, in der Belegschaft und auch bei Investorinnen und Investoren“, bohrt Palkovich nach.
Was sagt Konzern-Chef Bosek dazu?
Bosek erwidert, dass sich die Kosten für den Teuerungsausgleich auf zehn Millionen Euro in der Erste Bank und 8 Millionen Euro in der Holding, inklusive 34% Lohnnebenkosten belaufen würden. Übersetzt also nicht einmal 6% Prozent dessen, was als Dividenden ausgeschüttet wird, rechnen die Gewerkschafter vor. Angesprochen auf einen möglichen Imageverlust durch die stockenden Verhandlungen und mögliche Kampfmaßnahmen betont man, sich der direkten und indirekten Kosten bewusst zu sein und deshalb die gebotene „Ernsthaftigkeit und Verantwortung“ an den Tag lege.
Größere Warnstreiks drohen
Ob das auch die Beschäftigten selbst so sehe, könnte sich bald zeigen: Laut Gewerkschaft könnte es bereits nach der nächsten Verhandlungsrunde am 4. Mai zu ersten Warnstreiks kommen, wenn weiterhin keine Einigung erzielt werden kann.