Opernball-Streit
Mucha-Beben: Die rhetorische Hinrichtung des „Staatsopern-Wüterichs“ Bogdan Roscic
26.02.2026Christian Mucha holt zu einem letzten Rundumschlag gegen den Staatsoperndirektor aus, ehe er ihn "entfeindet".
Was als Kritik an der Opernball-Eröffnung begann, hat sich zu einem intellektuellen Grabenkrieg zwischen zwei der profiliertesten Köpfe der Wiener Society ausgewachsen. Nachdem Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić mit einem wenig schmeichelhaften „Schweine-Zitat“ vorgelegt hatte, holt Verleger Christian Mucha nun zum finalen Gegenschlag aus – und streicht seinen Kontrahenten kurzerhand von der Liste seiner würdigen Feinde.
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Es ist ein Duell, wie es wohl nur Wien hervorbringen kann: Ein Mix aus Hochkultur, verletzten Eitelkeiten und Zitaten antiker Philosophen. Der Stein des Anstoßes war Muchas Kritik am diesjährigen Opernball, die im Haus am Ring offenbar sauer aufgestoßen war.
Das Schweine-Gleichnis und die „Trigger“-Beichte
Bogdan Roščić reagierte auf die Sticheleien des Verlegers zunächst kryptisch, aber scharf. Er postete ein Zitat, das davor warnte, sich „mit einem Schwein herumzuschlagen“, da man dabei nur selbst schmutzig werde, während es dem Schwein gefalle. Die Wiener Gerüchteküche brodelte sofort: War damit Mucha gemeint? Ein Kommentar unter dem Post forderte Roščić auf, sich „nichts von einem Herrn Mucha gefallen zu lassen“, woraufhin der Direktor trocken replizierte: „Irgendwas muss mich am Opernball getriggert haben.“
Muchas Revanche: Die „Entfeindung“
Christian Mucha wäre nicht Christian Mucha, ließe er eine solche Steilvorlage ungenutzt. In einem neuen, vor Eloquenz strotzenden „Wut-Posting“ vollzieht er nun die ultimative Herabwürdigung: Die „Entfeindung“. Frei nach Oscar Wilde erklärt Mucha, dass er sich seine Feinde nach ihrem Verstand aussuche – und Roščić dieses Privileg ab sofort verwirkt habe. „Zähle ich zu meinen Feinden nur kluge, intelligente und herausragende Persönlichkeiten. Trifft nur eines dieser Attribute nicht mehr zu, dann streiche ich ihn unverzüglich von meiner Liste.“
Mit dieser rhetorischen Breitseite degradiert Mucha den Opernchef vom ernstzunehmenden Gegner zum bloßen Beobachtungsobjekt. Er bezeichnet Roščić als „Staatsopern-Verbal-Wüterich“ und „Schatten-Gewächs“, mit dem er sich künftig nicht mehr aktiv auseinandersetzen wolle.
Warten am Fluss: Napoleon und die bittere Rache
Mucha schließt die „Akte Bogdan Roščić“ mit einer Reihe historischer Weisheiten. Er zitiert Napoleon Bonaparte – „Störe deinen Feind niemals, wenn er einen Fehler macht“ – und kündigt an, künftig nur noch „am Fluss zu sitzen“ und auf die nächsten Entgleisungen seines Ex-Kontrahenten zu warten. Das Schicksal (oder das Karma) werde den Rest erledigen.
Als finale Spitze bemüht Mucha schließlich Marc Aurel: Die beste Rache sei es, nicht so zu werden wie jener, der einem Unrecht getan hat. Damit scheint das Tischtuch zwischen dem Verleger und dem Operndirektor nicht nur zerschnitten, sondern rituell verbrannt. In der Staatsoper dürfte man die Ruhe vor dem nächsten Sturm wohl mit gemischten Gefühlen genießen.