Mehr in Teilzeit

750.000 mehr Erwerbstätige, aber fast gleich viel Arbeitszeit wie 2005

Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen und Anteil an ausländischen Arbeitskräften mehr als verdoppelt. Starker Anstieg der Teilzeitarbeit, Zahl der Über- und Mehrstunden halbiert.

Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen 20 Jahren laut Statistik Austria "deutlich gewandelt". Die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich stieg seit 2005 um rund 750.000 auf 4,5 Millionen im Jahr 2025, das Arbeitsvolumen ist hingegen kaum gestiegen. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen und der Anteil der Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft an allen Erwerbstätigen hat sich mehr als verdoppelt. Die Teilzeitquote stieg um knapp 10 Prozentpunkte.

Für den 20-prozentigen Anstieg der Erwerbspersonen seit 2005 gibt es mehrere Gründe. "Besonders Frauen, ältere Menschen und nicht-österreichische Staatsangehörige haben zu diesem Plus beigetragen", sagte die Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk am Donnerstag bei der Präsentation der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung in Wien. Die Frauen-Erwerbstätigenquote erreichte im Vorjahr insgesamt 71 Prozent und lag damit um 9,9 Prozentpunkte über 2005. Der geringfügige Anstieg der tatsächlich in einem Jahr geleisteten Arbeitsstunden sei "auf die Ausweitung der Teilzeit und einen deutlichen Rückgang von Über- und Mehrstunden zurückzuführen", erklärte Lenk. Das Arbeitsvolumen stieg in den vergangenen 20 Jahren nur um 2,1 Prozent auf 6,89 Mrd. Stunden im Jahr 2025.

Starker Anstieg der Teilzeitarbeit seit 2005

Österreich liegt im EU-Vergleich bei der Teilzeitquote auf Rang 2. Rund die Hälfte (49,8 Prozent) aller erwerbstätigen Frauen arbeitete im Vorjahr in Teilzeit. Zum Vergleich: 2005 waren es noch 39,5 Prozent. Bei Männern hat sich die Teilzeitquote auf 14 Prozent mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung beruht laut Statistik Austria auf einem Zusammenspiel von starkem Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen, Recht auf Elternteilzeit (seit 2004), begrenzten Kinderbetreuungsangeboten, veränderten Präferenzen und generell der Entwicklung hin zu teilzeitintensiven Branchen. 7 Prozent der Erwerbstätigen, die bei der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung befragt wurden, wollen mehr Stunden arbeiten, 15 Prozent wollen weniger.

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktdaten schrillen bei der Wirtschaftskammer "alle Alarmglocken". "In Summe müssen wir alle Hebel ziehen, um das Arbeitsvolumen zu steigern", so WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger. "Wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern, wird uns der Fachkräftemangel massiv an Wachstum und Wohlstand kosten."

ÖGB: 2,5 Mrd. "Lohnverlust" durch unbezahlte Mehrarbeit

Die Zahl der Über- und Mehrstunden halbierte sich von über 354 Mio. Stunden im Jahr 2005 auf rund 170 Mio. Stunden im Jahr 2025. Im Vorjahr wurden 124,2 Millionen Über- und Mehrstunden bezahlt, für 45,9 Millionen Stunden gab es keine Entlohnung oder keinen Zeitausgleich.

Der ÖGB schätzt, dass den Beschäftigten durch unbezahlte Mehrarbeit im Vorjahr ein Brutto-"Lohnverlust" von rund 2,5 Mrd. Euro entstanden ist und dem Staat dadurch 1,23 Mrd. Euro an Steuern und Beiträgen entgangen sind. "Beschäftigte sollten ihre Ansprüche rechtzeitig geltend machen", sagte ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth laut Aussendung. Viele Arbeitsverträge hätten "sehr kurze Verfallsfristen", oft würden nicht ausbezahlte Überstunden bereits nach drei Monaten verfallen.

Zu den Gründen des Überstunden-Rückgangs im langjährigen Vergleich konnte die Statistik Austria keine Angaben machen, weil dies nicht bei der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung abgefragt wird. Die durchschnittliche tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit ging seit 2005 um 5,3 Stunden auf 29,4 Stunden zurück.

Ältere Arbeitnehmer bleiben deutlich länger im Arbeitsleben

Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen schnellte von 29,9 Prozent im Jahr 2005 auf 60,9 Prozent im Vorjahr. Gründe dafür sind laut Statistik Austria die demografische Entwicklung und die damit gestiegene Nachfrage nach älteren Arbeitskräften sowie Gesetzesänderungen beim Pensionsantrittsalter und strengere Regelungen zu vorzeitigen Pensionen. Trotz des starken Anstiegs lag Österreich im EU-Vergleich bei der Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen im Jahr 2024 nur auf Platz 21 von 27.

Die Zahl der Arbeitskräfte ohne österreichische Staatsbürgerschaft stieg hierzulande in den vergangenen 20 Jahren von 355.300 auf 953.800. Die Erwerbstätigenquote erhöhte sich sowohl bei Personen mit als auch ohne österreichische Staatsangehörigkeit gleichermaßen um je rund 8 Prozentpunkte und stieg bei Nicht-Österreicherinnen und Nicht-Österreichern auf 68,3 Prozent, bei Österreichern auf 76,2 Prozent.

Zahl der Erwerbspersonen geht bis 2080 zurück

Laut Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria wird die Zahl der Erwerbspersonen bereits bis 2040 sinken und bis 2080 auf 4,36 Millionen zurückgehen. "Österreich altert - und das spürbar", kommentierte die Statistik-Austria-Chefin den Arbeitsmarktausblick. "Weniger Arbeitskräfte bedeuten trotz steigender Nachfrage weniger geleistete Arbeitsstunden."

AMS-Chef Johannes Kopf warnte diese Woche vor den massiven Folgen für den Arbeitsmarkt, sollte die Politik dem demografischen Wandel und anderen Gesellschaftstrends nicht rasch mit weiteren Maßnahmen begegnen. Derzeit geht das Arbeitsmarktservice davon aus, dass im Jahr 2050 rund 120.000 Erwerbspersonen fehlen werden, wobei sich die Lage außerhalb Wiens besonders ungünstig entwickeln dürfte. Das Problem ist zwar bekannt, bisher sei aber "viel zu wenig" passiert, beklagte Kopf.

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