Roman

Bianca Jankovskas "Fuckgirl": Radikal? Nein ehrlich!

07.03.2026

FUCKGIRL ist ein genauer Blick auf das Patriarchat.

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© Mark Lloyd/Haymon
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Wer ist dieses Fuckgirl, die Protagonistin in Bianca Jankovskas Debütroman mit selbigem Titel? Sie ist jedenfalls keine, die nur für das Eine zu haben ist, auch kann man(n) mit ihr nicht beliebig umgehen. Nein, diese Figur weiß genau, was sie will, und sehr genau, was nicht.

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Spannungsfelder

Und das sind genau die zwei Spannungsfelder, in denen sich der rasante Text bewegt. Fuckgirl ist Performancekünstlerin, lebt mit einem Mann in einer offenen Beziehung, will keine Kinder und sich nicht dafür oder für andere Entscheidungen rechtfertigen. Sie hat One-Night-Stands, und bei einem Typ kommt sie drauf, dass dieser seine Freundin betrügt. Das geht für Fuckgirl gar nicht – ein Racheplan wird geschmiedet.

Strukturen werden sichtbar gemacht

Ob im Pasta-Kochkurs beim Teigwalken zwischen Pärchen, beim Besuch bei einer Freundin, die ein Baby bekommen hat, oder ganz so nebenbei im Alltag. Fuckgirls Blick ist wie ein Röntgenstrahl, der das Patriarchat und seine Strukturen bis in die kleinsten Ritzen aufspürt und für uns Lesende sichtbar macht. Das führt zu einigen Aha-Momenten und durchaus zu innerlichem Nicken. Geneigte Leserinnenschaft, hier wird euch einiges bekannt vorkommen!

Mix

Bianca Jankovska und ihre genaue Beobachtungsgabe schätzen wir seit ihrem Sachbuch Potenziell furchtbare Tage , das sich auch schon mit Frauen im Patriarchat beschäftigt hat. Hier verzwirbelt sie Moral auch mit Popkultur.

Blickwinkel

So dreht sich der Text mal um den scheinbar kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen Frauen lieben und Frauen (dabei aber gleichzeitig nicht zu) mögen, dann um die Beckham-Affäre und immer wieder auch um Körperlichkeit und Sex.
Jankovska schreibt, worüber wir viel öfter nachdenken sollten. Nämlich, was wir wollen vom Leben, was sich ausgeht und was der Preis dafür ist. Ein Buch, das an vielen Stellen weh- und oft sehr guttut. Mit Fuckgirl wird der Lesefrühling garantiert nicht langweilig, sondern aufschlussreich. 

 

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