Antrag

Kommt Ratko Mladić zurück nach Serbien?

25.04.2026

Verbände von Opfern des Bosnien-Krieges haben sich gegen eine mögliche Verlegung des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien ausgesprochen.  

Zur Vollversion des Artikels
© APA
Zur Vollversion des Artikels

Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine "schwere Ungerechtigkeit an", falls der zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde, schrieben die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem am Samstag veröffentlichten Brief.

Gerichtet war er an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana.

© AFP/APA

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg zu lebenslanger Haft.

Mladić in Serbien von manchen als Held verehrt

Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt. Seine Anwälte versuchten in den vergangenen Jahren mehrfach, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Nach Angaben seiner Familie hatte Mladić vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten und befindet sich in "dramatisch schlechtem" Zustand. Mladićs Anwalt beantragte am Freitag, den 84-Jährigen vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien im Krankenhaus behandelt werden könne.

© AFP

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine "weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen", erklärten die Opferverbände in ihrem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Mladić sei "mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen".

In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Einheiten im Sommer 1995 rund 8000 muslimische Männer und Burschen ermordet. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.