Staatschef
Erdoğan vergleicht Netanyahu mit Hitler
Erdoğan verglich Netanyahu am Donnerstag mit Hitler, nachdem der israelische Regierungschef den türkischen Präsidenten einen "antisemitischen Diktator" genannt und ihm "Völkermord" an den Kurden vorgeworfen hatte. Netanyahu reagierte damit auf Erdoğans Kritik an Israels Vorgehen im Libanon und in Syrien.
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Erdoğan hatte am Mittwoch angedeutet, dass er Israel wegen seines militärischen Vorgehens im Libanon und in Syrien als Bedrohung auch für die Türkei sehe. "Die Sicherheit der Türkei beginnt nicht erst in (ihrer südlichsten Provinz) Hatay, sondern in Aleppo, in Damaskus und in Beirut", sagte er mit Blick auf die in Syrien und dem Libanon gelegenen Städte. Zugleich drohte er Israel damit, dass Ankara "keine vollendeten Tatsachen in unseren Nachbarländern dulden" werde.
Netanyahu erklärte daraufhin, dass Israel weiterhin "entschlossen" gegen den Iran und dessen Verbündete vorgehen werde, um den von ihnen ausgehenden Bedrohungen gegen sein Land entgegenzuwirken. "Der antisemitische Diktator Erdoğan, der Völkermord an den Kurden begeht, die Terrororganisation Hamas unterstützt, sein eigenes Volk unterdrückt und politische Gegner inhaftiert, ist der Letzte, der Israel Lektionen in Moral erteilen kann", erklärte Netanyahu.
Erdoğan legte am Donnerstag nach und sagte an Netanyahu adressiert: "Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird."
Beziehungen auf einem Tiefstand
Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit Jahren auf einem Tiefstand. Die Spannungen haben sich seit dem Überfall der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gazakrieg verschärft.
Der NATO-Mitgliedstaat Türkei ist eine der stärksten Militärmächte in der Region. Präsident Erdoğan, der hochrangigen Hamas-Funktionären in seinem Land Unterschlupf gewährt, hat Israel wiederholt des Völkermords im Gazastreifen beschuldigt. Israel weist dies entschieden zurück.
Auch übt die Türkei zunehmenden Einfluss in Israels Nachbarland Syrien aus, wo sie islamistische Gruppen unterstützte. Seit dem Sturz des mit dem Iran verbündeten Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 treibt Ankara Experten zufolge den Ausbau seiner militärischen und politischen Präsenz in dem Nachbarland voran. Israel hat seinerseits Truppen in eine Pufferzone auf den von ihm besetzten Golanhöhen entsandt und hunderte Angriffe auf Syrien geflogen.
Die pro-iranische Hisbollah wurde seit Assads Sturz durch islamistische Milizen zunehmend aus Syrien verdrängt, allerdings ist sie im Nachbarland Libanon noch immer einflussreich. Die Miliz zog den Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg hinein. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor.
Rund 50.000 Tote seit 1984
Die Kurden leben vor allem über die Türkei, Syrien, den Irak und den Iran verstreut. Mit ihrer Verwaltung im Norden und Nordosten Syriens hatten sie bis Ende Jänner einen Teil der Grenze zur Türkei sowie Grenzübergänge zum Irak kontrolliert. Die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) spielten beim Sieg über die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien 2019 eine entscheidende Rolle.
Der Gründer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, hatte im vergangenen Jahr die kurdischen Kämpfer dazu aufgerufen, die Waffen niederzulegen und die PKK aufzulösen. In der Türkei soll eine Kommission nun den rechtlichen Rahmen für einen Friedensprozess erarbeiten.
Bei den Kämpfen zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden seit 1984 mindestens 50.000 Menschen getötet. Von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten wird die PKK bisher als Terrororganisation eingestuft.