"Nicht fähig"
Patrice Aminati schockt mit Krebs-Beichte
Die Diagnose traf sie im April 2023 wie ein Schlag: schwarzer Hautkrebs, unheilbar. Seit mittlerweile drei Jahren bestimmt die schwere Erkrankung das Leben von Patrice Aminati (31). Nun schilderte sie im Rahmen des "Krebstalks" der "Bild"-Zeitung ungewohnt offen, wie sehr ihr Alltag mittlerweile von fremder Hilfe abhängt und wie essenziell die Unterstützung ihrer Familie für sie geworden ist.
Bei den Eltern eingezogen
Es ist ein radikaler Einschnitt in ein junges Leben. Wo früher Selbstständigkeit war, dominieren heute logistische und bürokratische Hürden, die allein kaum mehr zu bewältigen sind. Einfache Verrichtungen im Alltag – sei es das Lenken eines Autos oder die Erledigung des oft mühsamen Papierkrams – gehen für die 31-Jährige nicht mehr ohne fremde Hand. Um diese Herausforderungen überhaupt meistern zu können, hat Patrice Aminati einen großen Schritt getan: Sie ist wieder dauerhaft bei ihren Eltern eingezogen. Das elterliche Zuhause ist seither jener Zufluchtsort, der ihr den notwendigen Rückhalt und die tägliche Betreuung sichert.
"Ich lebe in einer neuen, starken Abhängigkeit und versuche trotzdem, so unabhängig wie möglich zu bleiben", erklärt sie ihre Situation.
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Ein familiäres Auffangnetz gegen die Erschöpfung
In diesem neuen Alltag sind die Rollen klar verteilt, um die Patientin bestmöglich zu entlasten. Ihre Mutter übernimmt getreulich die Fahrten zu den zahlreichen Terminen, während ihr Vater sich um die anfallenden Wege und Besorgungen kümmert. Ohne diese Struktur ließe sich das Leben mit der Krankheit kaum organisieren.
Wie kräftezehrend schon kleine öffentliche Auftritte oder Termine sind, beschreibt Aminati, die sich erst unlängst öffentlich und entschlossen gegen Hasskommentare im Netz zur Wehr setzen musste, sehr eindringlich: "Dieses Netz ist absolut unabdingbar, ich bin selbst zu vielem gar nicht mehr in der Lage. Nach der Veranstaltung weiß ich, ich lege mich ins Auto, ich ziehe mir die Perücke runter und bin erst mal platt und kann nicht mehr reden."
Die psychische und physische Last des permanenten Behandlungsmarathons ist enorm. Aminati macht kein Hehl daraus, wie zehrend die Situation auf Dauer ist. "Drei Jahre Therapie und Abhängigkeit sind irgendwann ermüdend, traurig", konstatiert sie sichtlich berührt. Dennoch verliert sie den Mut nicht und betont mit Nachdruck, dass ihr Leben trotz aller Widrigkeiten und Einschränkungen nach wie vor absolut lebenswert bleibe.
Der veränderte Blick auf das Leben
Aus ihrer eigenen Erfahrung heraus richtet Aminati auch einen dringenden Appell an andere Betroffene und Mitmenschen: Man solle Vorhaben und Wünsche niemals auf die lange Bank schieben. Es gelte, die Dinge sofort anzupacken und nicht auf den vermeintlich perfekten Moment zu warten, den es oft gar nicht gibt.
Überraschend mag für viele sein, dass sie der Zeit vor der folgenschweren Diagnose im Frühjahr 2023 nicht hinterhertrauert – obwohl sich ihr Dasein seither fundamental verändert hat und herbe Einschnitte verkraftet werden mussten. So ist es ihr beispielsweise aufgrund der Behandlungen unmöglich, noch weitere Kinder zu bekommen. Und dennoch überwiegt bei ihr heute eine tiefe Dankbarkeit für den Augenblick. "Ich weiß das Leben viel besser zu schätzen", stellt Patrice Aminati klar.