Marktanteil von knapp 37 Prozent erreicht, das Eigenmarken-Geschäft wächst kräftig.
Angetrieben von einem starken Eigenmarkengeschäft konnte der Handelskonzern Spar im Vorjahr den Abstand zu seinen Mitbewerbern vergrößern. Der Verkaufsumsatz der Supermarktkette in Österreich stieg um 4,2 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro. Die Eigenmarkenumsätze legten deutlich zu, u.a. "S-Budget" (+8 Prozent). Das Geschäftsergebnis belastete hingegen die defizitäre Sportkette Hervis, die im Jänner verkauft wurde, und die Sondersteuern in Ungarn.
Spar überholte im Jahr 2020 erstmals Rewe (u.a. Billa, Penny) als Marktführer in Österreich und baute seitdem seine Marktführerschaft deutlich aus. Im Vorjahr lag der Marktanteil von Spar bei 36,8 Prozent und der von Rewe bei 32,3 Prozent, wie das Online-Fachmagazin "Key Account" im Februar unter Verweis auf NielsenIQ-Daten berichtete. Auf die Diskonter Hofer und Lidl entfiel 2025 ein Anteil von 25,5 Prozent. Durch die Übernahme von 25 Unimarkt-Filialen rechnet Spar mit einem Marktanteilszuwachs von 0,2 Prozentpunkten. 20 ehemalige Unimarkt-Standorte werden seit dem grünen Licht der Wettbewerbshüter Ende Jänner von Spar-Kaufleuten betrieben, 5 Filialen werden von der Spar AG geführt.
Gestiegene Lebensmittelpreise
Spar-Chef Hans K. Reisch ortet eine einseitige "Preisdiskussion". "Uns ärgern die multinationalen Konzerne, die uns beliefern, und eine zweistellige Gewinnmarge haben", sagte Spar-Chef Hans K. Reisch im APA-Interview. Man selbst habe eine EBT-Marge von unter 2 Prozent. Reisch hat in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass Spar gegenüber internationalen Konzernen wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson und Nestlé keine Marktmacht hat.
Die Initiativen der Regierung im Bereich Lebensmittelpreise - größere Grundpreisauszeichnung und "Shrinkflation"-Warnhinweise - sieht der Spar-CEO weiter kritisch, weil es zu mehr Kosten für die Händler führe. Auch die technische Umsetzung der Mehrwertsteuer-Senkung für zentrale Produkte des täglichen Bedarfs auf 4,9 Prozent sei für Händler "irrsinnig" aufwendig.
Spar-Gruppe mit Bruttoumsatz von über 22 Mrd. Euro
Im Vorjahr erhöhte sich der Bruttoverkaufsumsatz der Spar-Österreich-Gruppe inklusive Supermärkte-Auslandstöchter, Hervis und SES Einkaufszentren um 4 Prozent auf 22,3 Mrd. Euro. Der Familienkonzern verfügt in Österreich und fünf Nachbarländern über knapp 3.100 Spar-, Eurospar- und Interspar-Märkte und 32 Shopping-Center. Rund ein Drittel der österreichischen Filialen wird von selbstständigen Spar-Kaufleuten geführt. Über 93.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren 2025 für die Spar-Gruppe tätig, 51.000 davon in Österreich.
Sondersteuer und Margenbeschränkung belasten Ungarn-Geschäft massiv
Die Ungarn-Tochter ist laut dem Spar-Chef "hochnegativ", weil man im Vorjahr wegen der von der ungarischen Regierung verfügten Sondersteuer 85 Mio. Euro zahlen musste und die Lebensmittel-Margenbeschränkung rund 37 Mio. Euro kostete. Ungarn hebt im Lebensmitteleinzelhandel seit 2022 eine Sondersteuer von bis zu 4,5 Prozent des Nettoumsatzes ein und im Frühjahr 2025 wurde außerdem eine Handelsspannenobergrenze bei Grundnahrungsmitteln für ausländische Supermarktketten festgelegt. Spar wehrte sich in Brüssel gegen die ungarische Sondersteuer und den Lebensmittelpreisdeckel. In der Causa laufen EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn. "Wir wollen im Land bleiben unter vernünftigen Voraussetzungen", so der Spar-Chef.
Die Spar-Österreich-Gruppe befindet sich zu 93 Prozent im Besitz der Gründerfamilien Drexel, Poppmeier und Reisch und einigen weiteren österreichischen Kleingesellschaftern, die teilweise ebenso zu den Gründerfamilien gehörten oder durch spätere Übernahmen dazukamen. Reisch, Enkel des Spar-Gründers Hans F. Reisch, ist Spar-Firmenchef seit November 2023.
Hervis an deutsche Investoren verkauft
Der Salzburger Handelskonzern hat sich zu Jahresbeginn nach mehr als 50 Jahren von seiner Sporthandelstochter Hervis getrennt. Nachdem die anvisierte Neupositionierung der Sportartikel-Einzelhandelskette bisher nicht das gewünschte Ergebnis brachte, habe man sich für den Verkauf entschieden, sagte der Spar-Konzernchef. "Hervis ist nicht unser Stammgeschäft."
Neue Hervis-Eigentümer sind der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer des Bürocampus Factory Berlin. Hervis verzeichnete einen Verlust inklusive bilanztechnischen Abschreibungen von über 100 Mio. Euro in den Jahren 2023 und 2024. Für 2025 liegen noch keine Zahlen vor. Der neue Hervis-Eigentümer will erste Maßnahmen im März ankündigen.
Marktführerschaft in Slowenien erreicht
Als positive Highlights des vergangenen Jahres führte Spar-CEO Reisch den Ausbau der Spar-Express-Tankenstellenshops in Österreich und die Eroberung der Marktführerschaft in Slowenien an. 2026 soll das Supermarkt-Geschäft unter anderem in Ostösterreich, Norditalien (Emilia-Romagna) und Kroatien ausgebaut werden. Im laufenden Geschäftsjahr will der Handelskonzern rund 800 Mio. Euro investieren. Neben der weiteren Expansion steht die Erneuerung von bestehenden Filialen (u.a. Interspar) auf der Agenda.