Nach der 15 Stunden langen ORF-Wahl und der anschließenden Kür von APA-CEO Clemens Pig zum designierten Generaldirektor hat dieser am Freitag im Ö1-Radio über seine Pläne für den ORF gesprochen. 90 Millionen Euro muss er ab 2028 einsparen, das ist rund ein Zehntel des ORF-Budgets. "Es wird ein harter Weg", sagt Pig über die Sparvorgaben. Ideen, wo der ORF kürzer treten sollte, hat er schon.
"Weniger internationale Lizenzen zukaufen"
"Der ORF muss unverwechselbar werden", sagt Pig. Ein Vorhaben von ihm: "Weniger internationale Lizenzen zukaufen." Das soll beim Sparen helfen. Setzen will er lieber auf mehr Eigenproduktionen in Österreich.
Hat der ORF Schlagseite?
Im Ö1-Radio wird Pig auch gefragt: "Hat der ORF eine politische Schlagseite?" Nein, antwortet Pig, stellt dann aber klar: "Wer sind die Experten, die berichten? Hier muss ein öffentliches Medienhaus genau hinschauen, genau prüfen. Das ist für die Zukunft sehr wichtig. Wir müssen transparent arbeiten, auch als Schutzfunktion für die Redaktion."
"Es ist Feuer am Dach"
Die Regierung will, dass 90 Millionen ab 2028 eingespart werden, also rund 10 Prozent des ORF–Budgets. Pig sagt dazu: "Die ganze Republik muss sparen, auch private Medien. Der ORF hat den breitgefächerten Auftrag, seine Aufgaben wahrzunehmen. Die Gefahr besteht, dass der Auftrag mit der Finanzierung kollidiert. Da ist Feuer am Dach." Er sieht sich alle Finanzthemen an. Und betont: "Ich habe schon eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ingrid Thurnher, der aktuellen Chefin."
"Durchschnittlicher ORF-Seher geht auf die 60 Jahre zu"
Der 51-Jährige will österreichischen Content in allen Genres stärken und für bessere Auffindbarkeit regionaler Inhalte sorgen. ORF ON müsse stärker in Themenwelten, Dossiers und Empfehlungen gedacht werden, meint er. Auf ORF.at soll Video und Audio besser eingebunden und für eine klarere Themenstruktur gesorgt werden. Außerdem sagt Pig: "Der durchschnittliche ORF-Seher geht auf die 60 Jahre zu."
Das Fernsehen habe sehr gute Reichweiten, das Radio noch mehr. "Wenn man hinter die Kulissen schaut, sind es Zahlen, die die Gegenwart gut abholen, aber nicht die Zukunft", sagt Pig. "Die Vision ist, dass wir schleunigst beginnen, für die erste Generation, die den ORF als rein digitale Public-Value-Plattform nützt, gute Angebote zu bringen."
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Auf seine Generaldirektorenkür folgt jetzt erstmals die Direktorensuche. Und schon an Tag 1 nach der Wahl heißt es für Pig: Arbeiten. Gemeinsam mit Thurnher. Um den ORF schließlich am 1.1.2027 als neuer Chef zu übernehmen.