Handel

Comeback für den Einkauf im Laden

Stationärer Handel gewinnt wieder an Bedeutung © Getty Images
Die Einzelhandelsausgaben der österreichischen Haushalte haben 2025 erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro überschritten.

Während der stationäre Handel in vielen Branchen Marktanteile zurückgewinnt, bleibt der Onlinehandel in ausgewählten Segmenten auf Wachstumskurs. Die österreichischen Haushalte haben im vergangenen Jahr insgesamt 80,7 Milliarden Euro für Waren im Einzelhandel (ohne Kfz) ausgegeben. Das entspricht einem nominellen Plus von 2,6 Prozent, real lag das Wachstum bei 0,8 Prozent. Der E-Commerce wuchs mit 4,1 Prozent zwar stärker als die allgemeine Preisentwicklung, dennoch werden weiterhin 87 Prozent aller Einkäufe stationär getätigt. Das zeigt die aktuelle Studie "Handel in Zahlen" von Kreutzer Fischer & Partner (KFP) im Auftrag des Handelsverbands.

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Lebensmittelhandel: Online verliert weiter an Bedeutung

"Der stationäre Handel bleibt mit Abstand der wichtigste Einkaufskanal in Österreich", sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will. Entscheidend sei heute jedoch nicht mehr die Frage "online oder offline", sondern welcher Vertriebskanal am besten zum jeweiligen Produkt passe. Mit 32,1 Milliarden Euro entfällt knapp 40 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben auf Nahrungs- und Genussmittel. Besonders stark wachsen dabei Convenience-Produkte wie Fertiggerichte oder To-go-Angebote mit einem Plus von 7,3 Prozent.

Alkoholische Getränke verlieren hingegen an Bedeutung. Die Ausgaben gingen um 4,1 Prozent zurück. Der Online-Lebensmittelhandel setzt seinen Abwärtstrend fort. Bereits das vierte Jahr in Folge sinken die Online-Ausgaben, zuletzt um 4,6 Prozent. Der Online-Anteil liegt mittlerweile nur noch bei 2,2 Prozent. Als Gründe gelten die geringen Margen im Lebensmittelhandel sowie der Rückzug mehrerer großer Handelsketten aus dem kostenintensiven Zustellgeschäft.

Gesundheitsmarkt wächst kräftig

Rainer Will, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands. © Handelsverband

Zu den stärksten Wachstumstreibern zählt der Gesundheitsmarkt. Die Ausgaben für Medikamente, Drogeriewaren und Kosmetik stiegen um 4,5 Prozent, wobei Medikamente mit einem Plus von 8,6 Prozent besonders deutlich zulegten. Gleichzeitig verzeichnet das Segment auch überdurchschnittliche Zuwächse im Onlinehandel. Die Online-Ausgaben stiegen um 13,5 Prozent. Vor allem rezeptfreie Medikamente und Gesundheitsprodukte profitieren von der zunehmenden Digitalisierung des Konsums.

Mode und Sport: Rückkehr zum Einkauf vor Ort

Im Modehandel zeigt sich eine Trendwende. Die Ausgaben für Bekleidung und Schuhe stiegen um 3,3 Prozent, während die Online-Ausgaben lediglich um 1,7 Prozent zulegten. Dadurch sank der Online-Anteil auf 29,3 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich der Schuhhandel mit einem Plus von 8,3 Prozent. Auch hier ging der Online-Anteil leicht zurück.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Sporthandel. Die Ausgaben stiegen um 3,6 Prozent, der Online-Anteil sank auf 14,8 Prozent. Wesentlichen Anteil daran hat das boomende Verleihgeschäft für Sportgeräte wie Fahrräder oder Ski, das um 9,5 Prozent wuchs und mittlerweile mehr als 700 Millionen Euro Umsatz erzielt.

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Möbelmarkt im Umbruch

Der Markt für Haus und Einrichtung bleibt unter Druck. Die Ausgaben für Wohnbau, Sanierung und Wohnungseinrichtung gingen leicht zurück. Gleichzeitig gewinnen Onlineanbieter Marktanteile. Bei Wohnungseinrichtungen stiegen die Online-Ausgaben um 12,4 Prozent. Neben der schwachen Neubautätigkeit haben auch Insolvenzen im Möbelhandel regionale Versorgungslücken im stationären Handel hinterlassen.

Deutlich dynamischer entwickelte sich der Elektronikmarkt. Die Ausgaben für Elektro- und Elektronikgeräte stiegen um 2,8 Prozent, die Online-Ausgaben sogar um 5,2 Prozent. Der Online-Anteil liegt hier bereits bei 33,6 Prozent. Als besonders wachstumsstark erwiesen sich Videospiele und Spielkonsolen mit einem Plus von 14,4 Prozent. Bereits 68 Prozent der Ausgaben erfolgen online.

Den höchsten Online-Anteil im gesamten Einzelhandel verzeichnet jedoch das Segment Erotikartikel. Hier werden bereits 82 Prozent der Käufe online abgewickelt. Die Ausgaben stiegen um 8,2 Prozent. Auch Bücher und Zeitschriften bleiben stark digital geprägt. Der Online-Anteil erhöhte sich auf 39,1 Prozent.

Überdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten Kunstgegenstände und Antiquitäten. Die Ausgaben stiegen in diesem Bereich um 13,3 Prozent. Auch Handfeuerwaffen verzeichneten mit einem Plus von 9,9 Prozent einen deutlichen Nachfrageanstieg. Laut Studienautoren dürfte hier ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis und krisenbedingte Unsicherheiten dafür verantwortlich sein.