IMMOunited
Kartellbehörden stoppen Mega-Deal
07.03.2026
Aufreger um IMMOunited ++ Eigentümer Roland Schmid spricht Klartext +++ Grundbuchspezialist wollte seine Firma an DAX-Unternehmen verkaufen, das wurde ihm untersagt.
ImmoUnited war 2007 vom Österreicher Roland Schmid als Alleineigentümer gegründet worden. Der Grundbuchspezialist bietet
Transparenz und Expertise am Immobilienmarkt.
Der Verkauf von IMMOunited an die Scout24-Gruppe war vertraglich fixiert, die Integration vorbereitet, der nächste Wachstumsschritt geplant. Dann kam das Aus durch die österreichischen Kartellbehörden. Für Gründer Roland Schmid ist das ein Weckruf für die österreichische Wirtschaftspolitik. Warum es ihm um mehr geht als um einen Deal, erklärt er im Interview mit oe24.
oe24: Herr Schmid, wie groß war der Schock, als die Übernahme platzte?
Roland Schmid: Natürlich ist so etwas eine persönliche Enttäuschung. Es wurde damit aber auch ein klares Signal gesendet: Wenn selbst sauber vorbereitete Deals scheitern, entsteht Unsicherheit – und das schadet dem Wirtschaftsstandort massiv.
oe24: Wer ist der eigentliche Verlierer neben IMMOunited?
Schmid: Der eigentliche Verlierer ist nicht IMMO united, sondern der Wirtschaftsstandort Österreich. Wenn internationale Investoren nicht wissen, ob rechtlich korrekte Transaktionen am Ende möglich sind, überlegen sie sich zweimal, ob sie hier investieren wollen. Das Gleiche gilt für Unternehmer, die verkaufen wollen – es braucht Rechts- und Planungssicherheit – sowohl für Start-ups als auch für gestandene Unternehmen.
oe24: Was bedeutet das Nein der Behörde für Sie persönlich?
Schmid: Ich bin Unternehmer. Ich gestalte. Jetzt heißt es: Tempo wieder aufnehmen und weiter investieren. Als Unternehmer ist man es gewohnt, dass nicht alles nach Plan läuft. Der Staat lebt von dem, was Unternehmer aufbauen – nicht umgekehrt.
oe24: Bisher kannte man Sie eigentlich eher als Unternehmer und Sport-Enthusiasten, plötzlich äußern Sie sich zum Wirtschaftsstandort. Woher kommt das?
Schmid: Aus Sorge um den österreichischen Wirtschaftsstandort. Wir sind ein Sozialstaat und das ist gut so. Wohlstand muss zuerst erwirtschaftet werden, bevor er verteilt werden kann. Wertschöpfung entsteht im Gestalten, nicht im Verwalten. Wenn der Staat jetzt immer mehr in die unternehmerische Freiheit eingreift, anstatt klare Rahmenbedingungen zu schaffen, schadet das beiden Seiten.
oe24: Was heißt das konkret?
Schmid: Wer verteilen will, muss erst verdienen. Das soll heißen, wir können nicht auf Dauer mehr ausgeben, als wir davor eingenommen haben. So funktioniert Wirtschaft und so sollte Gesellschaft funktionieren.
oe24: Das klingt nach Kampfansage an die Republik?
Schmid: Ganz und gar nicht. Es ist einfach die wirtschaftliche Logik: Ohne unternehmerische Wertschöpfung gibt es keinen Sozialstaat. Unternehmerisches Eigentum ist Produktivkapital. Es finanziert Innovation, Arbeitsplätze und am Ende auch den Staat. Unternehmer zahlen in den meisten Fällen mehr ein, als sie sich rausnehmen.
oe24: Was heißt für Sie, die „richtigen Rahmenbedingungen“ schaffen?
Schmid: Zu Unternehmensgründungen motivieren. Verfahren beschleunigen. Eigentum schützen. Planungs- und Verfügungssicherheit garantieren. Das alles trägt dazu bei, in- und ausländische Investitionen in Österreich hochzuhalten. In einem Land, in dem Steuern und Abgaben zuletzt auf 43,8 % des BIP gestiegen sind, muss es auch erlaubt sein, eine Entlastung hinsichtlich Steuern und Abgaben für Unternehmen zu diskutieren.
oe24: Warum ist das so zentral für Sie, die Steuern und Abgaben für Unternehmen zu diskutieren?
Schmid: Der Standort braucht Investitionen, um zu wachsen, und Unternehmer müssen planen können. Bei Investitionen, Nachfolge oder Verkauf. Wenn legale Transaktionen scheitern, ist das ein Standortproblem, kein Einzelfall.
oe24: Das heißt, die Politik ist Ihrer Meinung nach auf dem Irrweg?
Schmid: Wir diskutieren jedenfalls zu oft, wie man verteilt, anstatt, zu verdienen. Menschen sollten sich wieder verinnerlichen, dass der einzig richtige Weg für einen nachhaltig funktionierenden Sozialstaat nur mit Leistung verbunden sein kann.
oe24: Wie soll das gehen?
Schmid: Über Bildung, auch in wirtschaftlichen Kompetenzen, und echte Anreize. Das heißt: Menschen zu motivieren, Unternehmen zu gründen, attraktive Vollzeitarbeitsmodelle in den Vordergrund zu stellen, konkrete Karrierechancen aufzuzeigen. Denn nur wer Verantwortung übernimmt, stärkt die Gesellschaft und sichert die nächste Generation.
Hintergrund zum verhinderten Mega-Deal
Im Zuge der angedachten Akquisition hätte Schmid das Unternehmen während einer Übergangsphase weiterhin aktiv begleiten und sein Know-how einbringen sollen. Ein möglicher Kaufpreis wurde nie genannt.
Kartellwächter schalteten sich ein: Konkret wollte die Scout24-Tochter Sprengnetter GmbH mehrere Firmen von ImmoUnited-Geschäftsführer Roland Schmid erwerben. Sprengnetter gehört seit 2023 zu der deutschen Unternehmensgruppe und ist auf Immobilienbewertungen spezialisiert. Das Ansinnen war Ende März 2025 bekannt gegeben worden und rief die Kartellbehörde auf den Plan. Sie befürchtete zu hohe Marktanteile der Gruppe rund um Scout24 in Österreich. Für Roland Schmid ist das unverständlich. Er hält aber fest: „Nach spannenden Verhandlungserfahrungen wird meine ImmoUnited ihren innovativen Weg weiter mit voller Kraft fortsetzen“, sagt Eigentümer und CEO Schmid zu oe24