Wirtschaft jubelt

"Fossile Monsterprojekte": Klima-Bündnis geht gegen Lobau-Autobahn auf die Straße

02.04.2026

In Wien kocht der Streit um die Lobau-Autobahn hoch. Während die Wirtschaft den Start der Vorarbeiten als „Lebensader“ feiert, sprechen Klima-Aktivisten von einer "Mogelpackung". Der Widerstand vor dem Ministerium dürfte erst der Anfang sein.



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© Global 2000/Leo Daublebsky
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Zum Lückenschluss des Straßenprojekts "S1 Wiener Außenring Schnellstraße" haben diese Woche die ersten Umsetzungen begonnen - was prompt erste Proteste ausgelöst hat. Donnerstagvormittag versammelten sich nach eigenen Angaben rund 150 Demonstranten vor dem Verkehrsministerium, unter anderem von Lobau Bleibt! und Fridays For Future. Konkret geht es dabei um sogenannte bauvorbereitende Maßnahmen im Freilandabschnitt von Groß-Enzersdorf bis Knoten Süßenbrunn, dazu zählen neben dem Aufstellen von Baucontainern auch sechs Zählstellen. Der Trassenbau selbst startet erst 2027.

© FFF/Julian Kragler

Ein breites Bündnis hatte zum Protest aufgerufen: Fridays For Future, Global 2000, Lobau Bleibt!, Greenpeace, System Change und das Bündnis SoWi_So. "Es ist absurd, dass Verkehrsminister Hanke an dem Projekt festhält, während Recht und Wissenschaft dagegen sprechen. Fridays For Future stellt sich Seite an Seite mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern sowie Umweltorganisationen und der Bevölkerung gegen Investitionen in fossile Monsterprojekte in Zeiten der Budgetkrise. Wir übergeben unsere Zukunft nicht widerspruchslos den Betonierern und Zukunftszerstörern!", meint Laila Kriechbaum von Fridays For Future.

© FFF/Ray Martschini

Das Bündnis Solidarischer Widerstand gegen Sozialabbau forderte "Lobau statt Sozialabbau!" Paula Krosigk von System Change kündigt an: "Hanke und die Asfinag glauben, dass sie mit heimlichen Vorarbeiten für die Lobau-Autobahn Fakten schaffen können, aber da haben sie nicht mit uns gerechnet - jetzt geht unser Widerstand erst richtig los!" 

WK-Ruck: "Endlich geht etwas weiter"

Nachdem sich schon am Mittwoch zahlreiche Organisationen zu Wort gemeldet hatten, gab es auch am Donnerstag weitere Reaktionen: "Endlich kommt Bewegung in dieses wirklich wichtige Projekt", meinte Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. Es sei gut, dass die Phase der permanenten Verzögerung nun endet. Der Regionenring sei eine essenzielle Lebensader für die Wirtschaft - nicht nur in, sondern auch um Wien. Besonders wichtig sei der Lückenschluss der S1 für die Weiterentwicklung von Wien jenseits der Donau – nicht nur wenn es um Wohngebiete geht. Die S1 und die daran gekoppelte Spange Seestadt Aspern sowie die Stadtstraße würden auch die leistungsfähige Anbindung von großen Betriebsflächen vor allem im 22. Bezirk gewährleisten. 

"Für die Transportbranche ist der Baustart der S1 und damit dem Regionenring ein Befreiungsschlag für den Wirtschaftsstandort", betont Wolfgang Böhm, Obmann der Wiener Transporteure. "Endlich wird nicht mehr nur diskutiert, sondern gebaut." 

IV begrüßt Baubeginn

Dass nun endlich mit den ersten Vorarbeiten zum Lückenschluss des Straßenprojekts "S1 Wiener Außenring Schnellstraße" begonnen wurde, sei "im Interesse der Wirtschaftsmetropole Wien ausdrücklich zu begrüßen", wie der Geschäftsführer der IV-Wien, Johannes Höhrhan, betonte: "Eine wachsende, dynamische Stadt benötigt eine adäquate Infrastruktur. Der Lückenschluss um Wien wurde bereits viel zu lange verzögert." Die "reflexartige Ablehnung mancher NGOs geht an der Realität vorbei", so Höhrhan, der hinzufügte: "Mit dem Lastenrad kann die Logistik einer Millionen-Metropole nicht bewältigt werden" 

VIRUS kritisiert "Show-Baustart"

Anders der VCÖ: Die Lobauautobahn sei extrem teuer, verursache große ökologische Schäden und sei keine wirksame Lösung für die bestehenden Verkehrsprobleme. "Mit dieser Aktion am 1.April soll der Öffentlichkeit mit Vorbereitungsmaßnahmen suggeriert werden, dass es jetzt unbeirrbar und genau wie von Minister Hanke vorigen Herbst verkündet endlich voll losgeht. Tatsächlich handelt es sich um eine Mogelpackung", betont VIRUS-Sprecher Wolfgang Rehm. Der richtige Baubeginn soll erst im nächsten Jahr stattfinden. Jede Tätigkeit bleibe entgegen allen bloß reflexartigen Abwehrbeteuerungen rechtswidrig."