Antrag

Kommt Ratko Mladić zurück nach Serbien?

Verbände von Opfern des Bosnien-Krieges haben sich gegen eine mögliche Verlegung des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien ausgesprochen.  

Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine "schwere Ungerechtigkeit an", falls der zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde, schrieben die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem am Samstag veröffentlichten Brief.

Gerichtet war er an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana.

Mladic
© AFP/APA

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg zu lebenslanger Haft.

Mladić in Serbien von manchen als Held verehrt

Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt. Seine Anwälte versuchten in den vergangenen Jahren mehrfach, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Nach Angaben seiner Familie hatte Mladić vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten und befindet sich in "dramatisch schlechtem" Zustand. Mladićs Anwalt beantragte am Freitag, den 84-Jährigen vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien im Krankenhaus behandelt werden könne.

22. November 2017

Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic wird vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) zu lebenslanger Haft verurteilt. Mladic ist für die Richter in Den Haag für schlimmste Gräuel des Balkankrieges (1992 -1995) verantwortlich, darunter die Ermordung von rund 8.000 bosnisch-muslimischen Männern und Buben in der UNO-Schutzzone Srebrenica. Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht verhaftet und dem Tribunal übergeben worden. Es ist das letzte Völkermord-Urteil des Gerichts, das nach 24 Jahren zum Jahresende seine Arbeit abschließt.

© AFP

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine "weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen", erklärten die Opferverbände in ihrem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Mladić sei "mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen".

In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Einheiten im Sommer 1995 rund 8000 muslimische Männer und Burschen ermordet. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

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