Kunstszene in Schock

Starkünstler Georg Baselitz mit 88 Jahren gestorben

30.04.2026

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot.  

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© Getty Images
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Der Eklat war groß, als die beiden Bilder "Nackter Mann" und "Die große Nacht im Eimer" 1963 bei einer Schau in Berlin beschlagnahmt wurden. Der damals 25-jährige Georg Baselitz, aus der DDR erst wenige Jahre zuvor in den Westen gezogen, war praktisch über Nacht ein Star. Über die Jahrzehnte etablierte sich der Provokateur aber zum Doyen der Kunst, der mit seinen auf dem Kopf stehenden Bildern breite Bekanntheit erlangte. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. 

Damit verlieren Deutschland und letztlich auch Österreich einen der wichtigsten Proponenten der Nachkriegskunst. Schließlich hatte Baselitz 2015 gemeinsam mit seiner Frau Johanna Elke Kern bei einem Festakt in Salzburg auch die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten und war bereits seit 2005 Träger des Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Neben dem Ammersee und Imperia in Italien zählte Salzburg über viele Jahre zu den Lebensmittelpunkten des Künstlers.

Wahl-Salzburger aus der DDR

So idyllisch die Wohnorte, so widerspenstig Baselitz' Kunst: Von Anfang an pinselte der Künstler gegen den Strich. Der am 23. Jänner 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern Geborene verließ alsbald die DDR, nachdem er seine Lehrer in Ostberlin brüskiert hatte und wegen "gesellschaftlicher Unreife" von der dortigen Kunsthochschule geflogen war. In den Semesterferien hatte er, anstatt mit ins Kombinat zu fahren, lieber nach Picasso gemalt. 

© Georg Baselitz
 

Bei der ersten Ausstellung im Westen 1963 in der Berliner Galerie Werner & Katz sorgte Baselitz dann erneut für einen Eklat. Die Ölbilder "Nackter Mann" (mit einem überdimensionalen Penis) und "Die große Nacht im Eimer" (mit einem onanierenden Buben) wurden beschlagnahmt, ein Gerichtsverfahren aber später eingestellt.

Die Gemälde am Kopf stehend

Der Skandal machte Baselitz bekannt, zum Star machte ihn die Idee, die Welt kopfüber neu zu betrachten. 1969 entstand mit "Der Wald auf dem Kopf" das erste "Umkehrbild". Er selbst sprach vom "dritten Weg" zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Er habe das Bild aus der "fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit" wegbringen wollen, erläuterte er einmal. Auch wenn Kritiker gelegentlich von einer Masche sprachen - der Kopfstand blieb bis zum Schluss Baselitz' Markenzeichen.

Ende der 1970er begann Baselitz mit kantig gesägten Holzskulpturen, die in ihrer archaischen Form gelegentlich an afrikanische Kunst erinnern. Wieder ein Aufreger: Seine Skulptur, geschaffen für den deutschen Pavillon bei der Biennale 1980 in Venedig, hielt die Hand nach oben. Das als Hitlergruß zu sehen, sei überhaupt nicht seine Intention gewesen, sagte er später.

Veröffentlichte ein Remix

In seinen "Heldenbildern" (1965) bezog sich Baselitz auf den Krieg, den er als Kind erlebte - die "Helden" wanken heran als kaputte Gestalten in zerlumpten Uniformen, denen vom Heroismus nicht viel geblieben ist. Im Zyklus "Russenbilder" (1998-2005) setzte er sich mit seiner Jugend in der DDR und dem sozialistischen Realismus auseinander. Die Staatskünstler der DDR nannte er schon mal "Arschlöcher".

Etwa ab 2005 setzte er sich auch mit dem eigenen Werk nochmals auseinander: Unter dem Titel "Remix" interpretierte er frühere Bilder neu. Danach malte er in Schwarz - kaum Schemen sind erkennbar. Er habe Bilder unsichtbar machen, Grenzen verschieben wollen, erläuterte er.

Aktuelle Ausstellungen in Salzburg

Salzburg widmet dem Wahl-Salzburger heuer gleich zwei große Ausstellungen und schlägt dabei den Bogen von den frühen Zeichnungen bis hin zum monumentalen Spätwerk. Die Werkschau "Baselitz Jetzt" ist im Museum am Mönchsberg seit 1. April zu sehen, das Frühwerk unter dem Titel "Baselitz Manifeste" im Museum im Rupertinum folgt am 3. Juli. Die beiden als Hommagen gedachten Ausstellungen mutieren nun gleichermaßen zum Abschied von einer der großen Künstlerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts.