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Staatsanwalt ermittelt jetzt in ORF-Causa
30.04.2026Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Chef im März vergeht weiterhin kaum ein Tag ohne neuer Entwicklung in der Causa.
So hat nach einer Strafanzeige Weißmanns die Staatsanwaltschaft Wien nun Ermittlungen gegen jene Frau aufgenommen, die ihm Fehlverhalten ihr gegenüber vorwirft, und auch gegen deren Anwalt wegen des Verdachts der schweren Erpressung und des Missbrauchs von Tonaufnahmen. ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber klagt indes den ORF.
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Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte, dass ein Anfangsverdacht so weit gegeben sei, dass Ermittlungen eingeleitet wurden. "Profil" zitierte am Donnerstag aus der Ermittlungsanordnung. Darin heißt es laut dem Nachrichtenmagazin, dass Tonbandaufnahmen eines Gesprächs zwischen Weißmann und der ORF-Mitarbeiterin sowie etliche Bilder beigeschafft werden sollen. Beantragt werde zudem eine Reihe von Zeugeneinvernahmen - darunter die ORF-Stiftungsratsspitze und das ORF-Direktorium.
Tonbandaufnahmen und Drohungen
Die ORF-Mitarbeiterin soll vor Jahren ohne Wissen von Weißmann Gespräche mit ihm aufgezeichnet und diese im März in der Kanzlei ihres Anwalts Dritten vorgespielt haben - darunter ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze. Ein weiterer Vorwurf: Weißmann soll mit der Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz und gesellschaftlichen Stellung gedroht worden sein, sollte er nicht als ORF-Chef zurücktreten und u.a. eine Schadenersatzzahlung leisten. Konkret soll gedroht worden sein, die Vorwürfe sexueller Belästigung und damit zusammenhängendes belastendes Material zu veröffentlichen, sollte Weißmann den Forderungen nicht nachkommen.
Im ORF wurde nach den Vorwürfen der Frau und dem Rücktritt Weißmanns eine Compliance-Untersuchung eingeleitet, die zum Schluss kam, dass keine sexuelle Belästigung - auch nicht im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes - vorliege. Weißmann wurde dennoch gekündigt, da der Anschein unangemessenen Verhaltens gegeben sei. Die neue ORF-Chefin Ingrid Thurnher untermauerte vergangene Woche, dass das Verhalten Weißmanns "falsch und für eine Führungskraft inakzeptabel" gewesen sei. All jene im ORF, die Übergriffe erleben, sollten sich melden, damit man sie unterstützen könne, so Thurnher.
Schöber will keine Einsicht für Stiftungsräte in Bericht
In einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats wurde von den Rätinnen und Räten beschlossen, dass man Einsicht in den Compliance-Bericht haben wolle. Auch forderten sie die Vorlage von älteren Berichten zu aufsehenerregenden Fällen an - darunter jener zu ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber, dem verbale Entgleisungen, Mobbing und Interventionen vorgeworfen wurden. Der ORF sprach nach Abschluss der Untersuchung, im Zuge derer Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesagt haben, von "teilweise problematischem" Führungsverhalten und passte die Struktur an, sodass Schöber nicht länger alleine Personalentscheidungen treffen konnte. Auch wurden "direkte Durchgriffe" in Programmfragen unterbunden.
Schöber will nun verhindern, dass die Stiftungsräte Einsicht in den Bericht bekommen. Er gehe "mittels Klage sowie eines Antrags auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung" gegen die Offenlegung vor, heißt es laut in einem Mail von Thurnher an die Stiftungsräte. Sofern keine einstweilige Verfügung erlassen werde, wolle Thurnher weiter vorgehen wie geplant.
"Dass ein hochbezahlter Manager versucht, mit einer Klage gegen das eigene Unternehmen die Aufklärung von Vorwürfen zu blockieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände am Küniglberg", hielt FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker in einer Aussendung fest und forderte "volle Transparenz und eine lückenlose Aufklärung".